Nachfolgend mal (m)eine konträre Sichtweise dazu: also ich habe meine Aktien vorhin alle bei 1,085 Euro verkauft. Die Annahmeschwelle bei über 90% ist schon relativ hoch, die Möglichkeit eines Scheiterns mE durchaus vorhanden. Für zusätzliche 1,5 Cent nehme ich das Risiko nicht. Es ist auch nicht so, dass die Aktie hier ein paar Tage/Wochen so tief notiert, sondern die Aktie ist mittlerweile seit fast zehn Monaten ein Pennystock – da nehme ich die Prämie gerne mit und gehe mit einem blauen Auge raus.
Dass hier noch jemand anders um die Ecke kommt, der mehr als 70% Prämie auf den 3-Monats-Durchschnittskurs zahlt, sehe ich nicht. Und falls es angenommen wird: will ich hier einer der <10% Minderheitsaktionäre bleiben und dann hoffen, dass eines Tages ein höheres Squeeze Out Angebot kommt? Ja, kann passieren, aber darauf setze ich nicht.
Ich würde das evtl. auch anders sehen, wenn ich von der Entwicklung bei Readly überzeugt(er) wäre. Aber insbesondere von den FPS Zahlen war ich in den letzten Quartalen ziemlich enttäuscht. FPS Wachstum im letzten Quartal war 0% ggü dem Vorquartal und Umsatz Wachstum ggü dem Vorquartal lag bei +2%. Beim Umsatz kommt jetzt sicherlich noch ein temporärer Effekt durch die jüngsten Preiserhöhungen, der noch die nächsten Quartale etwas trägt.
Aber das aktuelle Ziel von Readly ist doch wie folgt: „[…] we have updated our growth target, from annual organic growth of 30–35 per cent to annual growth of at least 25 per cent on average over the next three years (CAGR)“. Wie soll Readly mit 0% FPS Wachstum (sogar negativ über die letzten Quartale) und 2% Umsatzwachstum die avisierten 25% p.a. über die nächsten drei Jahre hinbekommen? Da ist mE die nächste „Gewinnwarnung“ aka „Runter mit den langfristigen Finanzzielen“ in 2023 bereits sicher.
Dass Readly momentan noch mit einer soliden Cash Position von 219 Mio SEK rumläuft, ist verstanden, muss man aber in Perspektive setzen zu den -20 Mio operativen / -35 Mio Free CF alleine im letzten Quartal - und der Guidance, dass Readly erst in 2025 beim EBITDA break-even sein will. Da bleibt bis dahin wenig Cash übrig und ich würde dem daher auch wenig Wert beimessen.
Also: ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr mit Eurer Strategie mehr rausholt als ich was durchaus möglich ist. Bin aber skeptisch, dass hier noch ein weißer Ritter um die Ecke kommt, der statt 70% mit 80 oder 90% Prämie ankommt. Dazu tragt Ihr das Risiko, dass die 90% nicht erreicht werden und ein Großteil der Prämie im Januar wieder dem Kurs entweicht. Das mag OK sein, wenn Ihr nen 3-5j Anlagehorizont habt - „2025 EBITDA break-even“ bedeutet vllt in 2026 der erste richtige Nettogewinn. Das muss man bis dahin aushalten inkl. der für mich vorprogrammierten Gewinnwarnung im nächsten Jahr. Good luck!