wären laut einem Beitrag im SPIEGEL womöglich auch ohne Betrug erreichbar gewesen (und sind es mithin immer noch):
"...Die VW-Ingenieure haben ihnen vielmehr einen versteckten Zweitmodus einprogrammiert: Dieser Mr. Hyde soll den Testern der US-Umweltbehörde EPA ein Schnippchen schlagen, während der Dr. Jekyll seinem Besitzer im Alltag größtes Fahrvergnügen bereitet. Das aber ist Betrug.
Hintergrund dieser fragwürdigen Vorgehensweise ist - und damit ist gleichzeitig das Klischee vom ewigen Umweltverschmutzer Amerika relativiert - der wesentlich strengere Abgastest in den USA. Dort nämlich greift sich die EPA einzelne Autos aus der Serie heraus, die dann nicht speziell aufgehübscht werden können. Auch ist der Fahrzyklus den Alltagssituationen wesentlich genauer nachgebildet. Zum Beispiel mit einigen Kilometern bei kaltem Motor oder im Stop-and-Go-Verkehr. Das Abgasver-halten auf dem Prüfstand entspricht damit viel eher der rauen Alltagswirklichkeit, als dies in Europa der Fall ist. Dieser Herausforderung wollte man sich bei VW offenbar nicht stellen.
Dabei wäre dies technisch sogar mit relativ einfachen Mitteln zu erreichen gewesen. Um die besonders problematischen Stickoxyde zu reduzieren, nutzen die Dieselbauer Harnstoff, der nur in genügender Menge eingespritzt werden muss. Weil man aber den Autobesitzern das lästige Nachfüllen während eines Tankstopps ersparen will, soll der Vorrat bis zum nächsten Service in der Werkstatt reichen. Ein offenes Wort an den Wagenbesitzer oder ein größerer Tank für das so genannte Ad Blue - dann wäre der Abgastest womöglich ganz ohne den heimlichen Tester-Detektor zu schaffen gewesen.
Den Schneid, ihren Kunden diese Unbequemlichkeit zuzumuten, hatten die VW-Leute nicht. Jetzt werden sie sich etwas einfallen lassen müssen, um ihnen zu erklären, warum sie sie stattdessen betrogen haben."
Man darf gespannt sein, ob in der Causa eine Nachbesserung, die die Käufer akzeptieren müssen, möglich ist. Vermutlich nur um den Preis eines nachträglichen Preisabschlags - wenn überhaupt. Andererseits wäre die Alternative ja auch nicht schlechter, als die der Konkurrenz. Aber wer weiß, vielleicht fällt ja den Ingenieuren von VW noch ein Königsweg ein.
Noch unwahrscheinlicher scheint mir allerdings vor dem Hintergrund der im SPIEGEL kommunizierten Fakten, dass der Betrug die Käufer zur Wandelung ihrer Kaufverträ-ge berechtigt. Der Betrug mag strafrechtlich relevant sein, ob er es auch zivilrecht-lich ist, muss sich erst noch zeigen. Zumindest wenn die zugesagten Abgaswerte auch anderweitig erreichbar sind und die Alternative die Käufer nicht schlechter stellt, als sie erwarten durften. Ich tippe, dass VW einen Masterplan aufstellt und jedem Käufer eine Alternative anbietet: entweder das Fahrzeug behalten, Ad Blue verwenden (wie die Kuden der Konkurrenz auch) und einen Abschlag kassieren. Oder Wandelung mit Schadensersatz in vereinbarter Höhe - mit Sicherheit die kostspieligere Lösung.
Link zum zitierten Artikel:
www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/...mentar-a-1053946.html