ftd.de, Fr, 3.8.2001, 14:34
Nur Dresdner Kleinwort glaubt an den Wall-Street-Crash
Von Jennifer Tiede, Hamburg
Die Börsencrash-Prognose vom Chefstrategen der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, Albert Edwards, wird von anderen Analysten für abwegig gehalten. Edwards sagt laut der Zeitung "Die Welt" für kommenden Dienstag einen Kursturz von mehr als 20 Prozent an den US-Börsen voraus.
Die "Crash-Studie" war am Freitag auf dem Frankfurter Parkett in aller Munde. "Alle reden darüber, aber keiner nimmt sie wirklich ernst", sagte ein Händler. Laut Edwards solle eine Neuberechnung der US-Produktivität am 7. August zeigen, dass diese nicht so stark gewachsen sei wie bisher angenommen und zum Börseneinbruch führen. Ein von der "Welt" befragter Analyst sagte zur Edwards These: "Er ist der einzige Experte, der dieses Szenario sieht. Entweder der Dresdner Experte ist genial oder größenwahnsinnig." In Finanzkreisen gilt Albert Edwards als kluger Kopf, aber auch als einer, der gern übertreibt. So prognostizierte er vor zwei Jahren, dass der Dow Jones auf eine Niveau von 5000 Punkten sinke.
Deutsche Bank optimistischer
Ulrich Beckmann, Analyst der Deutschen Bank, erwartet keinen Börsencrash durch die Veröffentlichung der Produktivitätsdaten - nicht einmal Überraschungen. "Wenn man weiß wie sich das US-Bruttoinlandsprodukt entwickelt hat, kann man Rückschlüsse auf die Produktivität ziehen", sagte Beckmann der FTD Online. Das enttäuschende US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal sei der eigentliche Aufreger gewesen. Die Folgen für die Produktivität seien berechenbar und von den Aktienmärkten zu einem großen Teil bereits eingepreist. "Anleger und Analysten sind clever genug, um das US-Wachstum schon jetzt vorsichtig zu bewerten", sagte Beckmann. Die amerikanische Berechnungsmethode schöne im Vergleich zur deutschen die Zahlen immer ein wenig nach oben - aber das sei weithin bekannt.
"Abwegige Spekulation"
Der Bremer Volkswirtschaftler Rudolf Hickel stimmte laut Nachrichtenagentur dpa-afx Edwards zwar in der Einschätzung zu, dass die Zuwächse in der Produktivität in den letzten Jahren völlig überzeichnet worden seien. Die derzeitigen Firmenzusammenbrüche und Entlassungen in der New Economy korrigierten zurzeit die "abenteuerliche Überschätzung" des Wachstumspotenzials. Daraus aber auf einen möglichen Börsencrash zu schließen, gehöre ins Reich "abwegiger Spekulationen".
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA hat im zweiten Quartal nur leicht um 0,7 Prozent zugelegt. Nachlassende Investitionen schlugen voll zu Buche. Die Zahlen waren die schlechtesten für ein zweites Quartal seit acht Jahren. Am Tag der Veröffentlichung, dem 27. Juli, sank der Dow Jones-Index um 0,37 Prozent auf 10.416 Punkte - nicht gerade Untergangsstimmung an der Börse. Der Nasdaq Composite-Index stieg sogar um 0,33 Prozent auf 2030 Zähler.
Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt wollte zu Edwards Prognose keinen Kommentar abgeben.
(mit Agenturen)
© 2001 Financial Times Deutschland
Nur Dresdner Kleinwort glaubt an den Wall-Street-Crash
Von Jennifer Tiede, Hamburg
Die Börsencrash-Prognose vom Chefstrategen der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, Albert Edwards, wird von anderen Analysten für abwegig gehalten. Edwards sagt laut der Zeitung "Die Welt" für kommenden Dienstag einen Kursturz von mehr als 20 Prozent an den US-Börsen voraus.
Die "Crash-Studie" war am Freitag auf dem Frankfurter Parkett in aller Munde. "Alle reden darüber, aber keiner nimmt sie wirklich ernst", sagte ein Händler. Laut Edwards solle eine Neuberechnung der US-Produktivität am 7. August zeigen, dass diese nicht so stark gewachsen sei wie bisher angenommen und zum Börseneinbruch führen. Ein von der "Welt" befragter Analyst sagte zur Edwards These: "Er ist der einzige Experte, der dieses Szenario sieht. Entweder der Dresdner Experte ist genial oder größenwahnsinnig." In Finanzkreisen gilt Albert Edwards als kluger Kopf, aber auch als einer, der gern übertreibt. So prognostizierte er vor zwei Jahren, dass der Dow Jones auf eine Niveau von 5000 Punkten sinke.
Deutsche Bank optimistischer
Ulrich Beckmann, Analyst der Deutschen Bank, erwartet keinen Börsencrash durch die Veröffentlichung der Produktivitätsdaten - nicht einmal Überraschungen. "Wenn man weiß wie sich das US-Bruttoinlandsprodukt entwickelt hat, kann man Rückschlüsse auf die Produktivität ziehen", sagte Beckmann der FTD Online. Das enttäuschende US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal sei der eigentliche Aufreger gewesen. Die Folgen für die Produktivität seien berechenbar und von den Aktienmärkten zu einem großen Teil bereits eingepreist. "Anleger und Analysten sind clever genug, um das US-Wachstum schon jetzt vorsichtig zu bewerten", sagte Beckmann. Die amerikanische Berechnungsmethode schöne im Vergleich zur deutschen die Zahlen immer ein wenig nach oben - aber das sei weithin bekannt.
"Abwegige Spekulation"
Der Bremer Volkswirtschaftler Rudolf Hickel stimmte laut Nachrichtenagentur dpa-afx Edwards zwar in der Einschätzung zu, dass die Zuwächse in der Produktivität in den letzten Jahren völlig überzeichnet worden seien. Die derzeitigen Firmenzusammenbrüche und Entlassungen in der New Economy korrigierten zurzeit die "abenteuerliche Überschätzung" des Wachstumspotenzials. Daraus aber auf einen möglichen Börsencrash zu schließen, gehöre ins Reich "abwegiger Spekulationen".
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA hat im zweiten Quartal nur leicht um 0,7 Prozent zugelegt. Nachlassende Investitionen schlugen voll zu Buche. Die Zahlen waren die schlechtesten für ein zweites Quartal seit acht Jahren. Am Tag der Veröffentlichung, dem 27. Juli, sank der Dow Jones-Index um 0,37 Prozent auf 10.416 Punkte - nicht gerade Untergangsstimmung an der Börse. Der Nasdaq Composite-Index stieg sogar um 0,33 Prozent auf 2030 Zähler.
Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt wollte zu Edwards Prognose keinen Kommentar abgeben.
(mit Agenturen)
© 2001 Financial Times Deutschland