Powell ohne konkreten Zeitplan für Truppenabzug

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Powell ohne konkreten Zeitplan für Truppenabzug Brummer

Powell ohne konkreten Zeitplan für Truppenabzug

 
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Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und US-Außenminister Colin Powell haben sich offenbar nicht auf einen Zeitplan für einen israelischen Truppenabzug aus den palästinensischen Gebieten geeinigt. In Jerusalem gab es am Freitagnachmittag erneut ein Selbstmordattentat.

Scharon sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Powell, er hoffe auf ein Ende der Militäroffensive in den palästinensischen Gebieten "so bald wie möglich". Die USA hatten Israel zu einem raschen Truppenabzug gedrängt. Noch vor dem Treffen am Freitag hatte es geheißen, dass sich die israelische Armee beim Eintreffen Powells sofort aus den besetzten Gebieten zurückzieht.

Powell hat Israel und die Palästinenser am Freitag zur zügigen Aufnahme von Verhandlungen gedrängt. "Die Parteien müssen reden, sie müssen Verhandlungen beginnen", sagte Powell im Anschluss an das Treffen mit Scharon in Jerusalem. "Ich schätze Ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus", sagte Powell. Israel müsse sich jedoch über die langfristigen Konsequenzen der jetzigen Militäraktion in den Palästinensergebieten im Klaren sein.

Die israelische Offensive ging trotz aller internationaler Einwände und Kritik weiter. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser will die Armee jedoch in weniger als drei Wochen aus den Palästinensergebieten zurückziehen. In einem Interview der israelischen Zeitung "Maariv" vom Freitag sagte er: "Ich kann dem Oberbefehlshaber (Scharon) keine weiteren drei oder vier Wochen mehr geben." Israel habe kein Interesse daran, das Westjordanland dauerhaft zu besetzen. Gleichzeitig warnte er: "Wenn diese letzte Kampf-Phase nicht mit einem diplomatischen Prozess endet, werden wir in vier Monaten wieder dorthin zurückfallen, von wo aus wir den Krieg begonnen haben."

Attentat in Jerusalem

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Stadtbus sind am Freitagnachmittag in Jerusalem nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN vier Menschen getötet und 34 verletzt worden, davon sieben schwer. Nach Angaben des israelischen Regierungssprechers Daniel Seaman wartete der Selbstmordattentäter an der Haltestelle des Busses

Uno-Generalsekretär Kofi Annan sprach sich für die Entsendung einer internationalen Truppe in die Region aus. Seine Forderung begründete Annan in Genf mit den Worten: "Die Situation ist so gefährlich und die Lage der Menschen und der Menschenrechte so entsetzlich, dass der Vorschlag, Truppen dorthin zu entsenden, nicht länger hinausgeschoben werden kann." Er ließ offen, ob eine solche Truppe entsandt werden sollte, bevor Israel und die Palästinenser sich auf einen Waffenstillstand geeinigt haben. Israel hat in der Vergangenheit die jüngst wieder ins Gespräch gebrachte Entsendung einer solchen Truppe abgelehnt.

Der israelische Armeesprecher Ron Kitrey wies am Freitag Vorwürfe der Palästinenser zurück, die Armee habe während ihrer Offensive im Flüchtlingslager Dschenin ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübt. Zugleich räumte die Armee ein, es habe Hunderte von Verletzten und Getöteten gegeben und korrigierte damit die Angabe Kitreys, der von Hunderten Toten gesprochen hatte. In Dschenin hatte es tagelang Gefechte gegeben. Aus den Kampfgebieten gibt es keine unabhängigen Berichte. Sie sind von der Armee zur militärischen Sperrzone erklärt worden.



© 2002 Financial Times Deutschland


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