FRANKFURT (Dow Jones)--Ein Wechselbad der Gefühle durchlebt der deutsche Aktienmarkt. Während es an einem Tag nach Apokalypse ausschaut, sprechen die Investoren am nächsten Tag von der Chance auf die lang ersehnte Jahresendrally. Eine Welt zwischen Hoffen und Bangen. Fest steht: Der Markt hat seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer große Standhaftigkeit bewiesen. Nach der Fastpleite von Banken, des Zusammenbruchs des Geldmarktes, Liquiditätsspritzen der Notenbanken weltweit in Milliardenhöhe sowie einer Federal Reserve, die die Leitzinsen bislang um 75 Basispunkte gesenkt hat, notiert der DAX 5% unter seinem Allzeithoch. An dem übergeordnet angeschlagenen Fundamentalbild kann es keinen Zweifel geben. Belastet von einem zusammenbrechenden Immobilienmarkt wird sich das US-Wachstum im kommenden Jahr stark verlangsamen.
Wie weit ist derzeit die große Frage, allerdings gehen die meisten Volkswirte derzeit davon aus, dass die US-Wirtschaft knapp an einer Rezession vorbei schrammen wird. Ein Blick auf den Renditenverfall an den Anleihemärkten verrät, dass dieses Szenario an den Finanzmärkten in der Zwischenzeit weitestgehend eingepreist ist. Mit anderen Worten: Negative Nachrichten wirken bei weitem nicht mehr so belastend, da sich die Anleger in der Zwischenzeit daran gewöhnt haben. Zugleich ruhen die Hoffnungen in den magischen Kräften der US-Notenbank. So wie zuvor Aalen Greenspan, so wird es es dieses Mal schon Ben Bernanke irgendwie richten, scheint die Grundannahme der Investoren zu sein. Diese Erwartungshaltung drückt sich darin aus, dass die Finanzmärkte konsequent schon eine ganze Reihe von Leitzinssenkungen bis weit in das nächste Jahr eskomptiert haben und damit erst einmal Fakten am Boden geschaffen haben.
Dass dies Wirkung zeigt, wurde mit den jüngsten Äußerungen von Fed-Mitglied Donald Kohn nur allzu deutlich, der die Bereitschaft zu weiteren Zinsschritten signalisiert hat. Noch anlässlich ihrer letzten Leitzinssenkung hatte die US-Notenbank davon gesprochen, dass sich die Wachstums- und Inflationsrisiken in der Zwischenzeit die Waage halten. Mit anderen Worten: auf weitere Zinssenkungen sollte der Markt nicht mehr hoffen. Dass es nicht nur Risiken, sondern möglicherweise auch Chancen in dem gegenwärtigen Umfeld gibt, wurde in der vergangenen Woche eindrucksvoll durch den Einstieg des Investmentvehikels von Abu Dhabi bei der Citigroup unterstrichen. Nur wenige Tage später stieg der zweitgrößte chinesische Versicherungskonzern bei Fortis ein.
Die Engagements unterstreichen nicht nur sich verschiebende Machtverhältnisse in der globalen Wirtschaft. Sie zeigen auch, dass arabische bzw asiatische Investoren einzelne Aktien und Branchen für sehr günstig halten. Sie steigen ein, obwohl dies kurzfristig weitere Verluste bedeuten könnte. Historisch betrachtet ist der Markt tatsächlich günstig bewertet. Die Kursanstiege der vergangenen Jahren sind durch das Wachstum der Unternehmensgewinne mehr als gerechtfertigt. Auch in der jetzt abgelaufenen Quartalssaison haben die deutschen Unternehmen die Erwartungen insgesamt erfüllen können, nicht zuletzt deshalb, weil man in den vergangenen Jahren verstärkt Märkte außerhalb der USA erschließen konnte.
Zwar dürfte das Gewinnwachstum im kommenden Jahr an Dynamik verlieren, das globale Weltwirtschaftswachstum sollte eine US-Schwäche aber gut verdauen können. Was heißt das nun für den DAX? Angesichts der Tatsache, dass die meisten negativen Nachrichten in der Zwischenzeit eingepreist sind, Ermüdungserscheinungen bei Euro und Öl erkannbar sind, die M&A-Fantasie weiter intakt ist, und sich nicht wenige Anleger noch Hoffnungen auf eine Jahresendrally machen, hat der DAX durchaus die Chance, das Niveau von 8.000 Punkten in den kommenden Tagen zu testen. Vorausgesetzt, neue Horrormeldungen von der Subprime-Front bleiben aus.
An Konjunkturdaten beginnt die Woche mit dem ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe November. Thyssen-Krupp veröffentlicht am Dienstag Zahlen und veranstaltet ihre Bilanzpressekonferenz. Der ADP-Arbeitsmarktbericht November, die Daten zur US-Produktivität ex Agrar, der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe sowie der Industrie-Auftragseingang Oktober folgen Mitte der Woche. Am gleichen Tag tagt auch der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse. Die Bank of England die EZB treffen am Donnerstag ihre Leitzinsentscheidungen. Die Woche endet dann mit den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten November sowie dem Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan.
DJG/mpt/mod/rso (END) Dow Jones Newswires November 30, 2007 08:40 ET (13:40 GMT)
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Jahresendrally noch nicht abgeschrieben
Anleger zwischen Subprime-Ängsten und Zins-Euphorie: Mal reißen die Kurse bei ihren Talfahrten eine Barriere nach der anderen. Dann steigen die Indizes unverhofft wieder an und nähern sich Rekordmarken. Die hohe Volatilität der Börsen wird auch in den nächsten Tagen das Börsengeschehen bestimmen, glauben Analysten. Die 8 000-Punkte-Marke bleibt in Reichweite.
HB FRANKFURT. Die Angst vor einem Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession wird nach Einschätzung einiger Aktienexperten in der neuen Woche für sinkende Kurse am deutschen Aktienmarkt sorgen. Jüngste Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke, die als Signal für eine baldige Zinssenkung interpretiert wurden, wirkten nur wie ein Strohfeuer, sagt Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank. "Das übertüncht, dass es um die US-Wirtschaft nicht zum Besten gestellt ist." SEB -Anlagestratege Klaus Schrüfer ergänzt: "Die Unsicherheit wegen der Subprime-Krise ist nur kurzfristig von der Zins-Euphorie überlagert." Schwinde die Begeisterung, sei mit fallenden Kursen zu rechnen.
Quelle: Handelsblatt.com
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