Diese Peer Group-Analyse zeigt, dass Roth % Rau gegenüber ihren Branchenkollegen um fast 50% unterbewertet ist. Das kommt natürlich großteils daher, dass Roth & Rau mit den zwei Gewinnwarnungen schon sehr viel Vertrauen an der Börse verloren hat. Das Kursziel aus der Peer Group-Analyse wird durch die zwei US-Werten etwas geschönt, da US-Werte generell schon immer eine höhere Aktienbewertung haben/hatten wie Europäische. Auch ist bei den beiden US-Werten wesentlich mehr Umsatz- und Gewinndynamik drin wie bei den deutschen Werten und das berücksichtigt die Peer Group-Analyse nicht.
Diese Peer Group-Analyse zeigt aber auch, dass Centrotherm eigentlich der billigste Wert innerhalb dieser Peer Group ist und das überrascht mich dann schon. Centrotherm sieht bei allen vier Bewertungskenziffern schon verdammt günstig aus und ist auch wohl mit der beste und am breitesten aufgestellten Solarmaschinenbauer überhaupt.
Wie aber die 2010er Zahlen und die Prognosen für 2011 von Roth & Rau zeigen, waren Kurse wie vor einem Jahr von 32 € eindeutig überzogen aus heutiger Sicht. Das 2011er KGV als Beispiel würde ja dann bei sehr sehr hohen 30 liegen. Wäre dann natürlich nicht mehr akzeptabel. Somit ist der miserable Kursverlauf in den letzten 12 Monate absolut nachzuvollziehen.
Roth & Rau ist mal unabhängig dieser Peer Group-Analyse bei den gewinnbasierenden Bewertungskennzahlen mit einem 2011er KGV von 11,7 bzw. beim Multiple EV/EBIT mit 5,9 sicher nicht gerade überbewertet. Da gibt es dann schon alleine Luft nach oben mit so um die 10 bis 15%%. Das KBV mit 0,7 und das KUV mit 0,6 zeigen aber dann schon eine klare Unterbewertung auf. Wobei ich gerade beim KBV bei den Solarmaschinenbauer immer recht vorsichtig bin, denn da werden halt dann auch recht hohe immaterielle Vermögenswerte bilanziert und die beschönigen dann die Bilanz schon.
Luft nach oben für den Kurs ist allemal vorhanden, aber Kurse nahe an die 20 € erwarte ich dann in den nächsten Monate nicht, außer Roth & Rau würde überraschend gute Zahlen inkl. hoher Auftragseingänge vorlegen und die Unsicherheiten aus dem ganzen Solarsektor müsste sich langsam legen. Aber an Letzteres glaube ich nicht wie ja die Vergangenheit doch so ziemlich gut aufgezeigt hat. Solaraktien sind an der Börse schon seit Monaten, bis auf einige Ausnahmen, alles andere als en vogue. Der gesamte Sektor ist unter Druck durch die großen Unsicherheiten und das verringert die Visibilität der Prognosen und somit gibt es ganz automatisch Risikoabschläge auf alle Solaraktien.
Mit ein Problem für den Kurs ist auch die Erwartungshaltung, dass der Hochpunkt der Branchenzyklik der Solarmaschinenbauer, vor allem bei den Zellfertigungslinien, eventuell schon im Sommer/Herbst diesem Jahres erreicht sein wird. Wobei ich das für noch nicht als abgemachte Sache halte, denn gerade bei der CIS-Dünnschicht könnte sich in den nächsten zwei Jahre verdammt viel tun und in diesem Bereich ist Roth & Rau recht gut positioniert.
An den Gewinnmargen mit einer EBIT-Marge so um die 7% muss Roth & Rau noch hart arbeiten, aber das ist mit einem Jahresumsatz von um die 300 Mio. € nicht so einfach, weil schlicht und schweige größere Skaleneffekte in der Produktion, beim Einkauf und auch beim Vertrieb fehlen und zudem regelmäßig mehr oder weniger hohe Einführungskosten für neue Produkte entstehen. Das heißt aber auch, dass gerade die kleineren Solarmaschinenbauer wie Roth & Rau an Zukäufen wohl nicht vorbei kommen werden um konkurrenzfähig zu bleiben und diese Zukäufe bringen dann leider den negativen Effekt einer Kapitalerhöhung mit. Manz beispielsweise hat im Dezember schon vorsichtig angekündigt, dass man in diesem Jahr wohl eine Kapitalerhöhung durchziehen wird.