Bulle & Bär: Nicht aussteigen!
Die Rally an den Aktienmärkten ist noch nicht zu Ende
Fast täglich erreicht derzeit der deutsche Standardwerteindex Dax neue Höchstwerte. Auch die übrigen europäischen Indizes und die Wall Street haben kräftig Aufwind. „Wie lange noch?“, fragen sich Anleger.
Händler verweisen warnend auf dünne Umsätze, steigende Ölpreise und ein schwächer werdendes Gewinnwachstum. Doch der Blick auf die Risiken könnte trügen: Wenn ein Trend einmal eingeläutet ist, dann können die Märkte schlechte Nachrichten ebenso gut wegstecken, wie sie in einem Abwärtstrend gute Nachrichten ignorieren.
Die Frage, ob Anleger nach den beeindruckenden Kursgewinnen der vergangenen Tage und Wochen jetzt schon anfangen sollen, Gewinne mitzunehmen, lässt sich allein mit Fundamentaldaten schlecht beantworten. Dafür sind diese zu gemischt: So sind zwar die Aussichten auf ein Ende der Zinserhöhungen in den USA gestiegen, gleichzeitig sind aber die Wirtschaftsdaten dort und erst recht in Europa eher lau.
In dieser Situation lohnt ein Blick auf weichere Faktoren, wie etwa das Anleger-Sentiment. Sind Marktteilnehmer schon zu euphorisch, dann ist das ein schlechtes Omen, weil es leicht zu Enttäuschungen kommen kann. Herrscht dagegen Pessimismus vor, ist eine Fortsetzung der Rally oft programmiert.
Die gute Nachricht: Bis jetzt versprechen an der Wall Street sämtliche Indikatoren weitere Kursgewinne. Die wöchentliche Erhebung der American Association of Individual Investors ergibt, dass derzeit weniger als die Hälfte der Anleger optimistisch ist, 52 Prozent sind neutral oder negativ eingestellt. Auch die Neuzuflüsse in Aktienfonds untermauerten im April mit einem Minus von 70 Prozent gegenüber dem Vormonat die eingetrübte Stimmung der Privatanleger.
Zu viel Zuversicht signalisiert einzig noch der „Sell-Side-Indikator“ der Investmentbank Merrill Lynch, der den von Marktstrategen empfohlenen Aktienanteil errechnet. Er ist zwar leicht auf 62,3 Prozent zurückgegangen, allerdings gelten Werte über 50 Prozent nach Ansicht der Investmentbank als zu euphorisch für Aktien. Andererseits hat der Sell-Side-Indikator auch schon deutlich höhere Werte erreicht.
„Das Sentiment ist immer noch so, dass die Aktien weiter steigen können“, sagt Tim Hayes vom angesehenen Ned Davis Research Institut in Florida. Jetzt Aktien zu verkaufen sei zu früh, die Rally könnte noch bis August anhalten. Zusätzliche Unterstützung könnte die Charttechnik liefern: Der breit gefasste S&P 500 ist nur noch 1,7 Prozent von seinem Jahreshoch entfernt. Hat er dieses erst einmal überschritten, sind weitere Kursgewinne zu erwarten.
Auch bei den europäischen Börsen ist noch Luft nach oben. Analyst Mark Glowrey von Investors Intelligence in London weist darauf hin, dass die europäischen Börsenindizes einer nach dem anderen ihre Widerstandslinien durchbrechen. Erst war es der Schweizer SMI, dann der Pariser CAC 40. Beim Dax ist technisch gesehen der Weg bis zur 5 000 frei. Nicht schlecht ist auch die Breite der Rally: Bei europäischen Werten sind in den vergangenen Tagen etwa 70 Prozent der Aktien gestiegen, nur 30 Prozent haben an Wert verloren. Etwa zehn Prozent könnten europäische Dividendenpapiere noch zulegen. Für Anleger heißt das: Aktien halten und nicht nervös werden. Die Rally läuft noch eine Weile.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 08. Juni 2005, 07:00 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Die Rally an den Aktienmärkten ist noch nicht zu Ende
Fast täglich erreicht derzeit der deutsche Standardwerteindex Dax neue Höchstwerte. Auch die übrigen europäischen Indizes und die Wall Street haben kräftig Aufwind. „Wie lange noch?“, fragen sich Anleger.
Händler verweisen warnend auf dünne Umsätze, steigende Ölpreise und ein schwächer werdendes Gewinnwachstum. Doch der Blick auf die Risiken könnte trügen: Wenn ein Trend einmal eingeläutet ist, dann können die Märkte schlechte Nachrichten ebenso gut wegstecken, wie sie in einem Abwärtstrend gute Nachrichten ignorieren.
Die Frage, ob Anleger nach den beeindruckenden Kursgewinnen der vergangenen Tage und Wochen jetzt schon anfangen sollen, Gewinne mitzunehmen, lässt sich allein mit Fundamentaldaten schlecht beantworten. Dafür sind diese zu gemischt: So sind zwar die Aussichten auf ein Ende der Zinserhöhungen in den USA gestiegen, gleichzeitig sind aber die Wirtschaftsdaten dort und erst recht in Europa eher lau.
In dieser Situation lohnt ein Blick auf weichere Faktoren, wie etwa das Anleger-Sentiment. Sind Marktteilnehmer schon zu euphorisch, dann ist das ein schlechtes Omen, weil es leicht zu Enttäuschungen kommen kann. Herrscht dagegen Pessimismus vor, ist eine Fortsetzung der Rally oft programmiert.
Die gute Nachricht: Bis jetzt versprechen an der Wall Street sämtliche Indikatoren weitere Kursgewinne. Die wöchentliche Erhebung der American Association of Individual Investors ergibt, dass derzeit weniger als die Hälfte der Anleger optimistisch ist, 52 Prozent sind neutral oder negativ eingestellt. Auch die Neuzuflüsse in Aktienfonds untermauerten im April mit einem Minus von 70 Prozent gegenüber dem Vormonat die eingetrübte Stimmung der Privatanleger.
Zu viel Zuversicht signalisiert einzig noch der „Sell-Side-Indikator“ der Investmentbank Merrill Lynch, der den von Marktstrategen empfohlenen Aktienanteil errechnet. Er ist zwar leicht auf 62,3 Prozent zurückgegangen, allerdings gelten Werte über 50 Prozent nach Ansicht der Investmentbank als zu euphorisch für Aktien. Andererseits hat der Sell-Side-Indikator auch schon deutlich höhere Werte erreicht.
„Das Sentiment ist immer noch so, dass die Aktien weiter steigen können“, sagt Tim Hayes vom angesehenen Ned Davis Research Institut in Florida. Jetzt Aktien zu verkaufen sei zu früh, die Rally könnte noch bis August anhalten. Zusätzliche Unterstützung könnte die Charttechnik liefern: Der breit gefasste S&P 500 ist nur noch 1,7 Prozent von seinem Jahreshoch entfernt. Hat er dieses erst einmal überschritten, sind weitere Kursgewinne zu erwarten.
Auch bei den europäischen Börsen ist noch Luft nach oben. Analyst Mark Glowrey von Investors Intelligence in London weist darauf hin, dass die europäischen Börsenindizes einer nach dem anderen ihre Widerstandslinien durchbrechen. Erst war es der Schweizer SMI, dann der Pariser CAC 40. Beim Dax ist technisch gesehen der Weg bis zur 5 000 frei. Nicht schlecht ist auch die Breite der Rally: Bei europäischen Werten sind in den vergangenen Tagen etwa 70 Prozent der Aktien gestiegen, nur 30 Prozent haben an Wert verloren. Etwa zehn Prozent könnten europäische Dividendenpapiere noch zulegen. Für Anleger heißt das: Aktien halten und nicht nervös werden. Die Rally läuft noch eine Weile.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 08. Juni 2005, 07:00 Uhr
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Der Einsame Samariter