NEUER MARKT: 80 % vor dem Aus?


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NEUER MARKT: 80 % vor dem Aus?

 
28.04.02 09:51
Der Neue Markt kommt aus der Krise nicht mehr heraus: Die Deutsche Börse versucht zu retten, was zu retten ist    
 
Zu russischen, koreanischen, sogar indonesischen Aktien haben die Investoren inzwischen mehr Vertrauen. Am deutschen Neuen Markt hingegen tummeln sich die Glücksritter, Zocker, Daytrader und Leerverkäufer. Frisierte Bilanzen, betrügerische Vorstände, blinde Wirtschaftsprüfer, Insolvenzen: Kaum eine Woche vergeht ohne einen neuen Skandal.

Von den ehemals 346 Unternehmen sind mittlerweile 26 in Konkurs, vier vom Markt geworfen, 18 haben freiwillig in ein anderes Segment gewechselt. Mehrere Vorstände sitzen hinter Gittern. Nur noch knapp neun Prozent der Aktien notieren über ihrem Ausgabepreis. Der gesamte Markt, also die versammelte deutsche New Economy, ist den Investoren nur noch 41 Milliarden Euro wert. Das ist in etwa soviel wie ein einziger Dax-Wert, beispielsweise Eon.

Die Deutsche Börse, Betreiberin des Neuen Marktes, versucht verzweifelt zu retten, was zu retten ist. Jüngster Schritt: Wer künftig an den Neuen Markt will, muss im Emissionsprospekt für Klarheit sorgen. So verlangt der neue Kapitalmarktkodex eine konkretere Darstellung der Risiken eines Investments - und das in allgemein verständlicher Sprache. Der Vorstand muss zudem künftig Geschäftsbeziehungen mit nahen Verwandten offen legen, ebenso wie Verurteilungen oder Strafen wegen Betrugs, Bilanzfälschung oder Insidergeschäften. Man wolle damit Missbrauch bei Börsengängen verhindern und Schadenersatzansprüche erleichtern, so der für den Neuen Markt zuständige Börsenvorstand Rainer Riess.

Rückzieher bei Pennystocks

Bei ihrem Bemühen, schwarze Schafe und Dauerverlierer auszusortieren und so das Image des Finanzplatzes wieder zu verbessern, musste die Deutsche Börse hingegen gerade eine herbe Niederlage einstecken. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat rechtskräftig verboten, Billigaktien vom Markt zu werfen. Der Hintergrund: Bereits seit Oktober 2001 erlaubte ein neues Regelwerk den Ausschluss von Aktien, die an 30 aufeinander folgenden Börsentagen unter einem Euro notieren und an der Börse weniger als 20 Millionen Euro wert sind. Das Gericht urteilte nun, ein Vertrag zwischen der Börse und einem gelisteten Unternehmen könne nicht einseitig verändert werden. Die Deutsche Börse setzte daraufhin das Pennystock-Regelwerk aus. Die Kläger, darunter Letsbuyit.com, Infogenie, GfN, e-multi und NSE, dürfen an Europas größtem Markt für "Wachstumswerte" bleiben. Dabei ist etwa der Börsenwert von GfN, einem Unternehmen, das Firmenschulungen und Seminare im Netzwerkbereich vermarktet, inzwischen auf 1,95 Millionen Euro geschrumpft. Und die Aktien von Letsbuyit.com, bei dem der inzwischen verhaftete mutmaßliche Hochstapler Kim Schmitz seine Hände im Spiel hatte, sind weiter zu haben - für aktuell 0,016 Euro pro Stück.

"Der Neue Markt bleibt damit weiter am offenen Grab stehen", bedauert ein Fondsmanager, der ungenannt bleiben will. Das Segment sei inzwischen praktisch tabu. Auch das Bankhaus Oppenheim kündigte unlängst an, seinen Fonds Oppenheim Neue Märkte im Mai zu schließen.

Gerüchten zufolge sollen sich in den letzten zehn Handelstagen vor allem US-Hedgefonds und angelsächsische Anleger aus dem Neuen Markt verabschiedet haben. Dabei seien ohne Rücksicht auf die Güte des Unternehmens sämtliche Positionen geräumt worden, hieß es. Leerverkäufer seien auf den Zug aufgesprungen, hätten geliehene Aktien in größeren Paketen verkauft und die Abwärtsspirale damit weiter beschleunigt.

In diesen Strudel geriet zum Beispiel auch Thiel Logistik, ein Unternehmen, das bisher noch als seriöse Adresse galt. Binnen weniger Stunden sackte der Kurs des Luxemburger Unternehmens am vergangenen Montag um gut 40 Prozent auf weniger als sieben Euro ab. Es gebe Wertberichtigungsbedarf in der Bilanz, wurde kolportiert. Nach einem scharfen Dementi des Vorstands und der Ankündigung, das Unternehmen werde angesichts des niedrigen Kurses bis zu zehn Prozent der Aktien zurückkaufen, erholte sich der Kurs zwar wieder, stürzte an den Folgetagen jedoch erneut ab.

Zu viele Gewinner entzaubert

Selbst renommierte Fondsmanager rätseln: Handelt es sich nur um Gerüchte, die Zocker oder Konkurrenten gestreut haben, oder steckt doch ein Körnchen Wahrheit drin? Die Nervosität wächst. Am Neuen Markt seien schon zu viele Gewinner entzaubert worden, heißt es bei den Profis.

Den traurigen Höhepunkt setzte bislang Comroad, ein Hersteller von Telematik-Systemen. Comroad-Chef Bodo Schnabel hat offenbar Umsätze schlicht erfunden. Geschäftskontakte nach Asien existierten nur in Schnabels getürkten Papieren. Die Wirtschafts-Prüfungs-Gesellschaft KPMG, die seit Jahren die Comroad-Bilanzen prüft, ließ sich täuschen oder fragte nicht nach. "So etwas Krasses haben wir noch nie erlebt", kommentierten die Aktionärsschützer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Im Fall Comroad machte die Börse kurzen Prozess: Das Unternehmen, das noch 2001 den "Award of excellence" erhielt, wurde an den Geregelten Markt strafversetzt. KPMG will nun alle 36 am Neuen Markt bereits überprüften Firmen nochmals unter die Lupe nehmen.

Vielen anderen Unternehmen steht das Wasser bis zum Hals, weil die Banken bei der Kreditvergabe am Neuen Markt inzwischen immer knauseriger werden. Ohne positiven Cash-Flow klopft der Konkursrichter schnell an der Haustür, wie zuletzt beim Hardware-Anbieter Elsa und dem Thüringer Baudienstleister Mühl.

Christian Strenger, Mitglied der Börsensachverständigen-Kommission des Bundestages, sieht auch die Banken in der Pflicht: "Die Institute sollen bei den Unternehmen, die sie selbst an die Börse gebracht haben, intensiv nach faulen Eiern suchen." Allein werde es die Deutsche Börse nicht schaffen, das Gossen-Image des Neuen Marktes wieder zu verbessern. Auch die Rufe nach dem Gesetzgeber werden lauter: Der Staat müsse die rechtlichen Grundlagen für Schadenersatzforderungen deutlich verbessern und damit die Hemmschwelle für Betrügereien nach oben setzen.

Wassili Papas bleibt skeptisch: "Es werden noch viele Engel vom Himmel fallen", befürchet der Fondsmanager bei Union Investment. Papas rechnet mit 50, vielleicht sogar 100 weiteren Fällen von Bankrott und Betrug. Die US-Investmentbank Morgan Stanley sieht noch schwärzer: 80 Prozent der Unternehmen am Neuen Markt überleben nach Meinung der Banker nicht.  
 
Gruß    
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ruhrpottzocker:

Wassili Papas sieht schwarz ? Ja - hat man dem

 
28.04.02 09:55
jetzt Zeitungen geschenkt, denen er entnommen hat, was längst so abgelaufen ist ?

Der gehört auch zu denjenigen, die nicht einmal eine Uhr richtig analysieren können !  
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@RZ: 1 x gut analysiert ;-))

 
28.04.02 09:59
 
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sbroker:

@happy end

 
28.04.02 10:05
danke für diesen arktikel! einmal grün...
sehr informativ!
danke
sbroker
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Happy End:

...und hier:

 
28.04.02 10:08
...die Quelle: www2.tagesspiegel.de/archiv/2002/04/27/ak-wi-un-4418297.html

Sorry - hatte ich vergessen...
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Das Messie-Syndrom an der Börse

 
28.04.02 10:14
Tinitus kann auf der In-Out-Liste menschlicher Schicksale nur noch vom Messie-Syndrom getoppt werden. Messie darf sich nennen, wer Chaos veranstaltet, um darin Halt zu finden. Der Übergang von Splin zu Macke und weiter zur Krankheit ist fließend, so dass wir uns fragen können: Steckt nicht in jedem von uns ein Stück Messie?

Messies haben Trennungsängste in einer Umgebung, in der sich so schnell so viel verändert. Anfällig für diese Sammelwut sind deshalb besonders Menschen, die einem permanenten Wechsel unterworfen sind wie Computerfachleute, Börsenmakler und Sozialbetreuer, die dafür bezahlt werden, für andere den Mülleimer zu spielen.

Gif´s, wav´s, exe, temp. und weiterer Unrat auf der Festplatte - für viele Besitzer eines Computers ein ganz normaler Zustand. Wer gehofft hat, Computer würden Wohnungen von vollgeschriebenen , alten Zeitungen, Katalogen und Schuhkartons mit alten Fotos befreien, ist enttäuscht worden. Schlimmer noch: Eigentlich ist fast jeder, der einen Computer hat ein verkappter Messie. Er läßt zum Fenster grundsätzlich mehr herein, als er durch das Windows entsorgt. Es ist letztlich nur eine Frage der Zeit, bis sich hinter dem, was sich Ordner nennt und Ordnung verspricht, nur noch Chaos verbirgt. Datenmüll stinkt zwar nicht, ihn zu entsorgen, bereitet den meisten - zumindest am eigenen Computer - fast körperliche Schmerzen. Für den finalen Befehl format C: holt man sich gerne Hilfe und Beistand von außen.

LetsBuyIt.com (938006), ComROAD (544940), Gigabell und weiterer Unrat im Depot - für viele Börsianer ein ganz normaler Zustand: Der Kurssturz der letzten beiden Jahre führte bei einigen zu Ohrensausen, weil sie den Befehl Format C: zu spät in ihr Depot eingegeben haben.

Trost für Privatanleger: Sogar die Deutsche Börse ist jetzt per richterlichem Dekret zum Messie-Syndrom verdammt worden. Sie darf am Neuen Markt nicht ausmisten und muß weiterhin Unternehmen wie NSE, LetsBuyIt, InfoGenie, Emulti, GfN und Wizcom dulden.

Zu viele Messies sind des Müllmanns Tod: Messies, die sich von ihrem Müll bzw ihren Rohstoffen nicht trennen können, haben jetzt zum Bankrott der Entsorgungsfirma Sero (723040) beigetragen. Das Unternehmen, entstanden aus den 16 Betrieben des DDR-Kombinats Sekundärrohstoffe (Se-Ro), mußte jetzt, erdrückt von Altlasten, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz anmelden. Die Aktie des im März 1995 an die Börse gestürmten Unternehmens hatte 1998 zu Spitzenzeiten einen Wert von mehr als 30 Euro und hat jetzt nur noch den Gegenwert von etwas mehr als einer Bild-Zeitung, nämlich ganze 0,44 Euro. Sero auf dem Weg eben zu Zero...

boersenreport.de
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f8169:

Ausmisten....

 
28.04.02 10:41
Hallo Happy!

Mach dir mal keine Sorgen, am Ende mistet sich der Neue Markt von ganz alleine aus!
Firmen mit faulen Bilanzen und Korupten Vorständen werden verschwinden!
Bleibt nur die Frage, wie lange es dauert.

ciao
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volvic:

Wo ist das Problem?

 
28.04.02 10:47
Ich meide Penny-Stocks schon seit über 18 Monaten. Wer Skandal-Stocks kauft, der sollte wissen was er tut und nachher nicht mosern.

Ich halte die Diskussion über LBC und co. für überflüssig. Diese Stocks sind doch nur ein Sündenbock. Der NM50 Index aber auch der NM-All-Index wird nämlich nicht von diesen Aktien gemacht. Der NM ist doch deswegen in den letzten Monaten weiter miserabel gelaufen, weil die BIG-Stocks scheisse gelaufen sind. T-Online, B-Carie, Broadvision, Intershop etc. machens doch richtig FETT.
Schlimm sind auch so Fälle wie Comroad (wobei ich die schon sehr sehr lange auf meiner black-list hatte, viel gelesen, nix gewusst nee, aber geahnt). Oder auch D.Logistics. Gerade solche Werte mit einer grossen Marktkapitalisierung, einem ordentlichem Ruf und dann so einem Absturz ruinieren den Markt. Die Heyde AG vielleicht noch zu nennen. Die gehörten auch mal zu den grossen und SERIÖSEN!!!! Kann man ja gar nicht mit Brokat und Pixelpark vergleichen. Da wurden schon immer Verluste gemacht, wer die gekauft hatte hat wenigstens wissen können was er tut.
Aber bei den anderen?

Zurück zu den Penny-Stockss, NSE, etc.

Ob die jetzt aus dem Markt geschmissen werden oder nicht, ihr Einfluss auf den Index liegt bei unter 5%. Das bedeutet der negative Effekt kommt wenn, dann nur über die Psyche. Wobei ich wie schon oben angedeutet sagen muss: Wen kümmert das wirklich??? Bei mir zuckts schon lange nicht mehr, wenn eine kleine NM-Bude mit Markt-Cap unter 20 Mio. pleite geht. Ganz normal. Deswegen kauf ich trotzdem weiter NM-Shares (Aixtron und co.). Aber wenn bei einem von den grossen es kracht, dann macht das auch mir Angst. Comroad hatte ich nie, aber sowas haut in den ganzen Markt rein. Und die IPC-Sache fand ich auch nicht so lustig. Fehlt nur noch das bei Thiel und Teleplan auch was im Busch ist. Im Moment hoffe ich noch bei denen ist es 90% das negative Umfeld das den Kurs drückt. Aber so ganz glauben kann ich das auch nicht

volvic
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Gütesiegel gegen Schrottbuden

 
28.04.02 12:40
Banken sollten nach Ansicht des Softwareunternehmers August-Wilhelm Scheer Gütesiegel für seriöse Aktien am Neuen Markt einführen. Der Gründer des am Neuen Markt notierten Softwareanbieters IDS Scheer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, anhand dieses Prüfsiegels sollten Anleger „seriöse Werte von Schrottbuden unterscheiden können“. Als mögliche Indikatoren für die Prüfung nennt er „Offenheit, Solidität der Finanzdaten, Pünktlichkeit der Veröffentlichungen“.

Nach der Skandalserie um gefälschte und erfundene Zahlen hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angekündigt, alle 36 von ihr kontrollierten Neue-Markt-Firmen erneut unter die Lupe zu nehmen. „Wir lassen es uns als profitables Unternehmen nicht länger gefallen, mit dieser dubiosen Szene in einen Topf geworfen zu werden“, sagte Scheer. Wenn bis zum Jahresende nichts geschehe, „überlegen wir ernsthaft, uns aus dem Neuen Markt zurückzuziehen“.

IDS Scheer konnte im ersten Quartal dieses Jahres das Vorsteuerergebnis (EBIT) im Vergleich zum Vorjahr um 73 Prozent auf 3,2 Millionen Euro steigern, den Umsatz um 15 Prozent auf 41 Millionen Euro.

focus.de
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NeutralMensch:

ich hatte doch Recht gehabt!

 
28.04.02 13:01
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