"Platzhirsch D" anzugreifen, das wäre wirklich nahe an Armageddon. Erstaunlich, dass die Rating-Agenturen sich gestern schnell beeilt haben, die Gerüchte um F selbst zu entkräften - ich glaube also nicht daran, dass D in Gefahr ist. Der heutige Markt lebt schließlich ganz extrem von der Illusion sicherer Häfen (Gold, CHF, D/CH/US-Bonds), das hält ihn auf absurde Weise am Laufen. Denn Geld ist ja ohne Ende da, wohin dann damit? Alles nur in Gold? Wenn D angegriffen würde, fiele das gesamte Konzept sichererer Häfen in sich zusammen und man müsste gar die Tradingalgorithmen umprogrammieren... Dann käme vielleicht gar jemand auf die dümmliche Idee, das Geld in der realen Welt auszugeben...
Man sollte in Erinnerung haben, dass der Markt bis Anfang Juli noch davon ausging, dass es in USA nun endlich richtig aufwärts gehen würde, alle warteten mit Optimismus auf den Arbeitsmarktbericht Juni - der dann ganz uerwartet grottig schlecht war. Nun stellt sich der Markt quasi auf eine US-Rezession ein und wird möglicherweise von BESSER als erwarteten Nachrichten auf dem falschen Fuß erwischt. Die Ausfälle durch die Unterbrechung der globalen Produktionskette nach Fukushima wurden von allen unterschätzt, nun unterschätzt man aber den Erholungseffekt sowie die langsam tatsächlich bessere Lage in USA. Im letzten US-Arbeitsmarktbericht gab es zum ersten Mal seit langem eine spürbare Steigerung der Löhne, was einigen Kommentatoren durchaus aufgefallen ist.
Wir leben nun leider in einer Börsenwelt, in der fast nur noch Maschinen miteinander handeln, sobald ein Trend sich etabliert hat. Früher mal ein Vorteil, weil die menschlichen Emotionen einen oft genug daran hindern, vernünftige Entscheidungen zu treffen, ist es jetzt noch schlimmer, weil jeder Trend ins Absurde getrieben wird und Schwankungen extrem werden. Dadurch wird der Trend noch verstärkt, weil "menschliche" Anleger die Börse als Reaktion für immer ad acta legen. Für ein Computerprogramm ist ja nichts absurd und die politischen bzw, aufsichtsrechtlichen Entscheidungsträger verstehen noch immer nicht, dass hier das größte Problem liegt. Dieses Problem macht regelmäßige menschliche Interventionen erforderlich, der Markt von früher, der sich selbst regelte, ist heute eine falsche Vorstellung. Entscheidend ist heute, was der Algorithmus als Trend definiert und was als Korrektur in einem Trend. Wenn diese jetzige Korrektur nun als Trend in den Rechnern landet, dann gute Nacht.