Profis geben sich Optimistisch (H.Thieme i.d. FAZ)


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zit1:

Profis geben sich Optimistisch (H.Thieme i.d. FAZ)

 
07.05.02 09:22
06.05.2002
Profis geben sich Optimistisch
Der Monatswechsel wurde von Börsianern mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während der Freiverkehrsmarkt bei einem Minus von 8,5 Prozent das zweitschlechteste Aprilergebnis in seiner 31jährigen Geschichte vorlegte, war der Rückgang von fast 4,5 Prozent beim Dow Jones das drittschwächste Aprilresultat seit 1950. Normalerweise ist der launische Monat gerade für die 30 Dow Jones-Werte besonders erfolgreich, da es hier in den vergangenen 52 Jahren im Durchschnitt das beste Monatsergebnis erzielt wurde. Dies bestätigt einmal mehr, daß es auch an der Börse keine Regel ohne Ausnahmen gibt.

In den ersten drei Maitagen setzte sich der Abwärtstrend gerade im Freiverkehrsmarkt gnadenlos fort. Das Wochenminus von drei Prozent erhöhte den Verlust seit Jahresbeginn auf über 17 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt der Dow Jones-Index nach einem Wochenplus von rund einem Prozent fast unverändert gegenüber dem Jahresauftakt. Ein allgemeiner Verkaufsdruck setzte am Freitag ein, als die Arbeitsmarktdaten ein uneinheitliches Bild offerierten. Während die Arbeitslosenrate erstmals seit fast acht Jahren wieder auf sechs Prozent stieg, wurden gleichzeitig über 40.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Dieser scheinbare Widerspruch beruht auf der unterschiedlichen Erhebung der jeweiligen Statistik. Die Interpretation von Zahlen ist sowohl in der Wirtschaft als auch an der Börse ausschlaggebend. Entscheidend ist, daß diese Daten den begonnenen Wirtschaftsaufschwung Amerikas nicht in Frage stellen, sondern man sich lediglich über die Stärke dieser Erholung noch streiten kann. Für den Notenbankrat, der sich am Dienstag zu seiner nächsten Ratssitzung trifft, bedeutet dies, daß augenblicklich kein Grund für eine Zinserhöhung besteht. Daran dürfte sich auch in den kommenden Monaten kaum etwas ändern.

Etliche Unternehmen machten Schlagzeilen wegen eines Personalwechsels in der oberen Führungsetage. Der Rücktritt des Gründers und Vorstandsprechers von WorldCom, Bernie Ebbers, vermochte den starken Kurseinbruch zu Wochenbeginn hier nicht zu bremsen. Der Telefongigant, der Umsätze von über 20 Milliarden Dollar aufweist, notierte am Wochenschluß deutlich unter zwei Dollar. Dies entspricht einem Kursrückgang von 97 Prozent seit dem Höchststand vor knapp drei Jahren. Die Marktkapitalisierung ist damit um über 150 Milliarden Dollar geschrumpft. Sun Microsystems beunruhigte seine immer noch große Fangemeinde, als das Ausscheiden des in Anlegerkreisen geschätzten, langjährigen Präsidenten Zanders zu Mitte des Jahres bekannt wurde. Auch hier fiel der bereits stark gebeutelte Aktienkurs nochmals gut 15 Prozent. Seit dem Höchststand vom September 2000 ist der Börsenkurs des führenden Datenserverherstellers um fast 90 Prozent eingebrochen. Die Marktkapitalisierung schrumpfte um beachtliche rund 180 Milliarden Dollar. Die zehn größten Wertverluste von Unternehmen an Wall Street seit der Jahrtausendwende kommen auf eine gigantische Summe von über 2.000 Milliarden Dollar.

Bei so viel roten Zahlen stellt sich zurecht die Frage, ob es an der Börse überhaupt noch Optimisten gibt. Die jüngste Umfrage des bekannten Finanzmagazins Barron’s gibt hierzu eine überraschend positive Antwort. Von den befragten 178 Fondsmanagern, die Vermögensmassen von einstelligen Millionenbeträgen bis hin zu dreistelligen Milliardenbeträgen verwalten, sehen fast 50 Prozent den Dow Jones-Index am Jahresende um die 11.000-Marke. Dies würde einen Anstieg von zehn Prozent vom derzeitigen Niveau bedeuten. Die Pessimisten, die lediglich 17 Prozent der Befragten ausmachen, rechnen dagegen mit einem Rückgang auf 9.500. Bemerkenswert ist auch, daß erstmals fast die Hälfte der Profis Investitionen außerhalb Amerikas – speziell in Europa und Asien – als äußerst vielversprechend bezeichnen. Einen so hohen Prozentsatz hat es auf diese Frage bisher noch nicht gegeben.

Der Optimismus der Profis findet auch in einer technischen Analyse, die das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien bewertet, Unterstützung. Der Verkaufsdruck in der vergangenen Woche war besonders am Freiverkehrsmarkt der mit Abstand höchste, einschließlich des Crash vom Oktober 1987. Danach kam es ausnahmslos zu einer starken Erholung. Bleibt nur zu hoffen, daß sowohl die Profis als auch die Markttechnik Recht behalten.

Ihr Heiko Thieme
Antworten
Star Ikone:

Heiko Thieme = Größter Schwachmat an der Börse!!!

 
07.05.02 09:44
Leider ein Grund die FAZ nicht zu lesen, denn wer dem schlechtesten Fondsmanager aller Zeiten noch ein Forum gibt...

Na ja, Thieme wird in der Versenkung verschwinden!

MfG
SI ;)
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zit1:

Nur kurzes Feuerwerk (Heiko Thieme i.d. FAZ)

 
14.05.02 11:37
13.05.2002
Nur kurzes Feuerwerk
Wall Street erlebte am vergangenen Mittwoch ein wahres Kursfeuerwerk. Während der Dow-Jones-Index über 300 Punkte zulegte - es war der beste Tagesanstieg seit vergangenem September -, gab es beim Freiverkehrsmarkt mit einem Plus von fast acht Prozent sogar das sechstbeste Tagesergebnis in der einunddreißigjährigen Geschichte des Nasdaq. Allerdings verpuffte der Höhenflug fast genauso schnell, wie er gekommen war. Der restliche Wochenverlauf stand wie bereits der Wochenbeginn im Zeichen von Verkaufsdruck und eliminierte somit jeglichen Indexanstieg. Der Standard & Poor's 500 Index, dessen Marktkapitalisierung rund 80 Prozent der Börse widerspiegelt, büßte sogar fast zwei Prozent ein. Damit wurden Hoffnungen, daß der Markt nun endlich die absolute Talsohle in diesem Jahr erreicht habe, erneut zerstört.

Den Grund für die Kursexplosion zur Wochenmitte lieferte das Quartalsergebnis von Cisco Systems. Der führende Netzwerkausrüster verdiente zwei Cent mehr pro Aktie, als Analysten geschätzt hatten. Anleger sahen in dieser positiven Überraschung bereits das Ende des Abwärtstrends im Technologiesektor. Von der plötzlichen Kaufwelle wurde der gesamte Markt erfaßt, so daß sich der Wert aller amerikanischen Aktien am Mittwoch um rund 400 Milliarden Dollar erhöhte. Diese 2500fache Hebelwirkung des Gesamtmarktes im Vergleich zum überraschenden Mehrverdienst von 150 Millionen Dollar bei Cisco schien bei genauerer Betrachtung am Donnerstag den Investoren doch zu euphorisch, zumal bei IBM Gerüchte über Kündigungen von mindestens 9000 Angestellten die Runde machten. Der Telekommunikationssektor stand weiterhin unter Verkaufsdruck. Während die Deutsche Telekom auf einen neuen Tiefststand - deutlich unter dem Emissionskurs von 1996 - fiel, wurden die Schuldverschreibungen von WorldCom, dem zehntgrößten Schuldner am amerikanischen Anleihenmarkt, auf das Niveau von Ramschanleihen (junk bonds) reduziert. Der Aktienkurs liegt 97 Prozent unter seinem Höchststand. Auch im Finanzsektor gab es Bonitätsverluste, als die solide Kreditwürdigkeit von Deutsche Bank und Credit Suisse etwas herabgestuft wurde.

Die weitere Zinsneutralität der Notenbank, die anläßlich ihrer Ratssitzung am Dienstag die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert ließ, hatte keine nennenswerte Auswirkung auf das Marktgeschehen. An der Börse beeinflussen bekanntlich nur Überraschungen - ob positiv oder negativ - die Kursentwicklung. Selbst die ausgezeichnete Produktivitätssteigerung von fast 9 Prozent im ersten Quartal, die den größten Anstieg in fast 20 Jahren aufwies, ließ die Börsianer kalt. Wenn überhaupt, so warf diese Meisterleistung Fragen auf, da eine gleich hohe Steigerungsrate im weiteren Jahresverlauf kaum möglich ist. Selbst die guten Inflationsdaten vermochten am Freitag kein Käuferinteresse zu wecken. Die Erzeugerpreise fielen im April um 0,2 Prozent und liegen damit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Dies bestätigt, daß nicht Inflation, sondern Deflation ein Problem für Unternehmen ist. Gewinnverbesserungen aufgrund von Preissteigerungen sind derzeit unmöglich.

Das Institut für Wirtschaftsanalysen (National Bureau of Economic Research), das als offizielles Sprachrohr für die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage gilt, gab am Donnerstag bekannt, daß die Rezession, die vor gut einem Jahr begann, bereits überwunden sein könnte. Das aus sechs Experten bestehende Gremium ist für seinen langsamen Entscheidungsprozeß bekannt. Der jüngste Wirtschaftsabschwung, der im Frühjahr vergangenen Jahres begann, wurde erst im vierten Quartal offiziell als Rezession bezeichnet, nachdem aus heutiger Erkenntnis der Wirtschaftsaufschwung bereits wieder eingesetzt hatte. Wenn Börsianer genauso langsam handelten, würden Kursfluktuationen auf dem Börsenparkett zur Rarität.

Der Wochensieger unter den 30 Dow-Jones-Werten war mit einem Anstieg von über zehn Prozent Hewlett-Packard, das die Übernahme des zweitgrößten PC-Herstellers, Compaq, nach mehrmonatigem Kampf vor wenigen Tagen erfolgreich abschloß. Damit liegen Kritiker, die diese Kombination bereits als Totgeburt bezeichneten, zumindest kurzfristig total schief. Der Wochenverlierer war dagegen mit vier Prozent der Energiekonzern Exxon-Mobil, obwohl sich der Ölpreis um einen Dollar erhöhte. Dies beweist einmal mehr, daß auch Experten mit Wasser kochen und die Börse eigene Wege geht.

Ihr Heiko Thieme
Antworten
brudini:

Wenn Heiko Thieme optimistisch ist,

 
14.05.02 11:40
dann sollten wir besonders vorsichtig sein. Habe in den letzten 2 Jahren noch keine Prognose eintreffen sehen, die er abgegeben hat.
Antworten
zit1:

Das Problem ist,

 
14.05.02 12:18
daß der Mann Berufsoptimist sein muß, um seinen Müll zu verkaufen (armes Schwein). Er lag mit seinem Optimismus aber immerhin 10 Jahre richtig, im Gegensatz zu Roland Leuschel, der seit 20 Jahren von dem großen Crash spricht.
Lustig finde ich, das diese Leute zu Gurus werden, weil sie einmal recht im Leben hatten.
Die Psychologie der Massen ist ein faszinierendes Phänomen!  

Heiko Thieme ist übrigens, soweit mir bekannt, der einzige Fondsmanager der Welt, dem je das Kunststück gelang, sowohl die Auszeichnung für den besten Fonds, als auch jene für den schlechtesten zu gewinnen.  
Antworten
Überzieher:

@Zit

 
14.05.02 12:29
http://www.ariva.de/board/anonymize/http://...deins.com/ADSL/sky.gif"

wer rennt da? Heiko? *g*

cu
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HerbK:

@ alle !!!!!

 
14.05.02 12:34
Heiko Thieme bitte nur noch zitieren wenn er PESIMISTISCH ist. Alles andere ist standart bei ihm.
Antworten
zit1:

Stimmungswandel (Heiko Thieme i.d. FAZ)

 
22.05.02 00:13
21.05.2002
Stimmungswandel
Anleger scheinen endlich wieder Mut zu haben. Diese optimistische
Schlußfolgerung läßt sich aus dem jüngsten Börsenverlauf ziehen. Während
der Dow-Jones-Index über 400 auf 10 353 Punkte zulegte, kam der Standard &
Poor's-500-Index mit einem Plus von rund 5 Prozent auf das beste
Wochenergebnis seit Ende September vergangenen Jahres. Noch beeindruckender
war der Anstieg beim Freiverkehrsmarkt, der mit fast 9 Prozent das beste
Wochenresultat in über einem Jahr erzielte. Damit haben sich die Warnungen
vor einem schwachen Mai bisher nicht bestätigt. Der bekannte
Börsenausspruch, man solle seine Aktien im Mai verkaufen, um den Sommer zu
genießen ("sell in May and go away"), war in diesem Jahr sicherlich nicht
die richtige Strategie. Das Gegenteil ist eher der Fall. Wer den Mut hatte,
gleich zu Monatsbeginn gegen den Strom zu schwimmen, und Aktien kaufte,
liegt bisher deutlich vorn.

Bereits vor zwei Wochen machte diese Kolumne auf ein starkes technisches
Kaufsignal aufmerksam, das seit 15 Jahren noch nie eine Fehlanzeige gegeben
hat, sofern der Zeitraum nicht in Tagen und Wochen, sondern in Monaten
bemessen wird. Selbst während des Crashs vom Oktober 1987 gab es kein so
klares Signal zum Kauf wie zu Beginn dieses Monats. Hierfür sprachen neben
psychologischen Gründen auch fundamentale Fakten. Das Anlegervertrauen war
stark erschüttert, da sich die Führungskräfte etlicher Unternehmen bei
ihren Gehaltsauszahlungen teilweise wie in einem Selbstbedienungsladen
verhielten, obwohl die enttäuschenden Geschäftsergebnisse keinerlei
Berechtigung dazu gaben. Inzwischen scheinen die Unternehmensgewinne jedoch

ihre Talsohle durchschritten zu haben. Im ersten Quartal gab es
mehrheitlich positive Überraschungen bei den Resultaten. Der
Wirtschaftseinbruch, der im Frühjahr vergangenen Jahres begann, ist
inzwischen auch überwunden. Bereits seit dem vierten Quartal beginnt das
Bruttoinlandsprodukt in Amerika wieder zu expandieren. Damit wird Amerika
wieder die Wachstumslokomotive der Welt, während Europa noch auf erste
Frühlingssignale der Wirtschaft wartet.

Selbst in der Computerindustrie gibt es wieder erste Hoffnungsschimmer.
Dell Computer, der zweitgrößte PC-Hersteller, überraschte am Donnerstag mit
einem besser als erwarteten Resultat. Auch der Konsument schätzt die
Zukunft positiver ein. Das Verbrauchervertrauen ist im Mai auf das höchste
Niveau seit anderthalb Jahren gestiegen. Die deutliche Verbesserung bei den
Einzelhandelsumsätzen im April bestätigt diesen Eindruck. Hier kam es zu
einem unerwartet hohen Anstieg von über einem Prozent. Auch die
amerikanische Handelsbilanz weist leichte Verbesserungen auf. Seit drei
Monaten hat sich das Exportgeschäft erholt. Zwar ist auch gleichzeitig das
Importvolumen gestiegen, jedoch beruht dies teilweise auf Investitionen der
Industrie, um die Produktivität weiterhin zu steigern.

Gerade in der Produktivität weist Amerika einen deutlichen Vorsprung
gegenüber Europa auf. Betrugen die Verbesserungen bis 1994 im Durchschnitt
1,4 Prozent, so liegen sie seitdem bei über 2,5 Prozent im Jahr. Bei einer
gleichzeitig wachsenden Arbeitsbevölkerung von mehr als 1 Prozent ergibt
dies ein Wirtschaftswachstum von mindestens 3,5 Prozent. Von solchen Daten
kann man in Europa zur Zeit nur träumen.

Zwei Volumenrekorde deuten auf eine positive Trendwende am Aktienmarkt. Der
aus den einhundert größten Freiverkehrswerten bestehende Nasdaq-Fonds (QQQ)
erlebte am Mittwoch bei steigenden Kursen mit über 200 Millionen
gehandelten Aktien den größten Tagesumsatz in seiner dreijährigen
Geschichte. Zu Monatsbeginn war dieser Indexfonds fast wieder auf die
Tiefstände vom vergangenen September gefallen. Zu Wochenbeginn kam das
zweitgrößte Telekommunikationsunternehmen Worldcom unter erheblichen
Verkaufsdruck, als es aus dem Standard & Poor's-500-Index gestrichen wurde.
Am Dienstag wechselte eine Rekordzahl von über 400 Millionen Aktien den
Besitzer, als der Kurs auf einen Tiefstand von fast einem Dollar fiel. Auch
dies mag als Zeichen einer Ausverkaufsstimmung gelten. Am Wochenschluß
notierte die Aktie aber bereits 25 Prozent höher. An der Börse wird zu
Beginn einer Hausse bekanntlich nicht geklingelt, jedoch hoffen Optimisten,
daß die letzte Woche ein Startsignal für bessere Zeiten war. Die zweite
Maihälfte kann bereits ein Test hierfür sein.


Antworten
Mützenmacher:

Scheiße, dann wird´s wahrscheinlich noch weiter

 
22.05.02 08:28
runter gehen. Wenn man von Thieme nix mehr hört, erst dann wird´s raufgehen.
Was positives hat der Tr...el ja - ein guter Kontraindikator.
Antworten
zit1:

Angst (Heiko Thieme i.d. FAZ)

 
27.05.02 13:12
27.05.2002
Angst
Wall Street erlebte ein krasses Kontrastprogramm. Hoffnungen, sich die starken Kursverbesserungen der Vorwoche fortsetzten würden, erwiesen sich als Trugschluß. Die Warnungen von Vizepräsident Cheney vor einem zweiten Terrorangriff auf Amerika, dessen Auswirkungen noch größer sein könnten als im vergangenen September, erstickten jeglichen Optimismus und schlug auf dem Börsenparkett gleich zu Wochenbeginn in Angst um. Das geringe Umsatzvolumen war gleichzeitig ein Beweis dafür, daß etliche Profis es vorzogen, den Handelsplatz New York zu meiden. Die seit September deutlich gefallenen Büromieten sind ein Indiz, daß etliche Unternehmen in Zukunft lieber außerhalb der Finanzmetropole operieren. Trotz aller Lippenbekenntnisse sind die Ereignisse vom 11. September noch nicht vollständig verarbeitet. Die ausgiebige Berichterstattung in den Medien trägt zur jüngsten Verunsicherung bei. Die Diskussion unter den Kongreßparteien über den Wissenstand des Weißen Hauses vor den Terroranschlägen politisiert das Thema in unnötiger Weise. Die bisherigen Gewinner sind somit die Terroristen.

Die Börse haßt Verunsicherung. Dies hat die vergangene Woche deutlich bewiesen. Der Versuch, den Abwärtstrend am Mittwoch und Donnerstag mit leichten Kursgewinnen zu bremsen, scheiterte am Freitag. In Anbetracht des langen Wochenendes zogen es etliche Börsianer vor, dem befürchteten Verkehrsstau durch Abwesenheit zu entgehen. Warnungen vor möglichen Terrorakten und einer Eskalation im Konflikt zwischen Indien und Pakistan verhinderten jegliches Kaufinteresse. Der Abwärtstrend setzte sich beim geringsten Tagesvolumen in diesem Jahr fort. Rund die Hälfte der Vorwochengewinne wurde im Durchschnitt wieder abgegeben.

Der Goldpreis, der erstmals in über zwei Jahren die 320-Dollar-Marke pro Feinunze überschritt, ist ebenfalls ein Ausdruck der Verunsicherung. Während Gold seit Jahresbeginn knapp 15 Prozent zulegte, stiegen die zehn größten Goldminenwerte im Durchschnitt sogar um fast 60 Prozent und führen damit im internationalen Börsenvergleich. Allerdings erreicht die gesamte Marktkapitalisierung dieser Werte nur knapp 50 Milliarden Dollar, was dem Börsenwert von DaimlerChrysler entspricht. Die relativ geringe Liquidität wird hier zur Selbsterfüllung. Der für seine astrologischen Analysen bekannte Börsenstratege, Arch Crawford, rechnet noch bis September mit einem festen Goldpreis. Gleichzeitig warnt er vor einer gefährlichen Planetenkonstellation, die noch bis zum 10. Juni den Aktienmarkt beeinträchtigen soll. Solche Angstprognosen finden zur Zeit Beachtung. Crawford soll sowohl den Crash von 1987 also auch die Ereignisse vom vergangenen September prognostiziert haben.

Mit diesem dreitägigen Wochenende – am Montag sind die Börsen wegen des Heldengedenktags geschlossen – beginnt für Wall Street bereits die Sommersaison, die bis zum ersten Montag im September dauert. Üblicherweise verbringen Börsianer in den kommenden drei Monaten die Wochenenden auf eigenen oder gemieteten Landsitzen auf Long Island. Die Entlassungswelle an Wall Street, von der rund 40.000 – teilweise hochbezahlte – Investmentbanker betroffen sind, macht sich hier bemerkbar. Im Gegensatz zu früheren Jahren sind etliche Häuser noch nicht vermietet. Auch die Mieten sind in diesem Jahr oft deutlich gefallen. Ein einfaches Haus mit drei Schlafzimmern kann man jetzt schon für knapp 20.000 Dollar für die dreimonatige Saison mieten. Vor einem Jahr war der Preis noch fast 50 Prozent höher. Wer allerdings Nachbar bekannter Film- und Fernsehstars sein möchte, muß für einen Landsitz – einschließlich Personal – für die Sommersaison über 600.000 Dollar hinlegen. Wer stattdessen lieber kauft, bezahlt für ein durchschnittliches Einfamilienhaus knapp eine Million Dollar. Eine Villa bekommt man allerdings kaum unter 10 Millionen Dollar. Jedoch ist auch in diesem gehobenen Marktsegment die Nachfrage spürbar gesunken. Das teuerste Objekt, ein Landsitz mit fünf Schlafzimmern, findet bei einem Preis von 50 Millionen Dollar seit über einem Jahr keinen Käufer. Seit den Höchstständen kurz nach der Jahrtausendwende ist die Marktkapitalisierung an Wall Street nämlich um fast 5.000 Milliarden Dollar geschrumpft. Somit schränken nicht nur Angst sondern auch ein magerer Geldbeutel Börsianer derzeit ein.
Ihr Heiko Thieme

Antworten
Mützenmacher:

Hey, sollte Thieme von seiner Krankheit geheilt

 
27.05.02 13:17
worden sein?
Antworten
zit1:

Jetzt könnten wir ein bischen Brainstormen

 
27.05.02 13:21
was wohl passiert, wenn die Immobilienblase auch noch platzt... oder was passiert, wenn ich ein 1000000 US-$ Home mit 40000 US-$ Jahresgehalt und 15000 US-$ Eigenkapital kaufe?
Antworten
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