Marktausblick: Ölhausse hält Märkte in Atem

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Marktausblick: Ölhausse hält Märkte in Atem

 
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von Claus Hecking, Thorsten Kramer, Frankfurt, und Jens Korte , New York

Marktausblick: Ölhausse hält Märkte in Atem

Die Rekordfahrt der Rohlölpreise dürfte auch in der neuen Woche die Börsen beherrschen. Entspannung ist beim "scharzen Gold" nicht in Sicht. Neue Inflationsängste belasten die Aktienkurse zusätzlich. Der Euro bleibt unter Druck.

Die globalen Finanzmärkte stehen im Bann des Ölpreises. In den vergangenen Tagen sorgten die starken Preisschwankungen immer wieder für Bewegung an den Aktien-, Renten- und Devisenmärkten. In der kommenden Woche dürften die Investoren daher erneut mit Argusaugen auf den Ölpreis und dessen Auswirkungen auf die Weltkonjunktur blicken. Auch das Thema Inflation könnte angesichts der anhaltenden Ölhausse zurück in den Fokus der Märkte rücken: Schon am Mittwoch sorgten die sprunghaft gestiegenen US-Erzeugerpreise kurzzeitig für Unruhe.

Entspannung ist am Ölmarkt noch lange nicht in Sicht. Zwar entfernte sich der Kurs des US-Leichtöls WTI in der vergangenen Woche zunächst von seinem historischen Rekord von 67,10 $ pro Barrel (159 Liter). Am Freitag zog er aber nach Meldungen über Streiks in Ecuador schon wieder an. "Ecuador ist ein Fliegengewicht auf dem internationalen Ölmarkt", sagt Tobias Merath. Das die Kurse trotzdem hochschnellten, sei ein Beleg für die anhaltende Bullenstimmung am Markt. Der Preis werde daher in dieser Woche wieder über die 65-$-Marke steigen.

Wachsendes Risiko in Europa

Der Aktienmarkt litt zuletzt unter dem Ende der Quartalsberichtssaison. Zuvor, als starke Konzernzahlen noch die Entwicklung am Ölmarkt überlagerten, waren die europäischen Börsen steil aufwärts gelaufen. Zuletzt aber sackten die Indizes zuletzt sechs Handelstage hintereinander ab, ehe sie sich am Freitag wieder etwas von der Talfahrt erholten.

Aktienstrategen erwarten, dass die europäischen Börsen den Schwung vom Freitag nutzen und kurzfristig noch einmal anziehen. Damit dürfte der deutsche Leitindex Dax erneut die Marke von 5000 Punkten attackieren - falls der Ölpreis nicht erneut sprunghaft steigt und die Stimmung belastet. Mittelfristig sagen die Experten eine Konsolidierung voraus. "Der hohe Ölpreis belastet die Entwicklung der Unternehmensgewinne", sagte ein Stratege. "Zudem schürt er unter den Anlegern die Inflationsängste."

Die Risiken für die Märkte sind gewachsen - darin sind sich die Experten einig. Neben der Entwicklung am Ölmarkt beobachten die Anleger sehr genau die Entwicklung in Nahost. Zudem birgt die näher rückende Bundestagswahl ein gewisses Enttäuschungspotenzial, falls das Verfassungsgericht die Wahl doch noch stoppen oder der erwartete Regierungswechsel ausbleiben sollte.

Angst vor September-Schwäche

Für eine bevorstehende Konsolidierung spricht auch die Historie. Der September ist für den Dax seit 1973 der schwächste Monat; hier gab es durchschnittlich Verluste von 3 Prozent. Letztmals stieg der Index vor acht Jahren deutlich gegen den Trend. "Es hat sich selten gelohnt, im September voll investiert zu sein", sagt Berndt Fernow, Aktienstratege der LBBW. Seine Bank sieht den Dax auf Sicht von vier Wochen nur noch zwischen 4600 und 4700 Punkten.

Die HypoVereinsbank hält dagegen das Rückschlagspotenzial für begrenzt. Die neuen Rekordstände am Ölmarkt dürften die Konjunktur zwar etwas bremsen, sagte ihr Aktienstratege Gerhard Schwarz. Allerdings würden damit auch die Anleihe-Renditen nach unten getrieben, was die Anlage in Aktien attraktiver mache.

Auch die US-Börsen verzeichneten Kursverluste. Der breit gefasste S&P 500 gab um x,x %, der Nasdaq Composite x,x Prozent nach. Damit verbuchte der Technologie-Index die dritte Woche in Folge Kursverluste - die längste Durststrecke seit April.

"Der Markt schaut derzeit auf die Rohölpreise und reagiert stark auf jede Veränderung" , sagte Scott Jacobsen, Aktienstratege bei Jefferies. In der vergangenen Woche hatten Einzelhandelsketten wie Wal-Mart angesichts der hohen Öl- und Benzinpreise reihenweise ihre Prognosen gesenkt. Jeffries glaubt dennoch, "dass die steigenden Automobilpreise derzeit wichtiger für den privaten Konsum sind.

Auch die Sommerflaute macht den US-Börsen zu schaffen. "Das Handelsvolumen ist derzeit auffallend gering, weil viele Marktteilnehmer noch in den Ferien sind," sagt Jim Paulsen, Chefstratege bei Wells Capital Management. Neue Impulse erhoffe man sich in dieser Woche vor allem von den Zahlen zu den Auftragseingängen langlebiger Güter am Mittwoch. Zu den wenigen Nachzüglern mit Quartalszahlen gehört heute der Ketchup-Produzent Heinz.

Bonds boomen wieder

An den internationalen Rentenmärkten hat sich die Stimmung dagegen zuletzt deutlich aufgehellt. "Der steigende Ölpreis wird zurzeit vor allem als Belastung für die Konjunktur und nicht so sehr als Inflationstreiber empfunden", berichtet Marco Bargel, Chef-Volkswirt der Postbank: "Diese Sichtweise und die anhaltend hohe Liquidität treiben die Notierungen nach oben."

Der Bund-Future hat sieben der vergangenen acht Handelstage mit Zugewinnen abgeschlossen - und ist damit fast heimlich schon wieder in die Nähe seiner historischen Rekordmarke bei 124,06 Punkten gerückt.

Allerdings rechnen die Experten vorerst nicht mit einem Angriff auf das Hoch vom 7. Juli. "Das Eis, auf dem wir uns bewegen, wird langsam brüchig", sagt Thomas Koch, Zinsanalyst der HSH Nordbank. "Die jüngsten Preisdaten aus den USA könnten das Thema Inflation ganz schnell wieder auf die Tagesordnung bringen". Zwar seien die Kern-Inflationsraten, welche Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammern, nach wie vor erfreulich gering. Doch wer die seit Monaten anhaltenden Steigungen der Energiepreise ausklammere, betreibe Augenwischerei. "Das Thema Inflation wird unterschützt", sagt auch Bargel. "Es könnte sein, dass wir in nächster Zeit noch einige böse Überraschungen erleben werden."

Dollar im Aufwind

Wenig zu lachen hatten zuletzt die Euro-Anleger. Fast mühelos durchbrach der Dollar den seit Juli anhaltenden Aufwärtstrend der Einheitswährung. Seit den Handelsbilanzzahlen vom Freitag der vorvergangenen Woche hat der Greenback rund 3 Cents zugelegt. "Der Dollar-Anstieg war stark technikgetrieben", sagt Klaus Näfken, Devisenstratege der BHF-Bank. Nun werde die Luft für die US-Währung langsam dünner; dennoch sei ein weiteres Absacken des Euro-Dollar-Kurses denkbar.

"In der letzten Woche ist der fallende Ölkurs dem Dollar eindeutig zugute gekommen", sagte Michael Klawitter, Währungsexperte der WestLB; schließlich litten die Vereinigten als größter Ölimporteur der Welt besonders unter den hohen Preisen. "In dieser Woche ist ein Angriff auf die 1,20-$-Marke möglich", prognostiziert Klawitter. Das stetig wachsende Zinsdifferenzial zwischen den USA und Europa mache den Dollar immer attraktiver.

Quelle: ftd.de

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