Tech-Titel legen bis zu 100 Prozent zu
Alte Höchststände in Sicht - Nasdaq stark gestiegen - Experten warnen vor Rückschlag
von Daniel Eckert
Berlin - Derzeit bereitet nicht nur das schöne Wetter den Anlegern gute Laune. Auch die stattlichen Wertzuwächse bei Tech-Werten sind dazu angetan, das Gemüt der Börsianer in Sommerstimmung zu bringen. Wer in den vergangenen Monaten auf Internet-, Software-, Biotech- und teilweise auf Halbleiter setzte, konnte seit Anfang des Jahres saftige Renditen von teilweise 100 Prozent einfahren und hat sich damit oft genug den Jahresurlaub finanziert.
Besonders gut schnitt die amerikanische Nasdaq ab. Während sich der Dow Jones seit Jahresbeginn kaum von der Stelle bewegte, konnte der Technologie-Index knapp 14 Prozent zulegen und notiert nunmehr auf einem Zwölf-Monats-Hoch. Auch mit dem Tec-Dax erzielten Anleger eine um neun Prozent höhere Rendite als mit dem Standardwerteindex Dax.
"An den Tech-Märkten ist richtig was los", sagt Andreas Gaertner, Analyst bei der SEB Bank. Seiner Meinung nach ist die Rallye an den Tech-Märkten noch nicht zu Ende. Besonders angetan haben es ihm die Unternehmen der Internet-Branche. "Firmen wie Amazon, Ebay und Yahoo beweisen, das sich mit einem soliden Geschäftsmodell im World Wide Web Geld verdienen lässt", sagt.
Nach Gaertners Auffassung hat die Branche eine Phase der "kreativen Zerstörung" hinter sich, in deren Folge zwei Drittel der Firmen aus dem Markt ausgeschieden sind. Die Übriggebliebenen Firmen schreiben schwarze Zahlen, was die Anleger mit fetten Kursaufschlägen quittierten. Ebay legte seit Januar um mehr als 40, Amazon und Yahoo sogar um rund 80 Prozent zu. Auch deutsche Internet-Titel müssen sich nicht verstecken. Börsenliebling United Internet war mit einem Kursaufschlag von mehr als 100 Prozent sogar der zweitbeste Performer im Tec-Dax.
Für Werte der Halbleiterbranchen spricht Gaertner zufolge eine andere Überlegung: "Überall auf der Welt muss nach einer zwei- bis dreijährigen Pause die Hardware erneuert werden." Chip-Hersteller wie Intel oder Infineon könnten also von einer deutlich anziehenden Nachfrage profitieren.
Zwar kann sich Gaertner durchaus vorstellen, dass wir "noch den ein oder anderen Ausreißer nach unten haben werden", insgesamt glaubt er aber, dass die Nasdaq sogar in einer fortgesetzten Bärenmarktrallye auf 1800 Zähler laufen kann. Sollte es jedoch zu einer echten Wiederbelebung der Weltwirtschaft kommen, sei sogar eine Verdopplung oder Verdreifachung der Tech-Indizes möglich.
Thiemo Lang, Fondsmanager bei Activest ist etwas skeptischer: "Die Tech-Märkte sind in den letzten Wochen sehr heißgelaufen. Mich würde es nicht wundern, wenn wir im Sommer noch mal einen Rückschlag um die 20 Prozent sehen." Da der TecDax traditionell schwankungsanfälliger ist als die alt gediente Nasdaq könnte das Minus hier zu Lande sogar kräftiger ausfallen als in Übersee. Mittelfristig sieht Lang das höhere Kurspotenzial ohnehin jenseits des großen Teichs. Anleger sollten jedoch erst eine nachhaltige Ertragswende abwarten. Wehrmutstopfen für europäische Anleger ist dabei zusätzlich, dass ein weiter fallender Dollar die Kursgewinne mit US-Titeln anknabbern oder ganz zunichte machen könnte.
Für Pia Hellbach, Fondsmanagerin bei Union Investment, ergibt sich ein durchwachsenes Bild. Erschwert wird die Aktienauswahl ihrer Meinung nach dadurch, dass manche Branchen in Europa, manche in Amerika überbewertet sind. So seien Halbleiterwerte in den USA teuer, in Europa aber oft noch unterbewertet. Im Software-Sektor verhält es sich ihrer Meinung nach umgekehrt: Hier hätten die Aktien in der Alten Welt ein hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis, in der Neuen Welt seien sie dagegen fair bewertet. Privatanleger warnt die Fondsmanagerin davor, zu stark auf einzelne Tech-Werte zu setzen: "In dem derzeitigen Trading-Markt kann man sich ganz schnell die Finger verbrennen."