Die Sorge, dass es am Donnerstag zu Marktverwerfungen kommen könnte, hat schon in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass sich die Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Griechenland auf ein Rekordniveau verteuert haben. Für fünfjährige Credit Default Swaps nahmen die Sicherungsnehmer zeitweise Jahresprämien von mehr als 11 Prozent der gesicherten Summe in Kauf. Die Kurse griechischer Staatsanleihen fielen weiter, obwohl die Europäische Zentralbank den Markt weiterhin mit Käufen stützt. Die Rendite der griechischen Titel stieg auf mehr als 10 Prozent, wodurch sich der Abstand zu Bundesanleihen, den man als Risikoprämie verstehen kann, auf 7,8 Prozentpunkte erhöhte. Nur unmittelbar vor dem Beschluss der Stabilisierungsprogramme und dem Beginn der EZB-Käufe am 10. Mai war der Abstand mit knapp 10 Punkten noch größer.
Unterdessen werfen die Banken auch strenge Blicke auf Spaniens Finanzen, wenngleich die Situation dort noch als ungleich solider gilt als die in Griechenland. Gleichwohl wird durchgespielt, ob nicht auch Spanien im Juli in Schwierigkeiten geraten könnte. Goldman Sachs schätzt die liquiden Mittel des spanischen Staates Ende Juni auf 9,2 Milliarden Euro. Dem stünden Mittelabflüsse von 13,5 Milliarden Euro aus dem Haushaltsdefizit und 8,2 Milliarden, weil mehr Anleihen getilgt werden müssen, als neu ausgegeben werden, gegenüber.
Griechische Banken sind mehr als alle anderen auf den direkten und unbegrenzten Zugang zur Zentralbank angewiesen. Im Durchschnitt machen die Ausleihungen der griechischen Banken bei der EZB schon rund 16 Prozent ihrer gesamten Finanzierung aus. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei weniger als 4 Prozent. Für sie wird die Luft immer dünner, weil sie einen großen Teil des kurzfristig bei der EZB aufgenommenen Geldes in Staatsanleihen investiert haben.
Zunächst war das ein lukratives Geschäft, doch seitdem sich das Misstrauen auch gegen Staaten des Euro-Raums richtet, wird die Bedrängnis immer größer. Zehnjährige griechische Staatsanleihen werden derzeit mit 75 Cent je Euro Nennwert gehandelt. Die Banken haben sie vielfach zu einem weitaus höheren Preis gekauft. Nach der Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody’s hat Griechenland gar kein Rating mehr, das noch zum „Investment Grade“ der soliden Schuldner zählt. Deshalb werden die griechischen Anleihen in der kommenden Woche aus einigen wichtigen Indizes entfernt. Das zwingt einige institutionelle Investoren, die sich an diesen Indizes orientieren, zum Verkauf.
Am Donnerstag werden die Banken des Euro-Raums der Europäischen Zentralbank (EZB) 442 Milliarden Euro für ein Finanzierungsgeschäft überweisen, das vor einem Jahr aufgelegt wurde und nun fällig ist.
Die EZB bietet zwar einige Ersatzgeschäfte an, um die Rückzahlung zu erleichtern. Am Mittwoch, einen Tag vor der großen Rückzahlung, gibt es ein dreimonatiges Finanzierungsgeschäft mit voller Zuteilung zum Leitzins. Die Banken können sich also so viel Geld leihen, wie sie wollen. Gleichwohl erwarten Analysten, dass die Marktzinsen für längerfristige Finanzierungen der Banken untereinander deutlich steigen werden.
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