Nach Berichten aus der CDU-Parteizentrale ist Helmut Kohl seit Montagmorgen unauffindbar. Wie ein CDU-Sprecher gestern bei einer Pressekonferenz in Berlin erklärte, halte sich der Exkanzler weder in Oggersheim noch in seiner Berliner Wohnung auf. Aus CDU-nahen Kreisen verlautete, dass Kohl sofort nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse überstürzt das Land verlassen habe. Hauptgrund für die Flucht sei sowohl der Wahlerfolg der Grünen als auch der überraschende Sieg von Christian Ströbele, der erstmals in Berlin-Kreuzberg ein Direktmandat für die Grünen gewonnen hat. Offenbar rechne Kohl mit einem zusätzlichen Kabinettsposten für die Grünen, dies könnte das Justizministerium sein, hieß es. Aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Herta Däubler-Gmelins, die der künftigen Regierung nicht mehr angehören wird, ist zumindest nach Kohls Ansicht Christian Ströbele, der zugleich einer der erbittertsten Widersacher Kohls in der Spendenaffäre war. Vermutlich befürchtet Helmut Kohl, nach Amtsantritt Ströbeles verhaftet zu werden.
taz
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