Unternehmen will Eigentümerstrukturen aufbrechen
Mastercard strebt an die Börse
Die zweitgrößte Kreditkarten-Firma der Welt, Mastercard, plant ihren Börsengang für Anfang 2006. Das Unternehmen will durch den Verkauf eigener Aktien seine bisherige Eigentümer-Struktur aufbrechen und seine Kriegskasse auffüllen.
HB CHICAGO. Der Konzern kündigte am Mittwoch in Chicago an, neuen Investoren über die Ausgabe von Stammaktien einer so genannten "Serie A" einen Anteil von 49 Prozent am Kapital und 83 Prozent der Stimmrechte anzubieten. Die bisherigen Eigner sollten bei einer außerordentlichen Hauptversammlung gegen Ende des Jahres über den geplanten Börsengang abstimmen. Bei einem positiven Votum könnte dieser im ersten Quartal 2006 vollzogen werden.
„Damit gesteht Mastercard ein, dass sie als Nummer zwei weit hinter Visa liegen“, sagte Branchenexperte David Robertson. Seiner Einschätzung wird Mastercard die Einnahmen aus dem Börsengang nutzen, um mit Werbekampagnen und Treueprämien zum Marktführer Visa aufzuschließen. Wieviel Geld Mastercard beim Börsengang einnehmen will, ist unbekannt.
Mastercard gehört bislang rund 1400 Finanzdienstleistern. Diese geben Kredit- und Kontokarten mit dem Mastercard-Logo heraus, die in 210 Ländern und Territorien der Welt akzeptiert werden. Auch hinter den Zahlungssystemen Maestro und Cirrus steckt Mastercard. Das Kreditkartenunternehmen erzielte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 771,9 Millionen Dollar und ein Nettoergebnis von 120,3 Mill. Dollar.
Die bisherigen Mastercard-Eigner sollen ihre Macht verlieren. Die derzeitigen Anteilseigner sollen über stimmrechtslose Aktien der Serie „B“ künftig 41 Prozent des Kapitals halten. Zudem sollten sie Aktien der Serie „M“ erhalten, die Alt-Eigentümer zur Wahl von Direktoren berechtigten. Die verbleibenden 10 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte in Form von A-Aktien würden darüber hinaus einer neuen Mastercard-Stiftung übertragen. Treuhänder sollten diese unabhängig führen. Die Stimmrechtsmehrheit wird nach dem Börsengang damit bei außenstehenden Aktionären liegen. Eine geplante Neustrukturierung des Aufsichtsrats (Board) reflektiert die geplante Loslösung von den Banken.
Laut dem Branchenexperten Robertson will Mastercard künftig unabhängiger von den Banken agieren. Diese belauerten sich bislang gegenseitig im Aufsichtsrat und blockierten wegweisende Entscheidungen. Den weltweiten Markt für Kredit- und Kontokarten dominieren bislang die von großen Bankenkonsortien beherrschten Anbieter Visa und Mastercard. Doch die kleineren, flexibleren Rivalen American Express und Discover, eine Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley, holten zuletzt deutlich auf.
Visa und Mastercard beherrschten den Kreditkarten-Markt jahrelang durch Exklusivitätsklauseln in ihren Verträgen. Danach durften Banken, die Visa- oder Mastercard-Karten herausgaben, keine Karten mit Discover- oder American-Express-Logo verkaufen. Seit ein US-Gericht diese Praxis als rechtswidrig verbot, hat sich der Wettbewerb am US-Kartenmarkt intensiviert.
In einem auch der US-Börsenaufsicht SEC vorgelegten Aktionärsbrief teilte Mastercard zu den finanziellen Erwartungen an den Börsengang lediglich mit, das Unternehmen wolle aus dem Emissionserlös 650 Millionen Dollar für eine Kapitalerhöhung verwenden.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 01. September 2005, 08:19 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Mastercard strebt an die Börse
Die zweitgrößte Kreditkarten-Firma der Welt, Mastercard, plant ihren Börsengang für Anfang 2006. Das Unternehmen will durch den Verkauf eigener Aktien seine bisherige Eigentümer-Struktur aufbrechen und seine Kriegskasse auffüllen.
HB CHICAGO. Der Konzern kündigte am Mittwoch in Chicago an, neuen Investoren über die Ausgabe von Stammaktien einer so genannten "Serie A" einen Anteil von 49 Prozent am Kapital und 83 Prozent der Stimmrechte anzubieten. Die bisherigen Eigner sollten bei einer außerordentlichen Hauptversammlung gegen Ende des Jahres über den geplanten Börsengang abstimmen. Bei einem positiven Votum könnte dieser im ersten Quartal 2006 vollzogen werden.
„Damit gesteht Mastercard ein, dass sie als Nummer zwei weit hinter Visa liegen“, sagte Branchenexperte David Robertson. Seiner Einschätzung wird Mastercard die Einnahmen aus dem Börsengang nutzen, um mit Werbekampagnen und Treueprämien zum Marktführer Visa aufzuschließen. Wieviel Geld Mastercard beim Börsengang einnehmen will, ist unbekannt.
Mastercard gehört bislang rund 1400 Finanzdienstleistern. Diese geben Kredit- und Kontokarten mit dem Mastercard-Logo heraus, die in 210 Ländern und Territorien der Welt akzeptiert werden. Auch hinter den Zahlungssystemen Maestro und Cirrus steckt Mastercard. Das Kreditkartenunternehmen erzielte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 771,9 Millionen Dollar und ein Nettoergebnis von 120,3 Mill. Dollar.
Die bisherigen Mastercard-Eigner sollen ihre Macht verlieren. Die derzeitigen Anteilseigner sollen über stimmrechtslose Aktien der Serie „B“ künftig 41 Prozent des Kapitals halten. Zudem sollten sie Aktien der Serie „M“ erhalten, die Alt-Eigentümer zur Wahl von Direktoren berechtigten. Die verbleibenden 10 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte in Form von A-Aktien würden darüber hinaus einer neuen Mastercard-Stiftung übertragen. Treuhänder sollten diese unabhängig führen. Die Stimmrechtsmehrheit wird nach dem Börsengang damit bei außenstehenden Aktionären liegen. Eine geplante Neustrukturierung des Aufsichtsrats (Board) reflektiert die geplante Loslösung von den Banken.
Laut dem Branchenexperten Robertson will Mastercard künftig unabhängiger von den Banken agieren. Diese belauerten sich bislang gegenseitig im Aufsichtsrat und blockierten wegweisende Entscheidungen. Den weltweiten Markt für Kredit- und Kontokarten dominieren bislang die von großen Bankenkonsortien beherrschten Anbieter Visa und Mastercard. Doch die kleineren, flexibleren Rivalen American Express und Discover, eine Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley, holten zuletzt deutlich auf.
Visa und Mastercard beherrschten den Kreditkarten-Markt jahrelang durch Exklusivitätsklauseln in ihren Verträgen. Danach durften Banken, die Visa- oder Mastercard-Karten herausgaben, keine Karten mit Discover- oder American-Express-Logo verkaufen. Seit ein US-Gericht diese Praxis als rechtswidrig verbot, hat sich der Wettbewerb am US-Kartenmarkt intensiviert.
In einem auch der US-Börsenaufsicht SEC vorgelegten Aktionärsbrief teilte Mastercard zu den finanziellen Erwartungen an den Börsengang lediglich mit, das Unternehmen wolle aus dem Emissionserlös 650 Millionen Dollar für eine Kapitalerhöhung verwenden.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 01. September 2005, 08:19 Uhr
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