04.05.2011
Aus Leserbriefe Boerse Online.
Was passiert, wenn ich ein Übernahmeangebot ablehne?
Aktionäre stehen immer wieder vor derselben Entscheidung: Sollen sie ein Übernahmeangebot einer Gesellschaft annehmen oder besser nicht? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, es kommt immer auf den Einzelfall an. Doch eines ist sicher: Überstürzt sollten Anleger ihre Aktien nicht abgeben. Denn häufig kommen Gelegenheiten, die Anteile zu besseren Konditionen zu veräußern. Und da die Aktie auch nach Ablauf der Frist an der Börse notiert bleibt und ein Handel stattfindet, können Anteilseigner auch später noch verkaufen.
Etwas Vorsicht ist dennoch geboten: Je mehr Anteile der Bieter besitzt, desto kleiner ist der Streubesitz und desto geringer die Liquidität in der Aktie. Fallen die Börsenumsätze, können starke Kursschwankungen die Folge sein. Anleger kommen dann häufig nicht mehr zu angemessenen Kursen aus der Aktie heraus.
Ein aktuelles Beispiel ist Aleo Solar. 2009 hatte Bosch begonnen, sein Solargeschäft auszubauen und den Aleo-Eignern 9 Euro je Aktie geboten. Inzwischen liegen 85 Prozent der Anteile bei den Schwaben. Jetzt will Bosch auch die restlichen Papiere erwerben und bietet den verbliebenen Aktionären 22 Euro je Aktie an. Vordergründig scheint dieser Preis attraktiv. Immerhin lag der Drei-Monats-Durchschnittskurs der Aleo-Aktie zum Stichtag 24. Februar 2011 bei 17,44 Euro und damit deutlich unter dem Angebot. An der Börse notiert der Titel allerdings momentan bei 24 Euro. Der Markt spekuliert offenbar darauf, dass Bosch noch einmal in sich geht und den freien Aktionären ein höheres Angebot unterbreitet. Dass ein anderes Unternehmen Kaufinteresse zeigt, gilt in Expertenkreisen als unwahrscheinlich.
Je schneller Bosch die restlichen Anteilseigner aus dem Unternehmen hinausdrücken will und je weniger Aktionäre das bisherige Angebot annehmen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bosch noch einmal eine Schippe drauflegt. Bis zu einem Werktag vor Ablauf der Annahmefrist kann der Bieter das Kaufangebot ändern. Die Laufzeit verlängert sich dann um zwei Wochen. Da der Aktienkurs derzeit ohnehin knapp zehn Prozent über dem gebotenen Preis liegt, sollten Aktionäre auf ein besseres Angebot warten oder aber über die Börse ihre Anteilscheine verkaufen.
Dass ein Aktienkurs nach einem vermeintlich guten Angebot noch einmal klettern kann, weil plötzlich ein anderes Unternehmen in Erscheinung tritt, zeigt das Beispiel Roth & Rau: Der Maschinenbauer erhielt eine Offerte über ebenfalls 22 Euro je Aktie vom Wettbewerber Meyer Burger. Der Großaktionär und Gründer verkaufte seine Anteile, alles deutete darauf hin, dass für Aktionäre kein höherer Preis zu erzielen ist. Doch plötzlich trat mit dem Unternehmer Jürgen Gutekunst ein neuer Großaktionär auf, der mittlerweile mehr als zehn Prozent der Anteile hält. Kurz nach Bekanntwerden zog der Aktienkurs auf mehr als 23 Euro an. Anleger hoffen auf einen Bieterwettbewerb. Deswegen gilt: Die erste Offerte muss nicht immer die beste sein.
I spent a lot of my money on booze, birds and fast cars - the rest I just squandered". George Best