Meuterei im Irak


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Meuterei im Irak

 
20.10.04 18:41
von unserem Korrespondenten Bill Bonner, derzeit in London

*** Die britische Regenbogenpresse ist voll von dem üblichen Unterhaltungsartikeln:

Im "Daily Mail" gibt es zwei Seiten über "schöne Mütter", mit Fotos von Frauen, die vor kurzem ein Kind zur Welt gebracht haben. Wir sollen Liz Hurley bewundern, wie toll sie doch aussieht, 2 Monate nachdem sie einen Sohn zur Welt gebracht hat. Aber warum sollte sie nicht gut aussehen? Ich muss da etwas nicht mitbekommen haben.

Auf Seite 3 gab es eine andere sinnlose Geschichte. Ein reicher Mann plant, "ein Haus für 1,9 Millionen Dollar niederzureißen", so die Schlagzeile. Dann wird ein Foto dieses Hauses gezeigt – ein Gebäude im viktorianischen Stil. Und daneben eine Skizze des Hauses, das er stattdessen auf dieses Grundstück setzen möchte. Soweit ich sehen kann, plant er, ein hässliches Haus niederzureißen, um ein anderes hässliches Haus bauen zu können. Warum sollte mich das interessieren? Auch hier muss ich etwas nicht mitbekommen haben.

*** Und die französische Zeitung "Liberation" teilt uns mit, dass in Frankreich nun 300.000 Steuerzahler (darunter ich) Vermögenssteuer zahlen. Eine Steuer, die sich nicht auf das Einkommen, sondern auf das "Vermögen", das man hat, bezieht.

"Liberation" erklärt: Wenn man z.B. ein Vermögen von 20 Millionen Euro hätte, dann würde man jedes Jahr 290.520 Euro Vermögenssteuer zahlen müssen. Selbst wenn man in diesem Jahr Verluste machen würde.

Und die "Liberation" ist offensichtlich der Ansicht, dass man mehr zahlen sollte.

*** Eine andere Story in der "Liberation" deckt auf, dass im Irak 18 US-Soldaten "gemeutert" haben. Diese Story fand ich auch im Herald Tribune. Offensichtlich hatten sich diese Soldaten dazu entschieden, dass es zu gefährlich sei, einen Konvoi von Tanklastzügen zu begleiten; sie weigerten sich.

Warum wurden diese Soldaten nicht standrechtlich erschossen?

Ein Krieg sollte nur widerwillig begonnen, aber heldenhaft gekämpft werden. Mit anderen Worten: Ein gutes Land zieht nur dann in den Krieg, wenn es dazu gezwungen wird, aber dann kämpft es so, als ob es um Leben oder Tod geht – denn das tut es ja. Die Bush-Administration scheint den Weg rückwärts zu gehen: Sie stürzte in den Irakkrieg, aus Gründen, die sie immer noch nicht erklärt hat ... und jetzt kämpft sie so, als ob es ein vernachlässigbares Projekt wäre. Die Soldaten werden so behandelt, als ob sie in Gewerkschaften organisierte Arbeiter wären.

Als Marschall Schukow die russische Verteidigung von Stalingrad übernahm, da ließ er ein Regiment antraten, das schlecht gekämpft hatte. Er ließ jeden 10. Mann erschießen.

Letzte Nacht las ich ein Buch, das Briefe von französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg wiedergab. Einer schilderte, wie ein Angriff auf deutsche Schützengräben im Jahr 1915 ablief. Zunächst einmal wurde der Feind mit Artillerie "weich geschossen". Aber als die Kanonen aufhörten und die Franzosen nach vorne sahen, da sahen sie, dass der Stacheldraht immer noch unbeschädigt im Weg lag. Sowohl die Offiziere als auch die Männer wussten, dass es Selbstmord sein würde, so anzugreifen. Aber sie hatten ihre Befehle. Deshalb schrieben sie ihre Abschiedsbriefe im Bewusstsein, dass sie in den Tod rennen würden, sie setzten die Bajonette auf und begannen den Sturmangriff.

"Die Offiziere liefen voran", schrieb einer der wenigen Überlebenden. "Sie hatten meist einen Revolver in der Hand. Hinter jedem Offizier war eine Gruppe von 6 Soldaten, die große Zangen trugen, um den Stacheldraht zu durchschneiden. Und dann folgte der Rest der Infanterie. Wir schrieben alle 'Vorwärts. Für Frankreich!' und hatten schon die Hälfte des Weges hinter uns gebracht. Alles war ruhig. Dann erreichten die Offiziere den Stacheldraht. Unser Leutnant befahl seiner Gruppe, den Stacheldraht zu durchschneiden. Und dann wurde ihm in den Kopf geschossen. Plötzlich regnete es Kugeln. Auch die anderen Offiziere wurden getroffen. Und dann der Rest der Truppen. Innerhalb von wenigen Minuten lagen alle am Boden. Die meisten waren tot. Einige von uns waren nur verwundet. Aber die deutschen Maschinengewehre zielten auch auf den Boden, so dass die auf dem Boden Liegenden immer und immer wieder getroffen wurden. Ich schaffte es, ein bisschen Erde vor meinen Kopf zu schieben ..."

Gute Männer wie diese sind der Schatz einer Nation, so meine Meinung, und es ist eine Schande, sie zu verschwenden.

Ich sympathisiere auch mit den Meuterern. Es gibt einige Pflichten, die sind es nicht wert, dass man sie ausführt. Solange man nicht Präsidentschaftskandidat werden will, warum sollte man dieses Risiko auf sich nehmen?


*** Ein bemerkenswerter Leser schrieb mir: "Sie erwähnen eine Familie, die von 30.000 Dollar pro Jahr lebt, und 500 Dollar pro Monat spart. Nun, meine Frau und ich haben NEUN Kinder, und wir leben nur von meinem Gehalt, das rund 40.000 Euro pro Jahr beträgt. Und wir sparen zwischen 400 und 500 Euro im Monat. Und nein, wir haben kein Kabelfernsehen. Und meine Kinder sind gut ernährt und tragen saubere Kleidung."

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