25.07.2010
Vor 110 Jahren - der Allrad-Hybrid-
Porsche
Der Lohner-Porsche von 1900 ist das erste Zero-
Emission-Fahrzeug der Welt.
Diese Bezeichnung
sollte rund ein Jahrhundert später erst in aller
Munde sein.
Schon 1899 entwickelte Ferdinand Porsche
das erste Elektroauto mit Radnabenmotoren,
den Lohner-Porsche. Vor 110 Jahren wurde es
in Paris vorgestellt und als wegweisendes
Konzept gefeiert. Schnell folgte das erste
Hybridfahrzeug, das auch einen Allradantrieb
an Bord hatte.
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Ein Rückblick auf den Lohner-Porsche lohnt. Derzeit
entdeckt die Automobilbranche ihr
Umweltbewusstsein und präsentiert alternative
Antriebskonzepte wie Hybridautos oder Wagen mit
Elektroantrieb am laufenden Band. Dass diese
Konzepte keineswegs neue Entwicklungen sind,
sondern von Ferdinand Porsche schon vor mehr als
110 Jahren technisch realisiert wurden, verrät ein
Blick auf den Lohner-Porsche von 1900.
Auch nach einem Jahrhundert noch revolutionär
Der Lohner-Porsche ist das erste Zero-Emission-
Fahrzeug der Welt, wie es neudeutsch heißt. Er wird
von Radnaben-Motoren angetrieben und wurde vom
jungen Ingenieur Ferdinand Porsche für den Wiener
Kutschwagenfabrikanten Ludwig Lohner entwickelt
und gebaut. Das elektrische Voiturette System
Lohner-Porsche, unter diesem Namen wurde es
1900 präsentiert, besitzt ein Chassis sowie eine
Karosserie aus Holz. Je ein Innenpol-Elektromotor in
den Radnaben der Vorderräder liefert eine Leistung
von jeweils rund 3 PS und kurzzeitig 7 PS. Der 44-
zellige Bleiakkumulator mit 80 Volt Spannung
erlaubte eine Betriebsdauer von etwa drei Stunden.
Als Höchstgeschwindigkeit wurden 45 bis 58 km/h
für den 980 Kilogramm schweren Wagen
angegeben. Später wird diese Konstruktion als
Irrweg interpretiert, da sich der Verbrennungsmotor
schnell durchsetzt.
Erstes Automobil mit Allradantrieb, erstes
Hybridauto
Heute jedoch zeigt sich durch aktuelle
Überlegungen die Wiederbelebung dieser
Konstruktion. Radnaben-Motoren werden als
mögliche Zukunftslösung erprobt, jeder große
Hersteller treibt die Hybridentwicklung voran und
der Elektromotor bekommt immer mehr Aufgaben
in Fahrzeugen. Das Patent auf den Radnabenmotor
meldet Ferdinand Porsche übrigens schon 1896 an -
vor 114 Jahren. Mit seinem Auftrag wollte Ludwig
Lohner zeigen, dass Elektromotoren auch auf der
Straße erfolgreich eingesetzt werden können.
Nachdem in der Industrie die Gasmotoren und
Dampfmaschinen durch die Elektromotoren
weitgehend abgelöst worden waren und diese sich
auch schnell auf der Schiene durchsetzten, sollte
sich der Erfolg nun auch auf der Straße einstellen.
Ferdinand Porsche entwickelte sein Elektroauto
weiter, so gab es bald einen Lohner-Porsche-
Rennwagen mit vier Radnabenmotoren und damit
das erste Automobil mit Allradantrieb. Der
Konstrukteur Porsche ließ sich übrigens nicht den
Spaß nehmen, seine Konstruktionen bei Rennen
auch selbst zu testen. So gewann er mit dem
Lohner-Porsche Rennwagen im Jahr 1900 das
Semmering-Rennen.
Ferdinand Porsche - Autoingenieur des Jahrhunderts
Schnell zeigte sich, dass das hohe Gewicht von
Motoren und Akkumulatoren einen schnellen Erfolg
verhinderte. 1.800 Kilogramm wogen die
Bleibatterien im ersten Lohner-Porsche. Nachdem er
in den Batterien den Schwachpunkt seiner
Konstruktion ausgemacht hatte, entwickelte
Ferdinand Porsche kurzerhand das erste
Hybridauto, den "Mixte"-Wagen. Während seine
erste Konstruktion nur die Elektromotoren an Bord
hatte, ließ Porsche in seinem "Semper
vivus" (lateinisch: stets lebendig) genannten
Wagen zwei Daimler-Verbrennungsmotoren als
Generatoren arbeiten und die Batterien während
der Fahrt mit Strom versorgen - der erste Range-
Extender.
Es sollte noch fast ein Jahrhundert dauern, bis die
technische Entwicklung kleine leistungsfähige
Motoren und leichte Batterien mit hoher Kapazität
ermöglichte, die neben den üblichen
Einsatzzwecken im Fahrzeug, wie Fensterheber,
Klappdachantriebe oder elektrische Sitzverstellung
nun auch als Antriebsquelle eingesetzt werden
können. Durch den Lohner-Porsche beweist der
"Autoingenieur des Jahrhunderts", zu dem
Ferdinand Porsche 1999 von einer internationalen
Jury gewählt wurde, auch noch nach 114 Jahren
seine Visionskraft.
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Quelle: 2010 Motor-Presse Stuttgart
