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Marge schwächelt Infineon-Aktie stürzt ab
Nach Vorlage der Quartalszahlen schmeißen Anleger die Aktien von Infineon aus ihren Depots. Die Margentrends enttäuschen, doch auch die von Vorstandschef Jochen Hanebeck angekündigte Aufstockung einer milliardenschweren Investition in Malaysia verunsichert die Aktionäre.
03.08.2023, 18.18 Uhr
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Infineon-Chef Jochen Hanebeck zur Investitionsaufstockung: "Das ist sicherlich ein mutiger Schritt."
Infineon-Chef Jochen Hanebeck zur Investitionsaufstockung: "Das ist sicherlich ein mutiger Schritt." Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS
Der Halbleiterkonzern Infineon wettet auf eine anziehende Nachfrage nach modernen Halbleitern für Elektroautos und Solaranlagen und stockt die Investitionen in sein Werk im malaysischen Kulim massiv auf. In den kommenden fünf Jahren werde man zusätzlich bis zu fünf Milliarden Euro für den Bau ausgeben, teilte der Konzern am Donnerstag mit – und das, obwohl der Chipmarkt derzeit schwächelt und sich die Lagerbestände bei dem Münchener Unternehmen füllen.
"Es bewegt den Markt, den Bau großer Fabriken anzukündigen", sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck (55) auch mit Blick auf den Kursrutsch der Aktien an der Börse. Infineon-Aktien schlossen am Donnerstag 9,33 Prozent leichter. "Das ist sicherlich ein mutiger Schritt." Einfacher sei es, Investitionen in Boomphasen auf den Weg zu bringen. "Wir glauben aber, dass Siliziumkarbid ein sehr starker Wachstumstreiber ist."
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Bis Ende des Jahrzehnts will Infineon jährlich bis zu sieben Milliarden Euro mit dem Verkauf von Siliziumkarbid-Halbleitern einnehmen und auf einen Marktanteil von 30 Prozent kommen. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg: Im laufenden Geschäftsjahr dürften diese Chips gerade einmal 500 Millionen Euro Umsatz einbringen. Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos und erneuerbaren Energien treiben das Geschäft an. Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts dürfte die Nachfrage stark steigen. Die neuen Anlagen in Kulim sollen ab 2027 in Betrieb gehen. Erst im Februar 2022 hatte Infineon angekündigt, für zwei Milliarden Euro das Werk auszubauen.
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Langfristig seien die Aussichten für Infineon günstig zu bewerten, schrieb Stifel-Analyst Jürgen Wagner. Er verwies darauf, dass bereits Kunden für die neuen Chips aus dem erweiterten Werk in Malaysia gefunden seien. Bei den Autobauern sind es nach Infineon-Angaben unter anderem Ford sowie SAIC und Chery aus China, daneben Solar Edge sowie drei führende chinesische Photovoltaik-Hersteller. Insgesamt seien Kundenzusagen in Höhe von fünf Milliarden Euro sowie eine Milliarde Euro Vorauszahlungen eingegangen.