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Pressespiegel Frankreich 22.07.02

 
22.07.02 16:06

Pressespiegel vom 22.07.2002


Pressespiegel Frankreich 22.07.02 728153

1. Aufmacherthemen und Überblick

Aussenpolitische Aufmacher bei Le Monde mit der Russlandreise von Chirac und La Croix mit dem Hungerproblem in Angola. Les Echos befasst sich mit dem Weitersinken der Kurse an der Wall Street. Innerfranzösische Themen bei Le Figaro mit der Zukunft von Canal+, Liberation mit der Sicherheit im Strassenverkehr und Le Parisien mit den Seinestränden im Zentrum von Paris.

Die Innenpolitische Berichterstattung passt sich zunehmend der Ferienzeit an und verzeichnet keine Schwerpunkte. Einige Artikel gehen auf die Rede Raffarins zum Gedenktag der Deportation von 13.000 Pariser Juden ein.

Le Monde und La Croix bringen kritische Nachlesen zum Russland-Besuch von Chirac, mehrere Blätter bringen kürzere Beiträge zum Kompromiss im Zusammenhang mit der Petersilien-Insel. Le Figaro und La Croix behandeln die Reise de Villepins ins westliche Afrika.

Les Echos und La Croix bringen kürzere Berichte über den Stahlstreit zwischen der EU und den USA. Erwähnenswerte Deutschlandberichterstattung gibt es heute nicht.

2. Innenpolitik

2.1. Zur Rede Raffarins zum 60. Jahrestag der Deportation französischen Juden stellt Le Figaro heraus, er habe dabei grösste Entschlossenheit beim Kampf gegen Antisemitismus in Frankreich versprochen. Fast zwei Jahre nach dem Beginn der zweiten Intifada bleibe Frankreich eines der am meisten betroffenen Länder in Europa.

Jetzt habe Raffarin zugesagt, alle "notwendigen Massnahmen würden ergriffen, um die Aggressionen gegen die jüdischen Gemeinden zu beenden". Auch Liberation stellt die Verurteilung antisemitischer Gewalttaten in den Vordergrund, Raffarin habe aber auch die Verantwortung des französischen Staates an der Deportation unterstrichen. Le Parisien schreibt, nachdem Chirac 1995 ein Tabu gebrochen habe, habe auch Raffarin jetzt die französische Verantwortung anerkannt und sei damit auf Zustimmung bei der jüdischen Gemeinde gestossen, die über die jüngsten antisemitischen Gewalttaten schockiert sei.

2.2. Le Figaro zitiert eine Umfrage, wonach 53% (+ 4%) der Befragten mit Chirac und 58% (+ 4%) mit Raffarin zufrieden seien.

3. Aussenpolitik

3.1. Zur Russlandreise Chiracs schreibt Le Monde im Editorial, nachdem Putins Tschetschenien-Politik in der Vergangenheit zu Recht vor allem auch von Frankreich kritisiert worden sei, habe Chirac diese jetzt im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terrorismus gerechtfertigt. Dieser Kampf und die neue Allianz zwischen den USA und Russland rechtfertigten für Chirac, dass Frankreich heute einen "skandalösen Krieg" unterstütze. Die Annäherung an die russische Position sei eine einzige Niederlage, analysiert Le Monde.

Auch La Croix meint kritisch im Leitkommentar, es scheine, dass Chirac jetzt eine "blinde Repression" unterstütze. Befreit von der Kohabitation habe Chirac eine Neuorientierung der französischen Diplomatie gewählt, das Ganze nenne man wohl Realpolitik. Bis auf das tschetschenische Volk und die Verfechter der Menschenrechte gäbe es jetzt nur zufriedene Gesichter.

3.2. Mehrere Blätter stellen heraus, aufgrund der amerikanischen Bemühungen sei der Kompromiss über die Petersilien-Insel erst möglich geworden. Liberation schreibt, die USA hätten "keine Lust" dazu gehabt, dass es zwischen den beiden wichtigsten Verbündeten in der Region zu einem Konflikt kommt. Vor allem in dem Moment, zu dem eine Militäroperation gegen den Irak vorbereitet werde, sollte verhindert werden, dass sich die antiwestliche Stimmung in den islamischen Ländern noch verstärkt. La Croix schreibt, es mehrten sich ernstzunehmenden Gerüchte, wonach die USA Mitverursacher dieser "komischen Krise" seien. Die USA hätten auf der Insel eine Radaranlage zur Überwachung des Gebiets im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terrorismus erstellen wollen und deshalb die Idee der "marokkanischen Besetzung" lanciert. Le Parisien schreibt, Spanien sei jetzt in der Defensive. Aber auch die EU komme als Hauptunterstützer Spaniens nur geschwächt aus der Krise heraus. Auch Les Echos schreibt, die Notwendigkeit der amerikanischen Vermittlung sei für die europäische Diplomatie schlicht eine "Ohrfeige".

4. Europa

Les Echos und La Croix schreiben, nachdem die USA in letzter Zeit einige Konzessionen gemacht hätten, zögere die EU jetzt mit Gegenmassnahmen im Stahlstreit. Offenbar sei man sich in Brüssel aber auch über die Notwendigkeit entsprechender Massnahmen nicht einig, vor allem Deutschland und Schweden hätten sich gegen Sanktionen ausgesprochen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


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