Der Chef des deutschen Wind/Solar Projektentwickler PNE, Lesser, in einem Interview von vor 2 Tagen:
„Wir stellen stark steigende Preise für Windenergieanlagen fest.
Die guten Nachrichten: Wir gehen jedoch auch davon aus, steigende Preise durch steigende Stromtarife und effizientere Anlagen teilweise kompensieren zu können. Ich rechne also damit, dass die erwartbaren hohen Strompreise die Ergebnisse unseres Eigenportfolios steigern werden. Ebenso kann ich Ihnen sagen, dass unsere bestehenden Finanzierungen davon nicht beeinflusst werden. Diese sind langfristig gesichert und bezogen auf die Zinsentwicklung festgelegt".
www.anleihen-finder.de/...rsitzender-der-pne-ag-00056660.html
Nordex hat gestern Mittag bei einer Präsentation die aktualisierte Jahresguidance präzisiert. So sind im Gegensatz zur "alten" Jahresguidance in der neuen Prognose die direkten und indirekten Effekte des Ukraine-Kriegs (negativer Effekt von bis zu 55 Mio. €) sowie Einmalaufwendungen für die Umstrukturierung der Produktion (Rotorblattproduktion in Rostock >> etwa 500 Entlassungen + Gondelproduktion Spanien >> etwa 90 Entlassungen - negativer Effekt von bis zu 83 Mio. € ), nun mitberücksichtigt. Beide Aspekte waren mangels ausreichender Vorhersehbarkeit in der Ende März veröffentlichten Guidance noch nicht beinhaltet. Beides zusammen macht in etwa die Hälfte der Reduzierung der neuen EBITA-Margenguidance aus. Zudem schließt die aktualisierte EBITA-Margenguidance die anhaltenden Lieferketten- und Logistikprobleme mit ein. Auch die die erwarteten Effekte der Lieferkettenstörungen in China infolge der Corona-Lockdowns sowie die zusätzlichen Kosten und Auswirkungen auf das Geschäft im Zusammenhang mit dem Cyber-Vorfall vom 31. März 2022, sind in der neuen EBITA-Margenguidance beinhaltet.
Hier die Details:
- weiter hohe Volatilität und anhaltende Störungen in den Lieferketten und bei der Logistik (negativer Effekt von 2 bis 2,5 auf die EBITA-Marge - also von 110 Mio. € bis zu 138 Mio. €)
Vor allem die hohen Seefrachtskosten und Lieferkettenstörungen belasten weiter. Dazu gibt es noch erhebliche Engpässe bei Stahl und anderen kritischen Komponenten, die laufende Projekte erheblich belasten.
- Produktionsrestrukturierung (negativer Effekt von bis zu 1,5% auf die EBITA-Marge - also bis zu 83 Mio. €)
Kosten für die Schließung der deutschen Rotorblattproduktion und einer Gondelproduktion in Spanien. Diese Auswirkung auf die EBITDA-Marge soll in den nächsten 2 bis 3 Jahren durch Einsparungen in der Produktion kompensiert werden.
- direkte Auswirkungen Ukraine Krieges (negativer Effekt von bis zu 1% auf die EBITA-Marge - also bis zu 55 Mio. €)
Nordex verliert 200 Mio. € an Umsatz in diesem Jahr in der Ukraine. Das hat negative Folgen auf das Working Capital und es kommt zu Sonderabschreibungen auf nicht durchgeführter bzw. gestoppter Projekte
- Lockdown in Shanghai und anderen Provinzen in China und Cyber-Attacke (negative Auswirkungen von bis zu 1% auf die EBITA-Marge - also bis zu 55 Mio. €)
Die Corona Lockdowns in China wirken sich erschwerend auf bereits bestehende Lieferkettenstörungen aus, die die europäischen Produktionsstätten sowie Projekte weltweit beeinträchtigen.
Die Cyber-Attacke hat das operative Geschäft beeinträchtigt. In den zusätzlichen Kosten sind auch Kosten für die Stärkung der IT-Infrastruktur beinhaltet.
Der Link dazu:
ir.nordex-online.com/download/companies/...NGDmXAATnUK3t0QuNJ4
Wenn ich nun die Mitte der neuen Umsatz/EBITA-Margen Guidance annehme, dann sehen die 2022er Nordexzahlen in etwa folgendermaßen aus:
Umsatz: 5,45 Mrd. € (2021: 5,44 Mrd. €)
EBITA: - 109 Mio. € (2021: 52,7 Mio. €)
EBIT: - 264 Mio. € (2021: - 107 Mio. €)
EBT: - 318 Mio. € (2021: - 224 Mio. €)
Nettoergebnis: - 293 Mio. € (2021: - 230 Mio. €)
EPS: - 1,83 € (2021: - 1,68 €)
Nimmt man die oberen Guidancespannen als Berechnungsgrundlage, dann kommt in etwa ein Nettoverlust von um die 185 Mio. € bzw. ein EPS von Minus 1,16 € raus.
Ohne Frage, die Nordex Zahlen werden wie schon im letzten Jahr übel aussehen. Damit wird das Eigenkapital wieder in Richtung 800 Mio. € gehen und die Eigenkapitalquote wohl wieder an die 20%. Was möglicherweise wieder zu einer Kapitalerhöhung führen könnte. Gut bzw. schön ist das alles nicht. War aber dann doch irgendwie absehbar nach den letzten Zahlen/Aussagen von Vestas wie auch von Gamesa, dass es so kommen könnte. Die Kostenkrise mit samt den sehr hohen Transportkosten und den kaum einzuschätzenden Transportverzögerungen machen den Turbinenbauer nun mal sehr schwer zu schaffen und allzu viel ändern können sie an der aktuell äußerst schwierigen Situation nicht. Erschwerend hinzu kommt dann noch, dass ausgerechnet in dieser kaum einschätzbaren Lage, die Auftragsbücher sich auf Rekordniveaus befinden.