von Martin Weiss
In der vergangenen Woche konnte der deutsche Leitindex seine Jahresendrally nicht fortsetzen. Zum Wochenschluss ging der Dax unter der Marke von 5300 Punkten aus dem Handel.
Wie dem auch sei, das Jahr 2005 scheint bei den meisten Experten schon abgehakt zu sein. Und zwar als gutes Jahr für Aktien. Und für das Jahr
2006 wird noch Besseres erwartet. Es scheint kaum ein Wölkchen am sonnigen Aktienhimmel erkennbar zu sein. Die Kursziele werden bisweilen immer höher, 5700 Punkte werden gar als Minimum für 2006 herausgestellt. Manche Strategen malen sich gar einen Gipfelsturm bis in die Region von 7000 aus. Sehr auffällig ist aber gleichzeitig, dass kaum jemand davon ausgeht, dass im nächsten Jahr eine gewisse Atemnot in derart luftiger Höhe eintreten könnte. Ohne Zweifel, dem Dax wird eine regelrechte Klettertour zugetraut. Und die Zahl derer, die daran zweifeln, dass im Verlauf des Fußball-WM-Jahres 2006 der Aktienmarkt etwas Luft holen wird, wird immer geringer.
Ja, gegenwärtig scheinen die Bären wahrlich zu kapitulieren. Die Pessimisten werden immer weniger. Nicht einmal ein Viertel ist noch skeptisch gestimmt. Die Bullen haben eindeutig die Vorherrschaft übernommen.
Wie auch immer, im Hinblick auf die Rahmenbedingungen könnte in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2006 möglicherweise das bullishe Szenario aufgehen. Momentan gibt es bei der deutschen Industrie einen leichten Aufschwung, der eher starke Dollar stützt den deutschen Export. Und die Fußball-WM dürfte auch die binnenkonjunkturelle Stimmung etwas heben.
Andererseits mehren sich auch die Warnzeichen. Die Dollar-Stärke dürfte im Zuge des Auslaufens des US Home Investment Acts im Verlauf des ersten Quartals 2006 abrupt aufhören. Das Wachstum der Weltwirtschaftslokomotive USA steht auf sehr, sehr tönernen Füßen. Um nicht zu sagen, auf immer brüchigerem Fundament. Böse Zungen meinen gar, dass gar kein tragfähiges Fundament mehr vorhanden ist. Zumindest scheint aus der US-Schuldenblase immer mehr Luft zu entweichen. Und, den Verbrauchern fällt es immer schwerer, neue Luft in den Ballon zu blasen. Jedenfalls flaut die jährliche Wachstumsrate der US-Verbraucherkreditverschuldung ab. Und in den Monaten September und Oktober diesen Jahres sind die US-Verbraucherkredite völlig unerwartet gesunken.
Es dürfte nun also extrem spannend werden, denn einhergehend mit weiter bestenfalls stagnierenden Reallöhnen dürfte die beste aller Zeiten für die US-Binnenkonjunktur beendet sein. Hinzu kommt, dass auch die extrem gestiegenen Energiepreise - der Gaspreis befindet sich auf einem neuen Rekordhoch - den Konsumenten immer mehr Kaufkraft entziehen. Für die US-Konjunktur, die mittlerweile zu mehr als drei Viertel vom Privatkonsum abhängt, dürften also sehr stürmische Zeiten bevorstehen.
Ja, vor dem Hintergrund eines solchen Umfelds verwundert es kaum, dass die Flucht ins Gold immer stärker wird. Am Freitag hat der Preis für das gelbe Edelmetall kurzzeitig die Marke von 530 Dollar je Feinunze touchiert. Und noch immer steht das Gros der Anleger am Seitenrand.
Gold ist in den meisten Portfolios institutioneller Anleger immer noch stark untergewichtet. Und die Gold-Hausse geht auch an einem Großteil der Privatanleger vorbei.
Insofern stehen die Ampeln auch von dieser Perspektive aus betrachtet weiter auf grün. Sicherlich, es wäre sehr gesund, wenn nach einem derart fulminanten Anstieg eine Konsolidierungsphase einsetzen würde.
Angesichts der aktuellen Dynamik würde es aber auch nicht sonderlich überraschen, wenn das gelbe Edelmetall auch die Widerstandszone bei
538 bis 540 Dollar je Feinunze knacken könnte und erst dann eine größere Korrektur ansteht. Auf diese sollte man sich aber als womöglich letzte günstige Einstiegschance vor der großen Aufwärtsbewegung in Richtung neuer All Time Highs freuen ...
Gruß Moya 
