Die Anteile von Oracle befinden sich seit Monaten im freien Fall. Ein Ende des Abverkaufs ist noch immer nicht abzusehen. Das belastet auch die SAP-Aktie.
Für dich zusammengefasst:
Die Oracle-Aktie hat fast 50% ihres Wertes verloren.
SAP verzeichnete ebenfalls Verluste von rund einem Drittel.
Technische Indikatoren deuten auf eine weitere Abwärtsbewegung hin.
Der freie Fall von Oracle reißt auch SAP (SAP Aktie) mit in die Tiefe
Die Aktie des US-amerikanischen Software- und Cloud-Dienstleisters Oracle befindet sich im freien Fall. Im letzten Jahr noch euphorisch als KI-Mega-Gewinner gefeiert, haben die Anteile gegenüber ihrem Allzeithoch bei rund 346 US-Dollar inzwischen knapp die Hälfte an Wert verloren. Allein am Dienstag ging es um fast 6 Prozent bergab.
Die Sorgen vor einem finanziellen Kollaps des inzwischen mit 100 Milliarden US-Dollar verschuldeten Unternehmens lasten auch auf der Aktie von Erzrivale SAP. Zwar sind die Walldorfer finanziell deutlich solider aufgestellt, doch die hohen Verluste der Oracle-Anteile haben ausgestrahlt und auch hier zu Verlusten von inzwischen einem Drittel geführt.
Aus technischer Perspektive gibt es aktuell wenig Anlass, auf rasche Besserung zu hoffen. Solange sich Oracle nicht erholen kann, dürften die Chancen auf eine Gegenbewegung auch bei SAP gering sein. Anlegerinnen und Anleger sollten daher weiter abwarten – auch weil sich die Talfahrt noch verschärfen könnte.
Der Oracle-Crash kommt technisch nicht überraschend
Langfristig handelt die Oracle-Aktie in einem steilen Aufwärtstrend. Dieser kulminierte im vergangenen Jahr, als sich das Papier gegenüber dem 52-Wochen-Tief im April fast verdreifacht hatte. Die Anfang September vorgelegte Mega-Prognose hatte der Aktie einen der besten Handelstage aller Zeiten beschert. Daraus war die gewaltige Kurslücke zwischen 244 und 310 US-Dollar hervorgegangen, die inzwischen längst geschlossen ist.
Die Kursexplosion im September trug alle Anzeichen eines sogenannten Blow-Off-Tops: Ein außergewöhnlicher Kursanstieg in kürzester Zeit begleitet von einem extrem hohen Handelsvolumen. Aus technischer Perspektive ist der seither intakte Abwärtstrend daher folgerichtig. Dieser hat nach Verlusten von fast 50 Prozent Crash-Niveau erreicht.
Die nächste Unterstützung wackelt bereits ...
Ein Ende des Ausverkaufs ist allerdings noch nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. In den gleitenden Durchschnitten ist es erst vor wenigen Tagen zu einem Death Cross und damit einem technischen Verkaufssignal gekommen. Ein Versuch der Bullen, die 50-Tage-Linie zurückzuerobern scheiterte an den schwachen Indikatoren.
Damit wurde auch die Abwärtstrendlinie als Widerstand bestätigt, was nun zu weiteren Verlusten führen dürfte. Damit gerät unmittelbar auch die bei 180 US-Dollar liegende Horizontalunterstützung in Gefahr.
... und es dürfte noch viel schlimmer kommen
Dass diese unterschritten wird, gilt technisch fast als sicher: Der RSI ist auf Tageskursbasis mit knapp 36 Punkten zwar schwach, aber noch nicht überverkauft. Der Trendstärkeindikator MACD wiederum ist bereits wieder unter seine Signallinie gefallen und deutet damit auf eine Abwärtstrendverschärfung hin.
Die könnte Oracle in Abwesenheit weiterer Unterstützungen bis 125 US-Dollar durchrasseln lassen. Hier liegt nochmal ein mehrjähriger Support, ehe auch das Tief aus dem vergangenen Jahr angelaufen werden könnte.
Für eine Gegenbewegung zur Oberseite gibt es dagegen keine Anzeichen. Die fallenden technischen Indikatoren bestätigen den Abwärtstrend der Aktie, ohne dass bereits nennenswerte bullishe Divergenzen vorliegen würden. Ohne eine erkennbare Bodenbildung bleibt ein Einstieg bei der Aktie ein Griff ins fallende Messer.
Trotz des Crashs um fast die Hälfte ist die Aktie auch aus einer Bewertungsperspektive unattraktiv. Das KGVe 2026 liegt mit 24,5 deutlich über dem 5-Jahres-Mittel von 21,7. Auch gegenüber dem Branchendurchschnitt von 24,7 bietet Oracle kaum Vorteile.
Dazu kommt ein inzwischen gemessen am Unternehmenswert gigantischer Anteil immaterieller Vermögenswerte. Der hat das Kurs-Buch-Verhältnis auf 14,1 anschwellen lassen, was fast das Dreifache des Branchendurchschnitts von 4,8 ist. Zum Vergleich: Das KBVe von SAP liegt mit 4,5 sogar unter dem Branchenwert.
Damit bietet die Oracle-Aktie weder technisch noch fundamental einen Grund zum Kaufen. Aufgrund der hoch korrelierten Kursentwicklung der SAP-Anteile sollte vorerst auch von diesen Abstand genommen werden. Ohne eine Erholung bei Oracle dürften auch die Walldorfer keine Gegenbewegung starten.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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