Investor, danke für die immer guten und gut belegten Infos, die du hier der nel-Community zur Verfügung stellst!
Und ja, wir sind völlig bei dir, wobei der Vergleich von SFC Energy mit nel inzwischen fast schon unfair gegenüber SFC ist. ;-)
SFC zeigt nämlich ziemlich eindrucksvoll, wie ein Unternehmen in diesem Sektor aufgestellt sein kann, wenn Strategie, Diversifizierung und Profitabilität zusammenkommen. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte SFC 82,4 Mio. € Umsatz, ein bereinigtes EBITDA von 18,4 Mio. € und eine bereinigte EBITDA-Marge von stolzen 22,4%. Dazu kommt ein Auftragsbestand von knapp 105 Mio. €. Das ist reales, profitables Geschäft – keine jahrelange Hoffnung auf den irgendwann kommenden Break-even.
Und SFC hängt eben nicht ausschließlich am Erfolg großer Elektrolyseurprojekte. Das Unternehmen ist mit seinen Brennstoffzellen- und Power-Management-Lösungen unter anderem in Industrie, kritischer Infrastruktur sowie im Sicherheits- und Verteidigungsbereich unterwegs. Gerade diese breitere Aufstellung macht einen gewaltigen Unterschied.
nel dagegen ist wesentlich stärker vom Elektrolyseurmarkt abhängig, einem Markt, in dem Projekte seit Jahren verschoben oder gestrichen werden. 2025 fiel der Umsatz von nel sogar um 31% auf 963 Mio. NOK. Das EBITDA lag bei minus 275 Mio. NOK, der Auftragsbestand sank um 18% auf 1,319 Mrd. NOK. nel schreibt im eigenen Geschäftsbericht selbst, dass steigende Umsätze notwendig sind, um Profitabilität zu erreichen.
Und als ob das noch nicht genug wäre, sitzt nel gleichzeitig eine immer stärkere chinesische Konkurrenz im Nacken.
China ist längst nicht mehr irgendein billiger Außenseiter im Elektrolyseurgeschäft. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) entfallen inzwischen fast 60% der weltweiten Produktionskapazitäten für Elektrolyseure auf China. Bei der weltweit installierten Elektrolyseleistung und den Projekten mit endgültiger Investitionsentscheidung kommt China sogar auf rund 65%. Allein die chinesische Produktionskapazität lag zuletzt bei etwa 20 GW pro Jahr.
Noch interessanter wird es bei den Kosten, die IEA bezifferte 2024 die Kosten für Herstellung und Installation von Elektrolyseuren außerhalb Chinas auf etwa 2.000–2.600 US-Dollar/kW. Bei in China produzierten UND dort installierten Anlagen waren es dagegen nur etwa 600–1.200 US-Dollar/kW.
Das ist ein gewaltiger Unterschied, den sich jeder merken sollte und erst dann sich fragen, warum der nel Aktienkurs noch nicht mal 20c schafft...
Und wer glaubt, chinesische Elektrolyseure seien deshalb technologisch grundsätzlich minderwertige Billigprodukte, sollte sich einmal die aktuellen Anlagen anschauen. LONGi bietet beispielsweise mit dem ALK Hi1 einen alkalischen Elektrolyseur mit 1.000 Nm³ Wasserstoff pro Stunde, einem Betriebsdruck von 1,6 MPa und einer angegebenen Wasserstoffreinheit von 99,999% an. Der Gleichstromverbrauch wird mit ≤4,0 kWh/Nm³ angegeben. Das sind inzwischen technische Daten, mit denen sich chinesische Hersteller international keineswegs verstecken müssen.
Die IEA zieht inzwischen selbst Parallelen zur Entwicklung bei Photovoltaik und Batterien, China verfügt über enorme Skaleneffekte, industrielle Lieferketten und eine massive heimische Produktionsbasis. 2025 verdoppelte sich die weltweit installierte Elektrolyseleistung auf mehr als 4 GW und China stand für fast drei Viertel der neu installierten Leistung.
Das ist für nel m. M. n. eines der größten langfristigen Probleme überhaupt, man muss nicht nur irgendwann profitabel werden, sondern gleichzeitig gegen chinesische Hersteller antreten, die bereits heute in ganz anderen Stückzahlen produzieren und einen erheblichen Kostenvorteil besitzen.
Deshalb hinkt für mich auch der ursprüngliche Vergleich gewaltig, SFC verdient inzwischen ordentlich Geld, verfügt über eine bereinigte EBITDA-Marge von über 22% und baut sein Geschäft strategisch weiter aus. nel dagegen kämpft noch immer darum, aus seinem Kerngeschäft überhaupt ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell zu machen und bekommt gleichzeitig immer stärkere Konkurrenz aus China.
M. M. n. spielen SFC und nel momentan schlicht in zwei ziemlich unterschiedlichen Gewichtsklassen. ;-)