Wer nel heute noch mit der großen Zukunft des Wasserstoffautos begründet, sollte sich die Entwicklung der letzten zehn Jahre ansehen. Für mich ist dieses Rennen im Pkw Bereich praktisch entschieden. Nicht weil Brennstoffzellen technisch nicht funktionieren, sondern weil die Alternative längst wirtschaftlich und infrastrukturell davongezogen ist.
2025 wurden weltweit mehr als 20 Millionen Elektroautos verkauft. Damit war bereits rund jedes vierte verkaufte Auto elektrisch. Die IEA beschreibt inzwischen einen globalen Massenmarkt für batterieelektrische Fahrzeuge. Wasserstoff Pkw spielen dagegen selbst in den Statistiken kaum noch eine wahrnehmbare Rolle.
Besonders deutlich wird das in Europa. Allein in der EU wurden 2025 rund 1,88 Millionen reine Batterieautos neu zugelassen. Marktanteil 17,4 Prozent. Gleichzeitig stellt die Gemeinsame Forschungsstelle der EU fest, dass das Wachstum der Brennstoffzellen Pkw in Europa praktisch zum Stillstand gekommen ist. Nach starkem Wachstum in früheren Jahren waren die Zulassungen 2023 nahezu unverändert und legten 2024 nur noch rund 7 Prozent zu.
Das Grundproblem lässt sich auch nicht einfach mit mehr Förderung lösen. Für ein Batterieauto wird Strom geladen und anschließend im Elektromotor genutzt. Beim Wasserstoffauto muss Strom zunächst zur Herstellung von Wasserstoff eingesetzt werden. Danach muss dieser Wasserstoff aufbereitet, komprimiert, transportiert und gespeichert werden. Im Fahrzeug wird daraus über eine Brennstoffzelle wieder Strom erzeugt. Man baut also eine zusätzliche Energieumwandlung und eine komplett neue Versorgungsinfrastruktur zwischen Kraftwerk und Elektromotor ein. Genau diese zusätzliche Komplexität muss am Ende jemand bezahlen.
Und während beim Elektroauto inzwischen praktisch überall Ladeinfrastruktur aufgebaut wird, passiert beim Wasserstoff Pkw teilweise das Gegenteil. H2 Mobility kündigte in Deutschland die Stilllegung älterer 700 bar Tankstellen an, die ursprünglich speziell für Pkw errichtet worden waren. Der Betreiber richtet seine Investitionen zunehmend auf Nutzfahrzeuge aus. Anfang 2026 gab es in Deutschland nur noch rund 50 öffentlich zugängliche Wasserstofftankstellen, gegenüber mehr als 80 zwei Jahre zuvor.
Noch deutlicher war die Entwicklung in Kalifornien, einem der wichtigsten Versuchsmärkte für Wasserstoffautos. Shell zog sich aus dem Tankstellengeschäft für leichte Brennstoffzellenfahrzeuge zurück und schloss seine entsprechenden Stationen. Kalifornien hatte jahrelang enorme politische und finanzielle Unterstützung in diese Technologie gesteckt. Trotzdem waren 2024 dort nur rund 16.900 Wasserstofffahrzeuge registriert, gegenüber mehr als 1,5 Millionen batterieelektrischen Fahrzeugen.
Das vielleicht Interessanteste für Nel Aktionäre wird dabei gerne vergessen. Nel selbst hat sein Tankstellengeschäft bereits 2024 abgespalten. Die frühere Fueling Sparte wurde als Cavendish Hydrogen separat an die Börse gebracht. Nel bezeichnet sich seitdem ausdrücklich als reines Elektrolyseunternehmen. Wer also heute Wasserstoffautos als Argument für den Kauf von Nel Aktien verwendet, argumentiert mit einem Geschäftsfeld, das überhaupt nicht mehr zu Nel gehört.
Natürlich könnte nel theoretisch davon profitieren, wenn irgendwann große Mengen grünen Wasserstoffs für den Verkehrssektor produziert werden. Aber selbst dort verschiebt sich die Hoffnung zunehmend weg vom normalen Pkw und hin zu Lkw, Bussen und anderen Anwendungen. Und selbst bei schweren Nutzfahrzeugen ist keineswegs entschieden, dass Wasserstoff gegen Batterieantriebe gewinnen wird.
Das eigentliche nel Problem ist deshalb viel größer als die Frage nach Wasserstoffautos. Der Konzern muss beweisen, dass mit Elektrolyseuren dauerhaft Geld verdient werden kann. Die aktuellen Zahlen liefern dafür weiterhin keinen Beweis. Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz aus Kundenverträgen gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent auf 153 Millionen NOK. Das EBITDA lag bei minus 155 Millionen NOK und der Nettoverlust bei 189 Millionen NOK. Der Auftragsbestand lag mit 1,213 Milliarden NOK trotz der jüngsten Verbesserung noch 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Bargeldbestand sank innerhalb eines Jahres von 1,928 Milliarden auf 1,328 Milliarden NOK.
Das ist für mich der entscheidende Punkt. Seit Jahren hört man vom kommenden wasserstoffhochlauf. Währenddessen wurden Batterieautos zum Massenprodukt, Ladeinfrastruktur wird weltweit aufgebaut und selbst Betreiber von wasserstofftankstellen ziehen sich aus dem Pkw Markt zurück oder konzentrieren sich auf Nutzfahrzeuge.
wasserstoff wird deshalb nicht verschwinden. Für Raffinerien, Chemie, Stahl, Ammoniak und möglicherweise bestimmte Bereiche des Schwerverkehrs kann er vielleicht wichtig werden. Aber daraus abzuleiten, dass irgendwann Millionen wasserstoffautos herumfahren und nel automatisch zu den großen Gewinnern gehört, halte ich inzwischen für eine Geschichte aus einer anderen Zeit.
Beim Pkw hat die Batterie einen Vorsprung aufgebaut, den wasserstoff meiner Ansicht nach nicht mehr einholen wird. Und für nel bedeutet das, dass eine der früher häufig genannten großen wasserstoffvisionen als Investmentargument praktisch gestrichen werden kann.
Quellen
IEA Global EV Outlook 2026
www.iea.org/reports/...v-outlook-2026/trends-in-electric-cars
ACEA Neuzulassungen 2025
www.acea.auto/pc-registrations/...electric-17-4-market-share/
EU Joint Research Centre zur Brennstoffzellentechnologie
publications.jrc.ec.europa.eu/repository/.../JRC144322_01.pdf
US Department of Energy Alternative Fuels Data Center
afdc.energy.gov/states/CA
H2 Mobility zur Stilllegung von Pkw Tankstellen
h2.live/en/news/3680/
Nel zur Abspaltung der Fueling Sparte
nelhydrogen.com/press-release/...icated-electrolyser-company/
Nel Q2 2026
nelhydrogen.com/press-release/...rter-2026-financial-results/
IEA Global EV Data Explorer
www.iea.org/data-and-statistics/...ls/global-ev-data-explorer