RB: Spitzer setzt Aufklaerung vor Protektionismus


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Zick-Zock:

RB: Spitzer setzt Aufklaerung vor Protektionismus

 
29.12.02 11:23
II.   RUECKBLICK: SPITZER SETZT AUFKLAERUNG VOR PROTEKTIONISMUS

Index      Hoechststand  Aenderung z.   26.12.     Aenderung
                         52/W-Hoch   Schlusskurs  zum 19.12.
Internet        162,48      -47%       85,36       1,15%
S&P 500       1.176,97      -24%      889,66       0,61%
Nasdaq        2.098,88      -35%    1.367,89       1,02%
Nasdaq-QQQ       42,60      -41%       25,28       0,36%
Dow Jones    10.673,10      -21%    8.432,61       0,81%
Volatilitaet     56,74      -45%       31,08     -10,04%
30-Jahr Anl.      5,86      -17%        4,86      -0,82%
Gold            345,00        0%      349,50      -1,10%
 
Die Weihnachtsfeiertrage sorgten auch an den Boersen fuer eine
ruhige Atmosphaere. Die Indizes haben sich nicht wesentlich
veraendert, die weihnachtliche Stimmung sorgte dafuer, dass es
kaum zu markanten Kursabschlaegen in Einzelaktien kam.

Der Einzelhandel meldete sich mit einer verheerenden
Zusammenfassung des diesjaehrigen Weihnachtsgeschaefts zu Wort.
Grund genug fuer die Boerse, Einzelhandelsaktien mit nur

geringen Kursaufschlaegen zu versehen (sollten nicht etwa
Kursabschlaege die Antwort auf schlechte Umsaetze sein?)

Im ablaufenden Boersenjahr hat sich einiges zum Besseren
gewendet. Eliot Spitzer, der New Yorker Staatsanwalt, der mit
der Untersuchung der Wall Street Broker und deren
manipulierenden Analystenberichten und –empfehlungen betraut
war, erklaerte in diesen Tagen seine Untersuchungen fuer
erfolgreich abgeschlossen.

Der Unmut bei Kleinanlegern ist gross, denn die Strafen, die den
Halunken in der Managementetage der grossen Broker aufgebuerdet
wurden, sind kaum geeignet, die durch die erlittenen Verluste
entstandenen Schmerzen der Kleinanleger zu lindern. Die desolate
moralische Verfassung des US-amerikanischen Managements und der
Finanzbranche wurde von Spitzer zwar gnadenlos angeprangert, er
machte jedoch nur einigen wenigen, besonders skrupellosen
Individuen den Prozess.

Die breite Bevoelkerung ist unzufrieden ob dieses vermeintlich
milden Ausgangs der Untersuchungen. Wie immer kommen „die da
oben" wieder einmal ungeschoren davon.

Dennoch denke ich, dass Spitzer seine Aufgabe gut gemacht hat.
Es hat exemplarisch die wesentlichen betruegerischen
Machenschaften aufgedeckt, oeffentlich angeprangert und vor
Gericht belegt. Jedem interessierten Kleinanleger war es so
moeglich, die Macht der Finanzbranche zu erkennen und deren
teilweise den Interessen der Kleinanleger gegenlaeufigen eigenen
Interessen zu verstehen.

Niemand hat jemals behauptet, das Spekulieren an der Boerse sei
ein sicherer Weg zum Reichtum. Die Risiken waren jedem Anleger
bewusst. Im Rahmen der Masseneuphorie fuer die Aktienboerse
jedoch wurden diese Risiken vom Kleinanleger gerne uebersehen
und von der Finanzbranche wurde diese Nachlaessigkeit
ausgenutzt.

Amerika hat sich entschieden, weiterhin die grausamen Kraefte
des Marktes walten zu lassen und setzte auf Aufklaerung. Dem
Protektionismus wurde durch die fruehe Beendigung der
Untersuchungen Spitzers eine klare Absage erteilt. Es sollte
inzwischen jedoch keinen US-Amerikaner mehr geben, der
gutglaeubig jeder Empfehlung von Analysten folgt.

Ihr Autor hofft, dass auch der iWatch im abgelaufenen Jahr ein
wenig zu dieser notwendigen Aufklaerung beitragen konnte. Das
Niveau Ihrer Leserbriefe ist gestiegen, ein Indiz dafuer, dass
das Verstaendnis ueber dier Aktienboerse auch in Deutschland
gestiegen ist.

Die fruehe Beendigung des Feldzuges von Spitzer enthaelt noch
ein weiteres konstruktives Signal fuer die Boerse: Hoeren Sie
auf, darauf zu warten, dass irgendwelche Juristen Ihnen Ihre
Verluste zurueckerklagen. Ich moechte nicht bestreiten, dass
mitunter durchaus betruegerische Machenschaften aufgedeckt
werden muessen. Fuer Sie persoenlich ist es jedoch meistens
besser, den Blick nach vorn auf neue Chancen zu richten.

Denn, vielleicht ohne dass Ihnen dies bewusst ist, die Boerse
hat ihr Verhalten den neuen Erkenntnissen bereits angepasst. Vor
zwei Wochen habe ich ueber Oracle geschrieben: Das
Quartalsergebnis werde vermutlich ueber den Erwartungen
ausfallen.

Die Vermutung stammt von einem Analysten, der dem Hause Oracle
sehr nahe steht. Er weiss also, wovon er spricht. Vor drei
Jahren war eine solche Vermutung ein sicherer Geldbringer. Man
kaufte die Aktien von Oracle direkt vor der Veroeffentlichung
des Quartalsergebnisses und verkaufte sie zwei oder drei Tage
spaeter mit 15% oder 20% Gewinn.

Heute weiss der informierte Anleger, dass der Analyst diese
Information direkt aus dem Hause Oracle erhalten hat. Weiterhin
weiss der informierte Anleger, dass der Analyst sicherlich
zunaechst seine eigenen Kunden oder die Kunden seines
Finanzinstituts darueber informieren wird. Erst wenn sein
Einzugsbereich komplett in Oracle investiert ist und voll
freudiger Erwartung der Veroeffentlichung dieser „Ueberraschung"
entgegensieht, dann wird diese „Vermutung" veroeffentlicht.

Der Kurs, der in den vorhergegangenen Tagen bereits langsam
anzog, erfaehrt nun noch einen letzten kleinen Schub nach oben,
haelt sich dann bis zur tatsaechlichen Veroeffentlichung des
Oracle-Ergebnisses auf diesem hohen Niveau, um dann, wenn die
„Ueberraschung" offiziell ist, wieder auf sein altes Niveau
zurueckzufallen.

So geschehen vom 09.12. bis 18.12. Der informierte Kleinanleger
laeuft also nicht mehr blind in das offene Messer der Analysten.
Eine Errungenschaft der Aufklaerung.

Der eine oder andere wird sich vielleicht noch daran erinnern,
wie optimistisch vor einem Jahr der Ausblick fuer das Jahr 2002
in der Presse war. Der iWatch hat sich deutlich von dem in den
Massenfinanzmedien verbreiteten Optimismus distanziert und gab
einen recht differenzierten Ausblick, demzufolge Rallyes an den
Boersen nur Baerenmarktrallyes sein koennten und Gold wieder
staerker gefragt werde.

Das Jahresergebnis veranschaulicht beispielsweise ein Blick auf  
die weltgroessten Fonds: Der groesste Aktienfonds, Fidelity
Magellan, fiel im ablaufenden Jahr um 23%. Der weltgroesste
Anleihenfonds (enthaelt also nur festverzinsliche Papiere) stieg
um 9,64%. Und die beste Performance legte der Fidelity Select
Gold Fonds mit 59,9% Plus hin.

Die gesamte Aktienboerse befindet sich im Umbruch. Der Dow Jones
fiel von rund 10.000 auf 8.500 um 15%. Der Nasdaq von 2.000 auf
1.400 um 30%. Insbesondere nach meinen Worten ueber Spitzer
koennte man zu dem Fehlschluss kommen, dass die betruegerischen
Machenschaften der Finanzinstitute fuer den Kurseinbruch der
Technologiebranche verantwortlich seien.

Dem ist nicht so. Es ist nicht nur Vignette (-80%), Akamai (-
70%) oder Covad (-66%), deren Missmanagement bei vereinzelten
Anlegern zu schweren Verlusten fuehrten. Es sind auch die in der
breiten Masse bekannten und von vielen Amerikanern als
Altersvorsorge gehaltenen Aktien von Ford (-45%), Motorola (-
50%) und Micron (-75%).

Also auch im altehrwuerdigen Dow Jones gab es Aktien, die
unmoralisch hohe Kursverluste einzustecken hatten. Grund:
Missmanagement und nicht das Aufblasen der Bewertung durch
Finanzanalysten.

Der Markt funktioniert also noch. Und parallel zu diesen
Verlusten hat sich der Dow Jones dennoch recht stabil mit –15%
gehalten. Ein Zeichen dafuer, dass eine Rotation stattfindet.

Was bleibt mir anderes uebrig, als nach einer Woche mit dem
niedrigsten Handelsvolumen des Jahres generelle Veraenderungen
des Jahres aufzuzeigen? In der abgelaufenen Woche hat die Boerse
lediglich unter geringer Beteiligung nur kleine Bewegungen
vollzogen.

Am gestrigen Donnerstag konnte die Boerse aufgrund von positiven
Arbeitsmarktdaten in den USA steigen und wischte somit den
Effekt der warnenden Worte von Wal-Mart hinweg.

Die geopolitischen Entwicklungen sollten der Boerse meiner
Ansicht nach ebenfalls zu denken geben: Ein Angriff der USA
unter Unterstuetzung der UNO auf den Irak wird meiner
Einschaetzung nach leider immer wahrscheinlicher. Offensichtlich
wird diese Entwicklung vor dem Hintergrund des friedlichen
Weihnachtsfestes ignoriert und ein entsprechender Kursverlust
bleibt aus.

Der Dollar jedoch zollt dieser Entwicklung durch den niedrigsten
Stand gegenueber dem Euro und Schweizer Franken seit drei Jahren
Tribut.

In meinen Augen gab es also einige Entwicklungen an den Boersen,
die in den Tagen nach den Feiertagen, wenn die Boerse wieder
voll besetzt ist, korrigiert werden.

www.ekip.de
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