Schwarze Liste für Preistreiber


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Schwarze Liste für Preistreiber

 
29.11.01 20:44

Schwarze Liste für Preistreiber


Von Gabriele Wunnenberg, Hamburg

Nordrhein-Westfalen veröffentlicht im Web Namen von Firmen, die zur Euro-Einführung versteckt Preise erhöhen. Die Kunden sind jedoch so gut wie machtlos.

Kurz vor der Euro-Einführung kommen manche Unternehmen jetzt an den Pranger: Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht unter der Internetadresse www.vz-nrw.de/SES64547753/ target="_new" rel="nofollow">www.vz-nrw.de Namen von Firmen, die im Zuge der Euro-Einführung ihre Warenpreise erhöhen. Anhand dieser schwarzen Liste sollen Käufer vor dem Ladenbesuch erkennen, bei welchen Unternehmen sie aufpassen müssen. Der Grund für den Aufwand: Das Ministerium sieht es als erwiesen an, dass viele Unternehmen die neue Währung für versteckte Preiserhöhungen nutzen.

Mit der Einrichtung der Internetseite folgt das Ministerium den Niederlanden, wo Verbraucherschützer seit einiger Zeit auf einer Homepage versteckte Preiserhöhungen, die mit der Euro-Einführung zusammenhängen, veröffentlichen. Im Gegensatz zu den Niederlanden haben die Unternehmen hier aber die Möglichkeit, Gründe für die höheren Preise zu nennen und mit Konsumenten per E-Mail Kontakt aufzunehmen.



Firmen wehren sich


Dass hier zu Lande die neue Währung für Preissteigerungen genutzt wird, halten Verbraucherschützer für bewiesen: Viele Firmen hätten bereits im Vorfeld der Euro-Einführung Waren verteuert, um den Verdacht versteckter Preiserhöhungen abzuwenden. Das Statistische Bundesamt ermittelte für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Anstieg der Warenpreise um durchschnittlich 1,4 Prozent, bei Lebensmitteln stiegen die Preise sogar um 2,2 Prozent.


Die Unternehmen begründen die Preisanhebung mit gestiegenen Rohstoffkosten und Tierseuchen. Doch Verbraucherschützer warnen, dass es sich oft um unberechtigte Preissteigerungen handelt.


Die Kunden sind dagegen so gut wie machtlos. Während in Österreich Unternehmen bei der Umstellung von Schilling auf Euro ihre Preise exakt umrechnen oder lediglich abrunden dürfen, ist die Anhebung der Warenpreise in Deutschland gang und gäbe. Der österreichische Wirtschaftsminister hat per Gesetz die Möglichkeit, Euro-Preise festzulegen. Allerdings muss dann nachgewiesen sein, dass es keinen betriebswirtschaftlichen Grund für höhere Preise nach der Währungsumstellung gibt. Deutsche Kunden können gegen versteckt erhöhte Preise nicht klagen. Sie können nur eine Ordnungswidrigkeit anzeigen, wenn Händler Waren mit falsch umgerechneten Eurobeträgen auszeichnen.



Preisanhebungen im Vorfeld


Auf die schwarze Liste kommen auch Firmen, die ihre Preise im Vorfeld der Währungsumstellung erhöht haben. Verbraucherschützer vermuten, dass die Firmen dadurch den Verdacht einer versteckten Preiserhöhung ausräumen wollen. So sind Fleischwaren laut Statistischem Bundesamt in den ersten neun Monaten im Schnitt um 6,3 Prozent teurer geworden. Die Händler begründeten dies mit den Folgen der Maul- und Klauenseuche sowie der BSE-Krise, die die Nachfrage einbrechen ließ. Eine weitere Anhebung der Fleischpreise zum Jahreswechsel ist aber nicht in Sicht. Sie sanken seit dem Höchststand im Juli sogar.


Laut Statistischem Bundesamt verteuerten sich Molkereiprodukte und Eier in den ersten neun Monaten im Schnitt um sieben Prozent. Auch Bier wird teurer: So will Warsteiner im Zuge der Euro-Einführung den Preis für eine Kiste Bier um 7,5 Prozent erhöhen. Andere Brauereien wollen folgen. Sie fürchten, dass der Handel versuchen werde, den Preis für einen Kiste Premiumbier unter die Zehn-Euro-Marke zu drücken.

ftd.
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