ftd.de, Do, 6.9.2001, 7:36, aktualisiert: Do, 6.9.2001, 17:11
Scharping soll 40 mal nach Frankfurt geflogen sein
Die Spekulationen um die Luftwaffen-Flüge von Verteidigungsminister Scharping nehmen zu. 40 mal soll Scharping dienstlich nach Frankfurt geflogen sein - dort lebt seine Lebensgefährtin.
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping wird dem zuständigen Parlamentausschuss am Montag auch den dienstlichen Anlass für bis zu 40 Luftwaffen-Flüge nach Frankfurt am Main binnen eines Jahres erklären müssen. Diese Zahl nannte die die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag unter Berufung auf gut informierte Kreise. Die "Bild"-Zeitung meldete am Donnerstag vorab, der Minister sei 20 mal an den Main geflogen. Scharping soll in der Sondersitzung des Verteidigungsausschusses zudem wegen seines umstrittenen Mallorca-Fluges Rede und Antwort stehen.
Laut "Bild" hat sich Scharping in Frankfurt jeweils mit leitenden Mitarbeitern der ministeriumseigenen Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (GEBB) getroffen. Die GEBB hat ihren Sitz allerdings in Bonn und Berlin. Ein solches Treffen war am Mittwoch von Scharpings Sprecher Ernst Joachim Cholin bestätigt und damit erklärt worden, dass es aus Termingründen nur dort habe stattfinden können. Die CDU/CSU hat angekündigt, die Frankfurt-Flüge des Ministers besonders unter die Lupe zu nehmen, weil dort seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati wohnt.
Beifall von der SPD-Fraktion
Vor der SPD-Fraktion versicherte Scharping, die Vorwürfe der Opposition seien unberechtigt. Er habe gemäß den Richtlinien für die Nutzung der Flugbereitschaft gehandelt. Er bedauerte aber auch erneut, dass die Veröffentlichung seiner Urlaubsfotos mit Gräfin Pilati im Zusammenhang mit der Mazedonien-Entscheidung einen falschen Eindruck erweckt hätten. Nach Angaben aus Fraktionskreisen erhielt Scharping für seine Erklärung Beifall.
CDU: "Scharping muss Hosen runterlassen"
Fraktionschef Peter Struck sagte nach der Sitzung, er habe keine Zweifel, dass die Opposition am Montag den Beweis für ihre Anschuldigungen schuldig bleiben werde. Er habe auch keinen Anlass, sich von Scharping Listen mit seinen Flügen vorlegen zu lassen: "Ich vertraue ihm." Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Paul Breuer, sagte dagegen, Scharping solle nicht denken, dass die Wahrheit über seine Flüge nicht ans Licht komme. „Scharping muss wissen, dass er die Hosen runterlassen muss.“ Breuer sagte, "notfalls" würden CDU und CSU den Verteidigungsausschuss zu einem Untersuchungsausschuss machen. Er forderte den Kanzler auf, schnellstens reinen Tisch zu machen, Scharping zu entlassen und einen Nachfolger zu benennen.
Scharping selbst will trotz der anhaltenden Kritik im Amt bleiben. Der Minister sagte am Donnerstag vor einer Klausursitzung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin: "Sie sehen mich ruhig, sehr ernst und mit der Gewissheit, dass ich mein Amt konzentriert führe und auch weiter führen werde."
Die politische Zukunft Scharpings erschien vor der SPD-Fraktionssitzung innerhalb der Partei als nicht gesichert. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte im Berliner "Inforadio", er gehe davon aus, dass die Vorwürfe gegen Scharping haltlos seien. Der Minister werde unter der Voraussetzung im Amt bleibt, dass die "innerdeutschen Flüge" in Ordnung gewesen seien. "Und da haben wir seine Zusage, und das gilt."
Kanzler dementiert Gerüchte
Zuvor hatte es den Anschein, dass sich die Situation für Scharping noch verschärft. Mehrere Medien hatten berichtet, Bundeskanzler Schröder habe Scharping einen Rücktritt nahe gelegt, Scharping sei aber nicht bereit, wegen der Flugaffäre sein Amt aufzugeben. Schröder hatte allerdings am späten Mittwochabend dementiert, dass er Scharping zum Rücktritt aufgefordert habe. Es gebe keine neue Lage seit seinem Gespräch mit Scharping am Sonntag. "Deswegen hat sich an meiner Haltung auch nichts verändert", fügte er hinzu.
© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration: AP
Scharping soll 40 mal nach Frankfurt geflogen sein
Die Spekulationen um die Luftwaffen-Flüge von Verteidigungsminister Scharping nehmen zu. 40 mal soll Scharping dienstlich nach Frankfurt geflogen sein - dort lebt seine Lebensgefährtin.
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping wird dem zuständigen Parlamentausschuss am Montag auch den dienstlichen Anlass für bis zu 40 Luftwaffen-Flüge nach Frankfurt am Main binnen eines Jahres erklären müssen. Diese Zahl nannte die die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag unter Berufung auf gut informierte Kreise. Die "Bild"-Zeitung meldete am Donnerstag vorab, der Minister sei 20 mal an den Main geflogen. Scharping soll in der Sondersitzung des Verteidigungsausschusses zudem wegen seines umstrittenen Mallorca-Fluges Rede und Antwort stehen.
Laut "Bild" hat sich Scharping in Frankfurt jeweils mit leitenden Mitarbeitern der ministeriumseigenen Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (GEBB) getroffen. Die GEBB hat ihren Sitz allerdings in Bonn und Berlin. Ein solches Treffen war am Mittwoch von Scharpings Sprecher Ernst Joachim Cholin bestätigt und damit erklärt worden, dass es aus Termingründen nur dort habe stattfinden können. Die CDU/CSU hat angekündigt, die Frankfurt-Flüge des Ministers besonders unter die Lupe zu nehmen, weil dort seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati wohnt.
Beifall von der SPD-Fraktion
Vor der SPD-Fraktion versicherte Scharping, die Vorwürfe der Opposition seien unberechtigt. Er habe gemäß den Richtlinien für die Nutzung der Flugbereitschaft gehandelt. Er bedauerte aber auch erneut, dass die Veröffentlichung seiner Urlaubsfotos mit Gräfin Pilati im Zusammenhang mit der Mazedonien-Entscheidung einen falschen Eindruck erweckt hätten. Nach Angaben aus Fraktionskreisen erhielt Scharping für seine Erklärung Beifall.
CDU: "Scharping muss Hosen runterlassen"
Fraktionschef Peter Struck sagte nach der Sitzung, er habe keine Zweifel, dass die Opposition am Montag den Beweis für ihre Anschuldigungen schuldig bleiben werde. Er habe auch keinen Anlass, sich von Scharping Listen mit seinen Flügen vorlegen zu lassen: "Ich vertraue ihm." Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Paul Breuer, sagte dagegen, Scharping solle nicht denken, dass die Wahrheit über seine Flüge nicht ans Licht komme. „Scharping muss wissen, dass er die Hosen runterlassen muss.“ Breuer sagte, "notfalls" würden CDU und CSU den Verteidigungsausschuss zu einem Untersuchungsausschuss machen. Er forderte den Kanzler auf, schnellstens reinen Tisch zu machen, Scharping zu entlassen und einen Nachfolger zu benennen.
Scharping selbst will trotz der anhaltenden Kritik im Amt bleiben. Der Minister sagte am Donnerstag vor einer Klausursitzung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin: "Sie sehen mich ruhig, sehr ernst und mit der Gewissheit, dass ich mein Amt konzentriert führe und auch weiter führen werde."
Die politische Zukunft Scharpings erschien vor der SPD-Fraktionssitzung innerhalb der Partei als nicht gesichert. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte im Berliner "Inforadio", er gehe davon aus, dass die Vorwürfe gegen Scharping haltlos seien. Der Minister werde unter der Voraussetzung im Amt bleibt, dass die "innerdeutschen Flüge" in Ordnung gewesen seien. "Und da haben wir seine Zusage, und das gilt."
Kanzler dementiert Gerüchte
Zuvor hatte es den Anschein, dass sich die Situation für Scharping noch verschärft. Mehrere Medien hatten berichtet, Bundeskanzler Schröder habe Scharping einen Rücktritt nahe gelegt, Scharping sei aber nicht bereit, wegen der Flugaffäre sein Amt aufzugeben. Schröder hatte allerdings am späten Mittwochabend dementiert, dass er Scharping zum Rücktritt aufgefordert habe. Es gebe keine neue Lage seit seinem Gespräch mit Scharping am Sonntag. "Deswegen hat sich an meiner Haltung auch nichts verändert", fügte er hinzu.
© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration: AP