Die Schwankungen sowohl des Inneren Wertes als auch des Zeitwertes können je nach Basispreis und Restlaufzeit des Scheins sowie angenommener Volatilität des zugrunde liegenden Basiswertes sehr unterschiedlich sein.
Bevor Sie einen Optionsschein auswählen, sollten Sie daher schon eine recht genaue Vorstellung davon haben, wie sich Ihr Schein verhalten soll: Wie stark soll er auf Kursveränderungen des Basiswertes bzw. die Verkürzung der Restlaufzeit reagieren? Welche Auswirkungen darf eine Veränderung der Volatilität des Basiswertes oder eine Veränderung des Zinsniveaus haben?
Für Sie als Anleger stellt sich dann natürlich die entscheidende Frage: Woran kann ich denn erkennen, wie ein bestimmter Schein von derartigen Schwankungen betroffen ist? Und wie wähle ich aus der Vielzahl der angebotenen Scheine diejenigen aus, die meinen Vorstellungen entsprechen? Nun, ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht. In den folgenden Punkten stellen wir Ihnen aber eine Reihe von Kennzahlen vor, mit deren Hilfe Sie die Zahl der in Frage kommenden Optionsscheine schon erheblich eingrenzen können.
Wie ein Optionsschein auf die Volatilität reagiert: Die Kennzahl “Vega”
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Optionsscheinpreis ist die Volatilität des Basiswertes. Auch diese ändert sich im Verlauf der Zeit ständig. Um nun abschätzen zu können, wie der Wert eines Optionsscheins auf Veränderungen der Volatilität reagiert, können Sie auf die Kennzahl Vega zurückgreifen.
Das Vega eines Optionsscheins gibt die Veränderung des Optionsscheinpreises in Abhängigkeit von der Änderung der Volatilität des Basiswertes wieder. Für Optionsscheine mit einem Bezugsverhältnis von 1:1 zeigt das Vega an, um wie viele Geldeinheiten der Preis des Optionsscheins unter sonst gleich bleibenden Bedingungen theoretisch steigen (oder fallen) sollte, wenn die Volatilität um einen Prozentpunkt steigt (oder fällt). In diesem Fall bedeutet also ein Vega von beispielsweise 0,25, dass der Wert des Optionsscheins bei einem Anstieg der Volatilität des Basiswertes um zwei Prozentpunkte (z. B. von 20 auf 22 %) um 0,5 EUR (0,25 x 2) steigen würde. Bei einem von 1:1 abweichenden Bezugsverhältnis sind die Auswirkungen auf den Optionsscheinkurs um den entsprechenden Faktor geringer (bzw. größer).
Ein kleiner Wert für Vega besagt, dass der Optionsscheinpreis relativ gering auf Änderungen der Volatilität reagiert. Umgekehrt besagt ein großer Wert für Vega, dass der Optionsscheinpreis relativ stark auf Änderungen der impliziten Volatilität reagiert. Die Empfindlichkeit von Optionsscheinen gegenüber Veränderungen der Volatilität ist umso stärker, je länger die Laufzeit ist und je näher sich der Kurs des Basiswertes am Basispreis befindet. Am größten ist das Vega also bei at-the-money Optionsscheinen mit langer Laufzeit. Solche Scheine sind gegenüber Änderungen der Volatilität am empfindlichsten.
Da die Volatilität einen erheblichen Einfluss auf die Höhe des Zeitwertes hat, ist das Vega eine wichtige Kennzahl zur Auswahl und Beurteilung von Optionsscheinen. Insbesondere in hektischen Marktphasen, die durch hohe Schwankungen charakterisiert sind, sollten Sie bei der Auswahl von Optionsscheinen das Vega unbedingt im Auge behalten.
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Friday, 9. April 2004 | 11:43 Uhr 
