Jerónimo Martins ist für mich ein qualitativ starkes, defensives Handelsunternehmen, aber keine offensichtliche Schnäppchenaktie. Der Konzern hat eine außergewöhnlich lange Geschichte: Die Wurzeln reichen bis 1792 nach Lissabon zurück. Der moderne Konzern wurde über den Ausbau von Pingo Doce in Portugal, die Börsennotiz seit 1989 und die internationale Expansion in Polen und Kolumbien geformt. Heute ist Jerónimo Martins ein auf Lebensmittelhandel fokussierter Konzern; mehr als 98 % des Umsatzes kommen aus Food Distribution. (Jerónimo Martins)
Operativ ist das Unternehmen 2025 klar vorangekommen. Der Umsatz stieg auf 35,991 Mrd. Euro, das EBITDA auf 2,480 Mrd. Euro, das EBIT auf 1,338 Mrd. Euro und der den Aktionären zurechenbare Gewinn auf 646 Mio. Euro. Der operative Cashflow nach Investitionen lag bei 537 Mio. Euro, obwohl der Konzern 1,197 Mrd. Euro investierte. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 6,9 %, und der Pre-Tax-ROIC lag bei 20,1 %. Das sind für einen Lebensmittelhändler starke Werte, weil das Geschäft strukturell margenschwach ist und Effizienz deshalb besonders zählt.
Der entscheidende Punkt ist die Qualität des Geschäftsmodells. Biedronka ist das Kraftzentrum des Konzerns: 2025 kamen 25,343 Mrd. Euro Umsatz und damit 70,4 % des Konzernumsatzes aus diesem Geschäft allein. Biedronka erzielte 1,991 Mrd. Euro EBITDA bei 7,9 % Marge und verfügte Ende 2025 über 3.882 Filialen. Daneben ist Pingo Doce in Portugal mit 5,342 Mrd. Euro Umsatz und 497 Filialen ein sehr ordentliches Geschäft, Recheio im Cash-&-Carry ist kleiner, aber profitabel, Ara in Kolumbien wächst mit 1.653 Standorten dynamisch, und Hebe ist im Beauty-Segment ein margenstarker Nischenbaustein. Das macht Jerónimo Martins breiter, als viele auf den ersten Blick denken, auch wenn Polen klar dominiert.
Genau darin liegt auch die Investmentthese: Jerónimo Martins lebt von Größe, Einkaufsmacht, Preisführerschaft und operativer Disziplin. Das Management investiert weiter in Filialmodernisierung, Logistik, Automatisierung und digitale Kundenbindung. 2025 wurden konzernweit 448 neue Läden eröffnet und 281 Standorte überarbeitet; in der Slowakei startete Biedronka mit den ersten 15 Filialen und einem Distributionszentrum. Für 2026 stellt das Unternehmen weiteres Wachstum bei Biedronka, Ara und in der Slowakei sowie zusätzliche Investitionen in Logistik und Store-Modernisierung in Aussicht. Langfristig sind das die richtigen Hebel: mehr Dichte, bessere Lieferketten, höhere Produktivität und stärkere Kundenbindung.
Die Bilanz ist solide, aber man muss sauber hinschauen. Exklusive IFRS16 weist der Konzern eine Netto-Cash-Position von 866 Mio. Euro aus; inklusive IFRS16-Leasingeffekten liegt die Nettoverbindung bei 3,302 Mrd. Euro. Das ist für einen stationären Händler nicht ungewöhnlich, aber es erklärt, warum die Bilanz je nach Betrachtungsweise sehr unterschiedlich wirkt. Bei einem letzten in den Quellen sichtbaren Kurs von rund 20,86 Euro Anfang April 2026 liegt das KGV auf Basis des 2025er EPS von 1,03 bei gut 20. Die vorgeschlagene Dividende von 0,65 Euro je Aktie entspräche rund 3,1 % Rendite. Das ist nicht billig im klassischen Value-Sinn, aber für einen defensiven Qualitätswert mit organischen Wachstumsoptionen auch nicht überzogen.
Wichtig ist auch die Eigentümerstruktur. Jerónimo Martins ist kein managergeführter Streubesitzwert, sondern klar kontrolliert: Die Sociedade Francisco Manuel dos Santos Holding B.V. hält 56,14 % der Stimmen. Das sehe ich eher positiv. Solche Strukturen bringen oft einen längeren Planungshorizont, mehr Kapitaldisziplin und weniger Quartalsdenke. Der Nachteil ist, dass Minderheitsaktionäre weniger Einfluss haben und strategische Entscheidungen stark vom Ankeraktionär geprägt werden.
Die Risiken sind klar. Erstens hängt sehr viel an Polen, weil Biedronka den Löwenanteil des Umsatzes und Ergebnisses trägt. Zweitens bleibt der Wettbewerb extrem hart; das Unternehmen selbst spricht für 2026 von weiter hohem Preisdruck, und Reuters zitierte das Management damit, dass die EBITDA-Margen 2026 wegen geopolitischer Risiken, Energie- und Lebensmittelpreisen schwer zu halten sein werden. Drittens ist Ara zwar spannend, aber Expansion in Kolumbien bindet Kapital und verlangt saubere Execution. Viertens können Währungen, Löhne und Regulierung die Marge jederzeit drücken. Das ist kein Unternehmen, das mit technologischen Fantasien wächst, sondern eines, das sich jeden Basispunkt Marge operativ erarbeiten muss.
Meine Einschätzung lautet deshalb so: Jerónimo Martins ist auf Sicht von 5 bis 15 Jahren ein guter, robuster Compounder, aber kein spektakulärer Multibagger. Ich sehe hier eher einen verlässlichen Qualitätswert mit moderatem Wachstum, ordentlicher Kapitalrendite und vernünftiger Ausschüttung als einen billigen Turnaround oder einen hochdynamischen Wachstumswert. Wer Stabilität, Preissetzung über Effizienz und langfristige Expansion in defensiven Konsummärkten sucht, bekommt hier ein starkes Unternehmen. Wer eine eklatante Unterbewertung sucht, bekommt sie eher nicht. Gestützt wird diese Einschätzung auch dadurch, dass die auf der offiziellen IR-Seite gelisteten Analystenziele zuletzt grob zwischen 20 und 29 Euro lagen, also keine extreme Fehlbewertung signalisieren. (Jerónimo Martins)
Mein Kursziel im Basisszenario für die nächsten 12 bis 24 Monate liegt bei 25 Euro. Das entspricht einem fairen Aufschlag auf den aktuellen Kurs für ein Unternehmen, das weiter wächst, solide verdient und defensiv aufgestellt ist. In einem bullischen Szenario mit weiter starker Entwicklung von Biedronka, Margenstabilität in Polen und anhaltend gutem Ara-Ausbau halte ich 29 Euro für erreichbar. In einem schwächeren Szenario mit härterem Preiskampf, Marginendruck und schwächerem Konsum in Polen sehe ich eher 19 Euro. Für mich ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau daher eher ein vernünftiger Langfristwert zum Halten oder für gestaffelte Einstiege, aber kein glasklarer Kauf, bei dem der Markt etwas Offensichtliches übersehen hätte. (Jerónimo Martins)
Autor: ChatGPT