Eine sehr berechtigte Frage!!!
Und ich muss ehrlich sagen, genau das finde ich inzwischen auch ziemlich bemerkenswert!
Am 15. Juni wurde Volldals Abgang bekannt gegeben. Der Vorstand teilte damals ausdrücklich mit, dass die Suche nach einem neuen CEO bereits eingeleitet worden sei. Inzwischen sind fast vier Monate vergangen und noch immer wurde kein Nachfolger präsentiert.
Und die Uhr tickt, Volldal hat sechs Monate Kündigungsfrist und wird nel zum Jahresende verlassen. Je länger die Suche dauert, desto kürzer wird die Zeit für eine vernünftige Übergabe und Einarbeitung.
Besonders interessant finde ich dabei, dass Volldal nicht etwa zu einem Konkurrenten wechselt, sondern nel und gleich die gesamte Branche verlässt. Natürlich kann niemand von außen wissen, was seine persönlichen Beweggründe waren. Aber das Timing darf man zumindest interessant finden. ;-)
Denn ein neuer CEO übernimmt hier wahrlich keinen Selbstläufer, im Q2 2026 erzielte nel lediglich 153io. NOK Umsatz aus Kundenverträgen, 12% weniger als im Vorjahr. Das EBITDA lag bei MINUS 155 Mio. NOK und der Nettoverlust bei 189Mio. NOK. Der Cashbestand sank innerhalb eines Jahres auch signifikativ.
Dazu kommt, dass nel bereits Anfang 2025 wegen der schwachen Nachfrage Personal abbauen und die Produktion alkalischer Elektrolyseure in Heroya vorübergehend stoppen musste. nel selbst begründete das damals mit einem schwächer als erwarteten Auftragseingang sowie verschobenen und teilweise von Stornierung bedrohten Kundenprojekten.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum die Suche nicht ganz so einfach ist. Ein wirklich gefragter Topmanager wird sich sehr genau überlegen, welchen Posten er übernimmt. Bei einem erfolgreichen Unternehmen kann er seine Bilanz weiter ausbauen. Bei einem Unternehmen mit jahrelangen Verlusten, schwacher Nachfrage und einem schwierigen Wasserstoffmarkt übernimmt er dagegen ein erhebliches persönliches Reputationsrisiko. Scheitert die erhoffte Wende, heißt es später schließlich schnell, „Unter CEO XY sind Umsatz, Cashbestand und Aktienkurs weiter gefallen.“
Ob das tatsächlich der Grund für die bisher erfolglose Suche ist, wissen wir natürlich nicht. Aber nach fast vier Monaten ohne präsentierten Nachfolger darf man zumindest die Frage stellen, wie attraktiv dieser CEO-Posten momentan für wirklich hochkarätige Kandidaten überhaupt ist.
Ob man das schon als „der Kapitän verlässt das sinkende Schiff“ bezeichnen möchte, überlasse ich jedem selbst. ;-)