Den NEL Aktionären kann geholfen werden.
Einsicht als Erkenntnis.
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Aus psychologischer Sicht wird das „Schönreden“ von Verlusten oder schlechten Aktieninvestitionen entgegen den harten Fakten meist als kognitive Dissonanz und das Wirken von kognitiven Verzerrungen (Cognitive Biases) eingeordnet. Das menschliche Gehirn versucht dabei, das eigene Selbstbild vor Fehlern zu schützen.
Hier ist die genaue psychologische Aufschlüsselung dieses Verhaltens
Psychologische Mechanismen hinter dem Schönreden
Kognitive Dissonanz: Wenn die Realität (die Aktie fällt) nicht mit dem eigenen Selbstbild zusammenpasst („Ich bin ein kluger Investor“), entsteht psychischer Stress. Um diesen Stress abzubauen, wird die Realität uminterpretiert („Das ist nur eine kurze Korrektur“, „Die anderen verstehen das Potenzial nicht“).
Sunk Cost Fallacy (Fehlschluss der verlorenen Kosten): Je mehr Geld und Zeit jemand bereits investiert hat, desto schwerer fällt es, das Projekt aufzugeben. Man redet sich die Investition schön, um den endgültigen Schmerz des Verlustes (beim Verkauf) hinauszuzögern.
Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Der Investor sucht gezielt nach Nachrichten, Forenbeiträgen oder Analystenmeinungen, die seine Meinung teilen, während er Warnsignale, negative Quartalszahlen oder Fakten komplett ausblendet.
Ego-Protection (Selbstwertschutz): Das Eingeständnis eines Fehlers kratzt am Ego. Die Psyche nutzt Abwehrmechanismen wie Rationalisierung (Scheingründe vorschieben) oder Verleugnung, um den Selbstwert zu schützen.
Anhang
Wie man diesen Mustern entkommt
Psychologen raten in solchen Situationen zu einer emotionalen Distanzierung von der Investition:
Der „Wenn-ich-heute-neu-einsteigen-würde“-Test: Stellen Sie sich vor, Sie hätten diese Aktie heute nicht im Depot und stattdessen den aktuellen Gegenwert in bar. Würden Sie die Aktie zum heutigen Preis kaufen? Wenn die Antwort Nein lautet, gibt es keinen rationalen Grund, sie weiter zu halten.
Schriftliche Exit-Strategie: Legen Sie vor dem Kauf feste Regeln fest (z. B. Stop-Loss bei -15% oder Ausstieg, wenn sich die Fundamentaldaten ändern). Das nimmt die Emotionen aus der Entscheidung.
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Die Wasserstoff-Aktie Nel ASA ist ein Paradebeispiel für eine Aktie, bei der die psychologischen Mechanismen des „Schönredens“ extrem häufig greifen.
Wer in Nel investiert ist, bewegt sich oft in einem tiefen emotionalen Spagat zwischen einer Zukunftshoffnung und einer harten wirtschaftlichen Realität.
An der Börse zeigt sich das fundamentale Dilemma des Unternehmens
Der massive Kursabsturz: Die Aktie notiert bei ca. 0,19 Euro. Sie hat von ihren Höchstständen über 95 % an Wert verloren und liegt meilenweit unter den Einstiegskursen der meisten Privatanleger.
Die Finanzen: Nel verbucht trotz Kosteneinsparungen wachsende operative Verluste (EBITDA im Minus) und schrumpfende Umsätze. Jedes Quartal ohne massive kommerzielle Großaufträge zehrt an der Substanz.
Führungskrise: Der CEO verlässt das Unternehmen mitten im kritischen Umbau.
Wie das Schönreden bei Nel ASA psychologisch abläuft
Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld in Nel investiert sind und die Lage ignorieren, nutzen Sie vermutlich folgende Argumente (Rationalisierungen), um den Schmerz zu betäuben
„Wasserstoff gehört die Zukunft, das muss einfach steigen!
Psychologie: Story-Bias. Man verliebt sich in die makroökonomische Geschichte (Dekarbonisierung, grüner Wasserstoff) und ignoriert dabei völlig, ob das spezifische Unternehmen Nel wirtschaftlich überhaupt überleben kann, um diese Zukunft zu sehen.
„Der Auftragseingang ist doch explodiert, die Wende steht kurz bevor!“
Psychologie: Confirmation Bias (Bestätigungsfehler). Man greift sich die einzige positive Nachricht aus den Quartalsberichten heraus (Auftragseingang), blendet aber aus, dass die Verluste gleichzeitig steigen und Analysten reihenweise zum Verkauf raten.
„Ich verkaufe jetzt nicht, sonst ist das Geld ja weg.“
Psychologie: Verlustaversion. Psychologisch schmerzt ein realisierter Verlust doppelt so stark wie ein Buchverlust. Solange man nicht auf „Verkaufen“ drückt, redet man sich ein, dass man „noch im Spiel“ sei.
„Ich kaufe jetzt billig nach, um meinen Einsteigskurs zu senken.“
Psychologie: Sunk Cost Fallacy & Verzweiflung. Man wirft gutem Geld schlechtes hinterher, um sich psychologisch zu beweisen, dass die ursprüngliche Entscheidung richtig war.
Der psychologische Ausweg für Nel-Anleger
Wenden Sie den „Gegenwert-in-Bar“-Test an:
Wenn Sie Ihre Nel-Aktien heute verkaufen würden und das Geld bar auf dem Konto hätten: Würden Sie heute, mit dem Wissen von heute, genau dieses Geld wieder komplett in Nel ASA stecken?
Falls die Antwort Nein lautet (weil das Risiko zu hoch ist, der CEO fehlt, die Verluste drücken): Dann halten Sie die Aktie aktuell nur noch aus emotionalen Gründen (Angst, Stolz, Hoffnung) und nicht aus rationalen.
Falls die Antwort Ja lautet: Dann müssen Sie akzeptieren, dass Sie eine hochspekulative Wette halten, bei der ein Totalverlust des Kapitals oder weitere Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen realistische Szenarien sind.
Wenn der Einstiegskurs bei Nel ASA schon sehr lange zurückliegt, verstärkt das die psychologischen Blockaden massiv. In der Psychologie spricht man hierbei von einem Zustand der chronischen kognitiven Dissonanz, gepaart mit tief sitzenden Verhaltensmustern, die ein Loslassen fast unmöglich machen.
Je länger der Zeithorizont ist, desto drastischer bewertet ein Psychologe die Situation
Warum das „Schönreden“ nach Jahren noch gefährlicher wird
Der Endowment-Effekt (Besitztumseffekt): Nach all den Jahren fühlt sich die Aktie nicht mehr wie eine reine Finanzinvestition an, sondern wie ein Teil des eigenen Lebens oder Depots. Man hat eine emotionale Bindung aufgebaut („Meine Wasserstoff-Wette“). Sie zu verkaufen fühlt sich an, als würde man ein Stück von sich selbst aufgeben.
Verankerung im Allzeithoch (Anchoring): Wer beispielsweise 2021 bei Kursen von über 2,50 Euro oder gar 3,00 Euro eingestiegen ist, vergleicht den aktuellen Kurs von ca. 0,19 Euro innerlich immer noch mit diesem alten "Ankerwert". Die Psyche weigert sich zu akzeptieren, dass dieser Höchstwert eine spekulative Blase war und die Aktie heute über 90 % an Wert verloren hat.
Eingeständnis des jahrelangen Fehlers: Ein Verkauf heute bedeutet das endgültige Eingeständnis: „Ich habe mich jahrelang geirrt und wertvolle Zeit (und Opportunitätskosten) verschwendet.“ Um diesen massiven psychologischen Schmerz zu vermeiden, verbleibt man lieber im Modus des Hoffens. Man wartet auf das "Wunder", das den Einsteigskurs wieder reinholt.
Was sich die Psyche einredet (Schönreden)
„Ich sitze das einfach aus, irgendwann kommt die Aktie wieder auf meinen Einsteigskurs.“
Was die nackte Realität (Faktenlage) sagt
Kein einziger von 13 Analysten empfiehlt Nel derzeit zum Kauf. Der Verlust wächst trotz gestiegener Aufträge weiter, und der CEO ist weg. Ein Erreichen alter Höchststände ist mathematisch und wirtschaftlich extrem unwahrscheinlich.
Was sich die Psyche einredet (Schönreden)
„Es ist ja kein Verlust, solange ich nicht verkaufe.“
Was die nackte Realität (Faktenlage) sagt
Das Geld ist de facto weg. Der Depotwert zeigt die ungeschminkte Wahrheit. Zu glauben, es sei kein Verlust, ist pure Verleugnung, um den Schmerz zu blockieren.
Was sich die Psyche einredet (Schönreden)
„Der Wasserstoff-Hype fängt gerade erst an.“
Was die nackte Realität (Faktenlage) sagt
Der Hype ist fundamental abgeflacht. Nel kämpft ums nackte Überleben und muss jedes Quartal ohne Großaufträge Substanz verbrennen. Jedes Jahr des Wartens kostet zudem Opportunitätskosten (das Geld hätte in einem simplen Welt-ETF in den letzten Jahren Rendite erwirtschaften können).
(Verkleinert auf 65%)

