Denn eigentlich sollte jetzt auch der allerletzte Gutgläubige seine Zweifel bekommen haben. Marktkapitalisierung liegt ja gerade noch bei rund 500.000 €. Gerechnet auf den Wert einer Aktie vor der Kapitalherabsetzung wärde diese nun nur noch 5 Cent wert. Wie ich finde, könnte das deutlich überbewertet sein. Könnte man mit Verlustbuden noch was anfangen, wäre das Ding geradezu ein Schnäppchen. Auf die nächste Insovenzmeldung werden wir wohl nur noch Stunden warten müssen.
Für mich ist die ganze Geschichte seit Monaten eine komplette Aktionärsverarsche. Über das Geschäft teilten die nur Gemeinplätze mit, die einzigen konkreten Mitteilungen betrafen die Kapitalerhöhung. Und da war man sich auch schon sicher, dass der jetzt gescheiterten weitere folgen sollten. Und dann die Erklärung von BSL Asset Management: Man werde "wesentlicher strategischer Investor" bei Comtrade werden. Schon sprachlich ist das ein Unding. Ein strategischer Investor ist immer wesentlich. Was sollte also diese Tautologie, als Anleger guten Glaubens in die Aktien zu locken? Aber was tat der "wesentliche strategische Investor"? Über eigenen Kapitaleinsatz, also das, was einen Investor (zu Deutsch: Anleger) ausmacht, ist nichts bekannt. Aber er enterte den Aufsichtsrat und bestellte einen ihm genehmen Vorstand, hat also die Macht übernommen, ohne selbst "wesentlich" zu investieren. Das zeigt vielleicht die Cleverness von Herrn Klosterhalfen. Aber mich als Aktionär würde es zum Kotzen bringen, wie auch schon die Vorgeschichte mit der so sehr von sich selbst überzeugten Frau Sievers, die im laufenden Jahr den ersten Insolvenzantrag gestellt hat, nachdem sie im letzten Jahr erklärte, sie hätte Comtrade gerettet und alles richtig gemacht.
Ich finde, der ganze Laden ist ein Fall für den Staatsanwalt. Allerdings dürfte es am öffentlichen Interesse mangeln. Es werden ja nur ein paar Privatleute geschädigt. (Hoffe, einige von denen haben noch genug Geld für gute Anwälte.) Und zum anderen ist die Nachweisführung für strafrelevante Aktionen im Bereich der Wirtschaftskriminalität naturgemäß schwierig, weshalb ja auch Ladendiebe leichter gefaßt werden als die Kriminellen mit den weißen Kragen und den gut sitzenden Anzügen.
Ich sehe das für mich aber weniger als Kriminalgeschichte, sondern eher als Humoreske. Leider ist das Buch Nieten in Nadelstreifen schon geschrieben. Aber man könnte vielleicht noch ein Kapitel anhängen. Und für weiteren Spaß empfehle ich dem geneigten Leser www.inncona.net
Sorry, liebe Freunde von Inncona und BSL und Comtrade: alles hier nur meine persönliche Meinung. Sollte irgend etwas falsch dargestellt sein, bitte ich um Richtigstellung. Ansonsten wünsche ich allen Beteiligten gute Besserung und ein gesundes neues Jahr!