Anlageprofis kaufen wieder europäische Technologieaktien. Doch nur wenn die Konjunktur anspringt, geht ihre Wette auf.
Milliarden Euro warten auf den Aufschwung. Statt in den Portemonnaies von Europas Verbrauchern, liegen sie derzeit noch auf unzähligen Konten, bis sich ein gutes Investment aufdrängt. Noch zögern viele Anleger, ihr Geld an die Börse zu tragen. Unsicherheit herrscht vor: Welche europäischen Aktien werden von der anspringenden Konjunktur profitieren?
Vermögensverwalter und Fondsmanager, die milliardenschwere Aktienpakete bewegen, müssten die Antwort eigentlich kennen. Die WirtschaftsWoche befragte daher mehr als 50 Anlageprofis nach ihren Favoriten für 2002 aus dem Index Dow Jones Euro Stoxx 50. Jeder der Interviewten sollte je drei Aktien nennen, denen er in den kommenden zwölf Monaten einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs zutraut.
Das größte Vertrauen schenken die Börsenprofis den Telekom-Werten. Auf Platz eins der Beliebtheitsskala findet sich Nokia: Den finnischen Handyhersteller halten 34,5 Prozent der Befragten für Europas besten Blue Chip (siehe Grafik). „Nokia ist mit einer Gewinnmarge von 20 Prozent der derzeit einzige profitable Telekomausrüster in Europa“, sagt Mathias Grimm. Der Adig-Fondsmanager hält die Aktie trotz eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von derzeit 33,4 für 2002 angesichts der zu erwartenden Wachstumsraten für nicht zu teuer.
Doch es gibt auch mahnende Stimmen: Merrill Lynch stuft den Mobilfunksektor wegen des schleppenden Handyabsatzes insgesamt auf „Untergewichten“, Nokia auf „Neutral“ ein. Langfristig sieht Merrill Lynch die finnische Aktie aber nach wie vor als starken Kauf. J. P. Morgan zeigt sich dagegen pessimistischer und setzt Nokia von „Kaufen“ auf „Marketperformer“ herunter.
Ahnlich erging es dem zweiten Favoriten der WirtschaftsWoche-Umfrage Alcatel, den 24,1 Prozent der interviewten Finanzexperten empfehlen. J. P. Morgan beurteilt die Aktie aktuell nur noch als „Underperformer“. Jörg Kloy, Leiter des Aktienfondsmanagements bei SEB Invest, hält Alcatel dennoch für ein interessantes Investment: „Im Bereich der Hochgeschwindigkeitszugänge fürs Internet ist das Unternehmen als Zulieferer gut positioniert.“ Insbesondere die Verträge mit France Télécom sicherten auf Jahre hinaus stabile Umsätze.
Vom neuen TechnologieHype profitiert auch Philips: 20,7 Prozent der Börsenprofis glauben, dass die Aktie 2002 zu den größten Gewinnern zählt. „Philips hat bisher überzeugend restrukturiert und sollte dieses Jahr wieder in die Gewinnzone fahren“, sagt Mike Bayer, Portfoliomanager der Ceros Vermögensverwaltung. Das angepeilte Einsparvolumen von einer Milliarde Euro für 2002 sei noch nicht vollständig im Kurs eingepreist. Als Profitbringer sieht Bayer zyklische Bereiche wie Halbleiter, vorausgesetzt, die Wirtschaft wächst wieder schneller.
Wie zart das europäische Konjunktur-pflänzchen jedoch noch keimt, zeigt die pessimistische Prognose des deutschen Finanzministers für das Wirtschaftswachstum in Deutschland von mickrigen 0,75 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in Berlin rechnet gar nur mit 0,6 Prozent für Deutschland und 1,1 Prozent für Euroland. Ein echter Aufschwung sieht anders aus.
2001, als die Märkte noch voll auf Rezession gestimmt waren, marschierten im Euro Stoxx 50 die defensiven Werte vorne-weg. Zu den größten Gewinnern zählte der Energiekonzern ENI. In der WirtschaftsWoche-Umfrage trauen die Finanzexperten ENI 2002 allerdings nur wenig zu. Auf einer Skala für das Zuwachspotenzial von 1,0 (niedrig) bis 5,0 (hoch) erhielt der Versorger durchschnittlich nur eine 2,4. Ein weiterer Spitzenperformer des Vorjahres, die eher zyklische DaimlerChrysler, schnitt mit einer 3,0 etwas besser ab.
Ob 2002 nun technologielastige Werte im Euro Stoxx 50 die Nase vorn haben, ist keineswegs entschieden. Zwar nimmt die Börse gute Konjunkturaussichten durch entsprechend höhere Kurse vorweg. Doch wehe, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. Dann gehen die Technologietitel als erste in die Knie. So sieht die Dresdner Bank in ihrer Prognose für den europäischen Aktienmarkt insbesondere im zweiten Halbjahr 2002 die Gefahr von Kursrückschlägen. Zuvor jedoch soll der Euro Stoxx 50 nach Ansicht der Analysten bis zur Jahresmitte um 10,3 Prozent auf 4200 Punkte steigen.
Für Anleger, die sich im Herbst 2001 bereits günstig mit europäischen Technologie-titeln eingedeckt haben, ergibt sich demnach im zweiten Quartal die Chance für Gewinnmitnahmen. Wer jetzt einsteigen will, muss Geduld mitbringen und auf eine mittelfristige Wachstumserholung hoffen.
Milliarden Euro warten auf den Aufschwung. Statt in den Portemonnaies von Europas Verbrauchern, liegen sie derzeit noch auf unzähligen Konten, bis sich ein gutes Investment aufdrängt. Noch zögern viele Anleger, ihr Geld an die Börse zu tragen. Unsicherheit herrscht vor: Welche europäischen Aktien werden von der anspringenden Konjunktur profitieren?
Vermögensverwalter und Fondsmanager, die milliardenschwere Aktienpakete bewegen, müssten die Antwort eigentlich kennen. Die WirtschaftsWoche befragte daher mehr als 50 Anlageprofis nach ihren Favoriten für 2002 aus dem Index Dow Jones Euro Stoxx 50. Jeder der Interviewten sollte je drei Aktien nennen, denen er in den kommenden zwölf Monaten einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs zutraut.
Das größte Vertrauen schenken die Börsenprofis den Telekom-Werten. Auf Platz eins der Beliebtheitsskala findet sich Nokia: Den finnischen Handyhersteller halten 34,5 Prozent der Befragten für Europas besten Blue Chip (siehe Grafik). „Nokia ist mit einer Gewinnmarge von 20 Prozent der derzeit einzige profitable Telekomausrüster in Europa“, sagt Mathias Grimm. Der Adig-Fondsmanager hält die Aktie trotz eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von derzeit 33,4 für 2002 angesichts der zu erwartenden Wachstumsraten für nicht zu teuer.
Doch es gibt auch mahnende Stimmen: Merrill Lynch stuft den Mobilfunksektor wegen des schleppenden Handyabsatzes insgesamt auf „Untergewichten“, Nokia auf „Neutral“ ein. Langfristig sieht Merrill Lynch die finnische Aktie aber nach wie vor als starken Kauf. J. P. Morgan zeigt sich dagegen pessimistischer und setzt Nokia von „Kaufen“ auf „Marketperformer“ herunter.
Ahnlich erging es dem zweiten Favoriten der WirtschaftsWoche-Umfrage Alcatel, den 24,1 Prozent der interviewten Finanzexperten empfehlen. J. P. Morgan beurteilt die Aktie aktuell nur noch als „Underperformer“. Jörg Kloy, Leiter des Aktienfondsmanagements bei SEB Invest, hält Alcatel dennoch für ein interessantes Investment: „Im Bereich der Hochgeschwindigkeitszugänge fürs Internet ist das Unternehmen als Zulieferer gut positioniert.“ Insbesondere die Verträge mit France Télécom sicherten auf Jahre hinaus stabile Umsätze.
Vom neuen TechnologieHype profitiert auch Philips: 20,7 Prozent der Börsenprofis glauben, dass die Aktie 2002 zu den größten Gewinnern zählt. „Philips hat bisher überzeugend restrukturiert und sollte dieses Jahr wieder in die Gewinnzone fahren“, sagt Mike Bayer, Portfoliomanager der Ceros Vermögensverwaltung. Das angepeilte Einsparvolumen von einer Milliarde Euro für 2002 sei noch nicht vollständig im Kurs eingepreist. Als Profitbringer sieht Bayer zyklische Bereiche wie Halbleiter, vorausgesetzt, die Wirtschaft wächst wieder schneller.
Wie zart das europäische Konjunktur-pflänzchen jedoch noch keimt, zeigt die pessimistische Prognose des deutschen Finanzministers für das Wirtschaftswachstum in Deutschland von mickrigen 0,75 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in Berlin rechnet gar nur mit 0,6 Prozent für Deutschland und 1,1 Prozent für Euroland. Ein echter Aufschwung sieht anders aus.
2001, als die Märkte noch voll auf Rezession gestimmt waren, marschierten im Euro Stoxx 50 die defensiven Werte vorne-weg. Zu den größten Gewinnern zählte der Energiekonzern ENI. In der WirtschaftsWoche-Umfrage trauen die Finanzexperten ENI 2002 allerdings nur wenig zu. Auf einer Skala für das Zuwachspotenzial von 1,0 (niedrig) bis 5,0 (hoch) erhielt der Versorger durchschnittlich nur eine 2,4. Ein weiterer Spitzenperformer des Vorjahres, die eher zyklische DaimlerChrysler, schnitt mit einer 3,0 etwas besser ab.
Ob 2002 nun technologielastige Werte im Euro Stoxx 50 die Nase vorn haben, ist keineswegs entschieden. Zwar nimmt die Börse gute Konjunkturaussichten durch entsprechend höhere Kurse vorweg. Doch wehe, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. Dann gehen die Technologietitel als erste in die Knie. So sieht die Dresdner Bank in ihrer Prognose für den europäischen Aktienmarkt insbesondere im zweiten Halbjahr 2002 die Gefahr von Kursrückschlägen. Zuvor jedoch soll der Euro Stoxx 50 nach Ansicht der Analysten bis zur Jahresmitte um 10,3 Prozent auf 4200 Punkte steigen.
Für Anleger, die sich im Herbst 2001 bereits günstig mit europäischen Technologie-titeln eingedeckt haben, ergibt sich demnach im zweiten Quartal die Chance für Gewinnmitnahmen. Wer jetzt einsteigen will, muss Geduld mitbringen und auf eine mittelfristige Wachstumserholung hoffen.