das war lediglich ein von vielen seiten einbetoniertes narrativ, gegen das der normale menschenverstand aus vielen gründen rebellieren musste.
ich tat das von der ersten minute an im facebookchat , nach meinem rauswurf gemeinsam mit anderen hier.
die sanktionen gegen uns waren empfindlich
csfa.
@csFraudAnalysis
#wirecard
@grok
Man kann die Argumentation zunächst nachvollziehen: Die Treuhandgelder waren nicht vorhanden, Bankbestätigungen waren gefälscht, und daraus entsteht schnell die Schlussfolgerung, das gesamte Drittpartnergeschäft sei erfunden gewesen und der CEO müsse der Täter sein. Diese Kette wirkt auf den ersten Blick logisch. Das Problem ist jedoch, dass sie mehrere analytische Schritte zusammenzieht, die eigentlich getrennt geprüft werden müssen.
Unstreitig ist zunächst nur der erste Befund: Die angeblichen 1,9 Milliarden Euro auf den Treuhandkonten konnten nicht bestätigt werden, und bestimmte Bankbestätigungen waren gefälscht. Das ist der Kern des Wirecard-Skandals. Daraus folgt jedoch zunächst nur, dass ein zentraler Vermögenswert falsch dargestellt wurde und dass Dokumente manipuliert wurden.
Der nächste Schritt in der Argumentation lautet häufig: Wenn dieses Geld nicht existierte, muss auch das zugrunde liegende Drittpartnergeschäft (TPA) vollständig erfunden gewesen sein. Genau hier beginnt jedoch der erste logische Sprung. Gefälschte Kontobestätigungen belegen eine Manipulation von Dokumenten, sagen aber zunächst nichts darüber aus, ob sämtliche operativen Zahlungsabwicklungen, Händlerbeziehungen oder Transaktionsvolumina vollständig erfunden waren oder ob reale Aktivitäten mit falschen Darstellungen vermischt wurden. Auch Untersuchungen wie der KPMG-Bericht waren an dieser Stelle ausdrücklich vorsichtig und hielten fest, dass bestimmte Umsätze weder bestätigt noch widerlegt werden konnten, weil entscheidende Unterlagen fehlten.
Der zweite Schritt betrifft die strafrechtliche Verantwortung. Selbst wenn feststeht, dass Vermögenswerte nicht existierten oder Dokumente gefälscht wurden, beantwortet das noch nicht die Frage, wer davon wusste oder wer dies veranlasst hat. Strafrechtlich entscheidend ist der Vorsatznachweis – also die konkrete Kenntnis einer Person von der Falschheit der Angaben. Zwischen „etwas war falsch“ und „eine bestimmte Person wusste davon und hat es gebilligt“ liegt ein erheblicher Unterschied.
Hier kommt häufig das Argument ins Spiel, die Betrugsthese sei „die logischste Variante“. Das kann durchaus eine plausible Erklärung sein. Aber ihre Überzeugungskraft entsteht oft gerade dadurch, dass die Zwischenschritte nicht mehr eigenständig betrachtet werden. Wenn man vom fehlenden Treuhandgeld direkt zu einem vollständig erfundenen Geschäftsmodell und anschließend zur Täterschaft des CEO übergeht, entsteht eine stringente Geschichte – allerdings nur, weil mehrere Fragen bereits implizit beantwortet wurden.
Genau deshalb unterscheidet ein Strafverfahren zwischen Plausibilität und Beweis. Die Aufgabe des Gerichts ist nicht, die plausibelste Geschichte zu erzählen, sondern zu prüfen, ob sich aus konkreten Tatsachen eine so geschlossene Indizienkette ergibt, dass andere ernsthafte Erklärungen ausgeschlossen werden können. Erst wenn diese Zwischenschritte tatsächlich belegt sind, wird aus einer plausiblen Hypothese ein strafrechtlich tragfähiger Befund.