Penny Stocks: Betroffene Firmen kündigen Widerstand an
Von Tim Bartz, Ina Bauer und Sven Lemkemeyer, Frankfurt
Die Deutsche Börse muss mit juristischem Gegenwind bei ihrem Vorhaben rechnen, Billig-Aktien (Penny Stocks) vom Kurszettel am Neuen Markt zu streichen.
Sprecher und Vorstände von Unternehmen, deren Titel unter der kritischen Marke von 1 Euro notieren, kündigten am Mittwoch Widerstand gegen das geplante Delisting an. Prout-Finanzvorstand Günter Laukhardt sagte: "Sollte das so kommen, müssen wir mit unseren Anwälten sprechen und die Interessen der Aktionäre schützen." Ähnlich äußerten sich Gauss, NSE und Fantastic.
Kritisiert wurde, dass die Börse die Firmen nicht über ihre Pläne informiert und einen ungünstigen Zeitpunkt gewählt habe. Artstor-Sprecherin Sabine Emich sagte: "Viele Unternehmen, die von ihrer Substanz her gut sind, stehen unter Druck. Wir würden uns wünschen, dass eine Normalisierung dieser Marktphase abgewartet wird und dass dann die übrig gebliebenen Penny Stocks herausgenommen werden."
Ohne Details zu nennen, bestätigte die Börse am Mittwoch, ihr Regelwerk in Abstimmung mit den Marktteilnehmern im Sommer zu verschärfen. Noch am Montag hatte die Börse erklärt, dass vorerst keine Änderung des Regelwerks anstehe. Klar dürfte sein, dass Unternehmen, die sich in Insolvenz befinden oder deren Aktien eine bestimmte Zeit unter 1 Euro liegen, nicht länger am Neuen Markt notieren sollen. Eine ähnliche Regelung gilt an der US-Technologiebörse Nasdaq.
Dafür müssten allerdings die privatrechtlichen Standardverträge zwischen Börse und Unternehmen um einen Passus zum Delisting ergänzt werden, da sonst Schadensersatzforderungen drohen. RTV-Sprecher Torsten Weihrich sagte, sein Unternehmen sei zu einer solchen Ergänzung nicht bereit. Weihrich und Sprecher weiterer Firmen kritisierten auch die Grenze von 1 Euro als willkürlich. Aussagekräftiger für die Solidität eines Unternehmen sei die Marktkapitalisierung.
Advanced-Medien-Vorstandssprecher Otto Dauer sagte, die 1-Euro-Marke provoziere "Reverse Stock Splits". Dabei wird die Anzahl umlaufender Titel um ein Vielfaches verringert, um so den Aktienkurs zu erhöhen. Marktkapitalisierung oder Substanzkraft ändern sich dadurch jedoch nicht. Sprecher weiterer Unternehmen hofften, dass durch positive Unternehmensnachrichten ihr Aktienkurs wieder steigt.
© 2001 Financial Times Deutschland
Von Tim Bartz, Ina Bauer und Sven Lemkemeyer, Frankfurt
Die Deutsche Börse muss mit juristischem Gegenwind bei ihrem Vorhaben rechnen, Billig-Aktien (Penny Stocks) vom Kurszettel am Neuen Markt zu streichen.
Sprecher und Vorstände von Unternehmen, deren Titel unter der kritischen Marke von 1 Euro notieren, kündigten am Mittwoch Widerstand gegen das geplante Delisting an. Prout-Finanzvorstand Günter Laukhardt sagte: "Sollte das so kommen, müssen wir mit unseren Anwälten sprechen und die Interessen der Aktionäre schützen." Ähnlich äußerten sich Gauss, NSE und Fantastic.
Kritisiert wurde, dass die Börse die Firmen nicht über ihre Pläne informiert und einen ungünstigen Zeitpunkt gewählt habe. Artstor-Sprecherin Sabine Emich sagte: "Viele Unternehmen, die von ihrer Substanz her gut sind, stehen unter Druck. Wir würden uns wünschen, dass eine Normalisierung dieser Marktphase abgewartet wird und dass dann die übrig gebliebenen Penny Stocks herausgenommen werden."
Ohne Details zu nennen, bestätigte die Börse am Mittwoch, ihr Regelwerk in Abstimmung mit den Marktteilnehmern im Sommer zu verschärfen. Noch am Montag hatte die Börse erklärt, dass vorerst keine Änderung des Regelwerks anstehe. Klar dürfte sein, dass Unternehmen, die sich in Insolvenz befinden oder deren Aktien eine bestimmte Zeit unter 1 Euro liegen, nicht länger am Neuen Markt notieren sollen. Eine ähnliche Regelung gilt an der US-Technologiebörse Nasdaq.
Dafür müssten allerdings die privatrechtlichen Standardverträge zwischen Börse und Unternehmen um einen Passus zum Delisting ergänzt werden, da sonst Schadensersatzforderungen drohen. RTV-Sprecher Torsten Weihrich sagte, sein Unternehmen sei zu einer solchen Ergänzung nicht bereit. Weihrich und Sprecher weiterer Firmen kritisierten auch die Grenze von 1 Euro als willkürlich. Aussagekräftiger für die Solidität eines Unternehmen sei die Marktkapitalisierung.
Advanced-Medien-Vorstandssprecher Otto Dauer sagte, die 1-Euro-Marke provoziere "Reverse Stock Splits". Dabei wird die Anzahl umlaufender Titel um ein Vielfaches verringert, um so den Aktienkurs zu erhöhen. Marktkapitalisierung oder Substanzkraft ändern sich dadurch jedoch nicht. Sprecher weiterer Unternehmen hofften, dass durch positive Unternehmensnachrichten ihr Aktienkurs wieder steigt.
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