Millionen Franzosen machen blau


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Millionen Franzosen machen blau

 
16.05.05 18:40

Millionen Franzosen machen blau
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16. Mai 2005 In Frankreich sind Millionen Beschäftigte trotz eines neuen Gesetzes, das den bislang freien Pfingstmontag zu einem normalen Arbeitstag macht, zu Hause geblieben.
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Nach Medienberichten folgte insgesamt rund die Hälfte der Arbeitnehmer entsprechenden Streikaufrufen der Gewerkschaften. Damit demonstrierten die Franzosen zwei Wochen vor dem Referendum über die EU-Verfassung der Regierung in Paris erneut ihre Unzufriedenheit.

Der öffentliche Dienst streikt

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Briefträger, Busfahrer und Lehrer gingen nicht zur Arbeit. In fast 90 Städten, darunter Bordeaux, Marseille, Lille und Straßburg, wurden die meisten Busse und Bahnen bestreikt. Auch viele Lehrer folgten dem Streikaufruf. Zahlreiche Eltern behielten ihre Kinder zu Hause. In Paris blieb das befürchtete Verkehrschaos aus. Züge und U-Bahnen verkehrten fast normal, ebenso wie Züge im übrigen Frankreich. Am Flughafen Orly kam es wegen eines Fluglotsenstreiks zu Verspätungen.

Seit Wochen hatte der Widerstand gegen den zusätzlich „verordneten Arbeitstag” zugenommen. Die französische Regierung hatte diesen „Solidaritätstag mit alten Menschen” im vergangenen Jahr von ihrer konservativen Mehrheit im Parlament verabschieden lassen. Die dadurch eingenommenen zwei Milliarden Euro sollen für eine verbesserte Altenpflege eingesetzt werden.

Gewerkschaften hingegen sprachen von „Zwangsarbeit” und warfen der Regierung vor, keinen Dialog mit den Sozialpartnern über diese Solidarmaßnahme geführt zu haben.

Der Arbeitskonflikt stärkt die EU-Verfassungsgegner

Nach Umfragen hat dieser Arbeitskonflikt das Lager der Gegner der EU-Verfassung gestärkt. Während in den letzten Wochen das Ja mehrheitsfähig wurde, ergab eine Umfrage der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche” wieder eine Mehrheit von 55 Prozent, die am 29. Mai mit Nein stimmen wollte.

Offen blieb, ob die französische Regierung, die um die Zustimmung beim Referendum über die EU-Verfassung in zwei Wochen fürchtet, an ihrem Projekt festhält. Die Ergebnisse dieses Tages würden in den kommenden Wochen überprüft, sagte Regierungssprecher Francois Copé dem Rundfunksender Europe 1. An dem Prinzip eines Solidaritätstages werde nicht gerüttelt, doch die Durchführung könnte geändert werden.

15.000 Alte starben bei der Hitzewelle

Auslöser des Solidaritätstages war die Hitzewelle vor zwei Jahren, als im Monat August 15.000 meist ältere Menschen starben. Damals, als noch kein konkreter Tag im Gespräch war, waren nach Umfragen noch 54 Prozent der Franzosen bereit, einen Feiertag zu opfern.

Auch in Deutschland wird die Abschaffung des Pfingstmontags als arbeitsfreier Feiertag diskutiert.

(Lesen Sie dazu auch: Unternehmer wollen Pfingstmontag arbeiten lassen)

In Spanien, Portugal, Italien oder Tschechien ist der Pfingstmontag dagegen kein Feiertag. In Polen, Litauen, Lettland und Estland wird an diesem Tag ebenfalls normal gearbeitet. Ein verlängertes Wochenende gibt es dagegen zu Pfingsten in Österreich, Belgien und den Niederlanden.


Text: dpa
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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