Von Rainer Sütfeld, ARD-Hörfunkstudio New York
Auswirkungen der Hurrikans
US-Wirtschaft vor langfristigeren Turbulenzen
Auch an den Börsen sorgen Hurrikans für Wirbel, bis zu diesem Jahr waren Konsequenzen in den USA aber meist rar. Doch mittlerweile erklingen neue Töne im Land der unbegrenzten Ölverschwendung. Ein "weiter so" ist nach "Rita" und ihren Schwestern nicht mehr möglich.
Je nach Hurrikan-Einstufung geht auch der Ölpreis mit rauf oder runter, die Wall Street macht es umgekehrt: Kurzfristige Reaktionen auf aktuelle Windstärken, die gleichzeitig kurzsichtig sind, denn die US-Wirtschaft steht langfristig vor enormen Turbulenzen. Egal ob "Rita" nun stärker oder schwächer als "Katrina" ist.
Während in Louisiana noch fünf Großraffinerien dicht sind, haben in Texas neun geschlossen. Allein dort liegen 25 Prozent der US-Raffineriekapazität still. Hinzu kommen jene Pipelines, die den Nordosten des Landes mit Erdölprodukten oder Erdgas versorgen. Eingestellt sind auch ein Viertel der heimischen Gas- und knapp 30 Prozent der Ölförderung. Deutlicher kann man die Abhängigkeit der USA vom Energiezentrum Golfküste nicht mehr machen. Und ihre Verwundbarkeit.
Gas für die Industrie, Benzin für VerbraucherWas bleibt ist immer wieder das Prinzip Hoffnung. "Wenn wir nur Überflutungen haben und in einer Woche durch sind, dann sieht es besser aus", sagt Energieexperte Peter Beutel. "Aber wehe, wenn der Houston-Schiffskanal getroffen wird oder Raffinerien länger ausgeschaltet werden." Dann, so Beutel weiter, explodiert auch wieder der Benzinpreis, wie schon jetzt fast unbemerkt der Erdgaspreis. Der ist in einem Jahr um 150 Prozent angestiegen und erreichte gestern ein neues Rekordhoch. "Erdgas hat einen viel größeren Effekt auf die Industrie. Benzin dämpft dagegen massiv das Konsumentenvertrauen", sagt Beutel. "Wenn es beides trifft, Unternehmen und Verbraucher, dann trifft es zwei Säulen unseres Wirtschaftwachstums."
Die Zuversicht der Verbraucher ist gerade zum zweiten Mal hintereinander gesunken und damit das US-Konjunkturbarometer. Das gab es zuletzt nach dem 11. September 2001. Die Alarmglocken läuten also unüberhörbar, doch noch streitet man in Washington höchstens in der zweiten Reihe, über die mögliche Verbindung zwischen Sturm und Erderwärmung.
Spartipps aus dem MinisteriumDie "New York Times" legte eine Statistik vor, dass in den Jahren 1995, 1960 und 1933 mehr und stärkere Hurrikans auftraten. Auffällig, so andere Wissenschaftler, sei aber die Häufung stärkerer Stürme am Golf. Tatsache bleibt, dass Jahr für Jahr ein Kernstück der amerikanischen Energieversorgung bedroht ist und die Preise kaum mehr sinken werden. Jedenfalls nicht mehr zu diesem Winter.
Als Konsequenz rät der zuständige Minister Samuel Bodman zum Sparen: "Die Situation erfordert von Amerikas Familien zu sparen, nicht nur Benzin sondern auch Gas. Und die Häuser zu isolieren und alles Bekannte zu unternehmen, um die vorhandene Energieversorgung zu strecken."
Neue Töne im Land der unbegrenzten Ölverschwendung, aber nicht genug, sagt nicht nur das E3-Energinstitut in Denver. Das fordert eine sofortige Verlagerung von Raffinerie- und Gasverarbeitungskapazitäten aus der katastrophengefährdeten Golfregion, und rät zum Bau neuer Gas- und Ölimporthäfen an Ost- und Westküste. Nur so könnten Preise langfristig gedrückt und die Versorgung gesichert werden.
Samual Bodmann ist da skeptisch, besonders bei der Ölverarbeitung: "Da ist nicht nur das Argument 'Bitte nicht in meinem Hinterhof'. Sondern auch die Frage der Infrastruktur zwischen Ölproduktion und Raffinerien, zwischen den Raffinerien und den Kunden."
Seit Jahrzehnten wurde keine neue Raffinerie mehr genehmigt, und für einen neuen Flüssiggashafen findet sich bisher kein Ort an der Ostküste. Das könnte "Rita" ändern. Die Hurrikan-Saison 2005 hat die US-Wirtschaft stärker angeschlagen, als man es bisher an der Wall Street ablesen kann. Da nützen auch die Sturmgewinne bei der Baumarktkette Home Depot, dem Maschinenhersteller Caterpillar oder dem Ölfeldausrüster Halliburton auf Dauer nichts.
Auswirkungen der Hurrikans
US-Wirtschaft vor langfristigeren Turbulenzen
Auch an den Börsen sorgen Hurrikans für Wirbel, bis zu diesem Jahr waren Konsequenzen in den USA aber meist rar. Doch mittlerweile erklingen neue Töne im Land der unbegrenzten Ölverschwendung. Ein "weiter so" ist nach "Rita" und ihren Schwestern nicht mehr möglich.
Je nach Hurrikan-Einstufung geht auch der Ölpreis mit rauf oder runter, die Wall Street macht es umgekehrt: Kurzfristige Reaktionen auf aktuelle Windstärken, die gleichzeitig kurzsichtig sind, denn die US-Wirtschaft steht langfristig vor enormen Turbulenzen. Egal ob "Rita" nun stärker oder schwächer als "Katrina" ist.
Während in Louisiana noch fünf Großraffinerien dicht sind, haben in Texas neun geschlossen. Allein dort liegen 25 Prozent der US-Raffineriekapazität still. Hinzu kommen jene Pipelines, die den Nordosten des Landes mit Erdölprodukten oder Erdgas versorgen. Eingestellt sind auch ein Viertel der heimischen Gas- und knapp 30 Prozent der Ölförderung. Deutlicher kann man die Abhängigkeit der USA vom Energiezentrum Golfküste nicht mehr machen. Und ihre Verwundbarkeit.
Gas für die Industrie, Benzin für VerbraucherWas bleibt ist immer wieder das Prinzip Hoffnung. "Wenn wir nur Überflutungen haben und in einer Woche durch sind, dann sieht es besser aus", sagt Energieexperte Peter Beutel. "Aber wehe, wenn der Houston-Schiffskanal getroffen wird oder Raffinerien länger ausgeschaltet werden." Dann, so Beutel weiter, explodiert auch wieder der Benzinpreis, wie schon jetzt fast unbemerkt der Erdgaspreis. Der ist in einem Jahr um 150 Prozent angestiegen und erreichte gestern ein neues Rekordhoch. "Erdgas hat einen viel größeren Effekt auf die Industrie. Benzin dämpft dagegen massiv das Konsumentenvertrauen", sagt Beutel. "Wenn es beides trifft, Unternehmen und Verbraucher, dann trifft es zwei Säulen unseres Wirtschaftwachstums."
Die Zuversicht der Verbraucher ist gerade zum zweiten Mal hintereinander gesunken und damit das US-Konjunkturbarometer. Das gab es zuletzt nach dem 11. September 2001. Die Alarmglocken läuten also unüberhörbar, doch noch streitet man in Washington höchstens in der zweiten Reihe, über die mögliche Verbindung zwischen Sturm und Erderwärmung.
Spartipps aus dem MinisteriumDie "New York Times" legte eine Statistik vor, dass in den Jahren 1995, 1960 und 1933 mehr und stärkere Hurrikans auftraten. Auffällig, so andere Wissenschaftler, sei aber die Häufung stärkerer Stürme am Golf. Tatsache bleibt, dass Jahr für Jahr ein Kernstück der amerikanischen Energieversorgung bedroht ist und die Preise kaum mehr sinken werden. Jedenfalls nicht mehr zu diesem Winter.
Als Konsequenz rät der zuständige Minister Samuel Bodman zum Sparen: "Die Situation erfordert von Amerikas Familien zu sparen, nicht nur Benzin sondern auch Gas. Und die Häuser zu isolieren und alles Bekannte zu unternehmen, um die vorhandene Energieversorgung zu strecken."
Neue Töne im Land der unbegrenzten Ölverschwendung, aber nicht genug, sagt nicht nur das E3-Energinstitut in Denver. Das fordert eine sofortige Verlagerung von Raffinerie- und Gasverarbeitungskapazitäten aus der katastrophengefährdeten Golfregion, und rät zum Bau neuer Gas- und Ölimporthäfen an Ost- und Westküste. Nur so könnten Preise langfristig gedrückt und die Versorgung gesichert werden.
Samual Bodmann ist da skeptisch, besonders bei der Ölverarbeitung: "Da ist nicht nur das Argument 'Bitte nicht in meinem Hinterhof'. Sondern auch die Frage der Infrastruktur zwischen Ölproduktion und Raffinerien, zwischen den Raffinerien und den Kunden."
Seit Jahrzehnten wurde keine neue Raffinerie mehr genehmigt, und für einen neuen Flüssiggashafen findet sich bisher kein Ort an der Ostküste. Das könnte "Rita" ändern. Die Hurrikan-Saison 2005 hat die US-Wirtschaft stärker angeschlagen, als man es bisher an der Wall Street ablesen kann. Da nützen auch die Sturmgewinne bei der Baumarktkette Home Depot, dem Maschinenhersteller Caterpillar oder dem Ölfeldausrüster Halliburton auf Dauer nichts.