Lynas oder die Frage: Was geschah eigentlich mit den Seltenen Erden?Es ist etwa zwei Jahre her, da haben zwei Worte die Anleger geradezu in Ekstase versetzt: Seltene Erden. Die Rohstoffe galten als Schlüssel für neue Technologien. Unternehmen klagten darüber, dass die Beschaffung von Seltenen Erden eine Herkulesaufgabe sei, da China den Markt mit einem Anteil von über 90 Prozent nach Belieben kontrollieren konnte.
Daran hat sich bis heute wenig geändert. Noch immer hat China ein Quasi-Monopol und kann über Exportquoten den Markt kontrollieren. Doch mit den Preisen ist das so eine Sache. Sie sind in den vergangenen Quartalen deutlich eingebrochen. Und darunter leiden auch die wenigen westlichen Seltenen-Erden-Konzerne. Allen voran Lynas. Der Chartverlauf der Australier gleicht einem Trauerspiel.
Dabei ist Lynas Ende Februar als einer der ersten westlichen Konzerne in die Produktion von Seltenen Erden eingestiegen. Die Verarbeitungsanlage auf Malaysia ist also in Produktion - nachdem es zuvor eine ganze Reihe von Pannen und Terminverschiebungen gegeben hat. Das Unternehmen konnte sich nur mit Mühe über Wasser halten. Lynas sah sich mit immer neuen Gerichtsverfahren konfrontiert. Zuletzt hat das malaysische Bundesgericht einen Antrag von Umweltaktivisten gegen die Anlage abgelehnt.
Preise unter Druck
Mittlerweile läuft die Anlage und Lynas will künftig 11.000 Tonnen Seltene Erden pro Jahr produzieren. Außerdem soll die Anlage, kurz LAMP genannt, auf eine Kapazität von 22.000 Tonnen pro Jahr ausgebaut werden. Dieser Ausbau liege voll im Zeitplan. So weit, so gut. Zum Problem wird für Lynas jedoch die Preisentwicklung bei Seltenen Erden. Diese ist seit Quartalen rückläufig. Im ersten Quartal ist der Durchschnittspreis nach Unternehmensangaben erneut um 13 Prozent gefallen. Dieser Durchschnittspreis lag zuletzt bei 37,22 Dollar pro Kilogramm. Vor zwei Jahren lag der Durchschnittspreis noch bei 173,20 Dollar pro Kilogramm. Zwar geht Lynas davon aus, auch auf dem aktuellen Preisniveau einen positiven Cashflow generieren zu können. Doch die Margen schwinden deutlich.
China und der Rest der Welt
Woher aber kommt dieser Preisverfall? Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Sie setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Offensichtlich handelte es sich 2011 um eine Preisblase. Die Notierungen sind binnen weniger Monate nach oben geschnellt. China hat die Exportquoten verknappt. Doch angesichts der Preise hat sich - Gerüchten zufolge - auch ein Markt an staatlichen Kontrollen vorbei gebildet. Zudem haben Unternehmen angefangen, Seltene Erden zu bevorraten. Auch Recycling wurde ein immer wichtigeres Thema. Schlussendlich ließ auch die Sorge um die Versorgungssicherheit nach. All dies sorgte dafür, dass die Preis einbrachen. Zuletzt hieß es sogar, die Exportquoten seien nicht komplett ausgeschöpft worden.
Boden in Sicht?
Die Frage die sich daran anschließt und die noch schwieriger zu beantworten ist: Wann ist der Boden gefunden? Lynas geht davon aus, dass die Nachfrage nach Seltenen Erde in Zukunft schneller steigen wird als die Wirtschaft wächst. Vor allem bei Magneten und Katalysatoren sind die Rohstoffe gefragt. Sollte sich diese Aussage bewahrheiten, dann dürfte allmählich eine Stabilisierung der Preis eintreten. Bislang ist davon nichts zu sehen. Auch wenn die Definition nicht ganz im Sinne des Lehrbuchs ist: Bei Seltenen Erden handelt es sich im Prinzip um nichts anderes als um Industriemetalle. Und diese sind zuletzt durch den Preisrutsch bei fast allen Rohstoffen ebenfalls deutlich unter Duck geraten. Dies könnte durchaus auch bei Seltenen Erden der finale Abverkauf gewesen sein.
Zurück zur Lynas-Aktie: Das Papier notiert mittlerweile jenseits von Gut und Böse auf einem Mehrjahrestief. Doch betrachtet man den Chart auf Sicht von zehn Jahren, ist theoretisch noch immer Luft nach unten. Freilich: Mittlerweile ist das Unternehmen kein Explorer mehr, sondern ein Produzent und sollte deshalb nach anderen Kriterien gemessen werden, so dass der Kursverlauf aus der Vergangenheit nur bedingt Auskunft über die Gegenwart gibt. Ein Einstieg auf dem aktuellen Niveau ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die - nicht ganz transparente - Preisentwicklung bei Seltenen Erden schwer prognostizierbar ist. Und an dieser Preisentwicklung wird sich der Aktienkurs bei Lynas in den kommenden Jahren orientieren.
http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/...-erden--19546369.htm