Dax und Dow Jones markieren neue Jahreshochs - Private wie institutionelle Anleger setzen wieder verstärkt auf Aktien
Von Beatrix Wirth und Holger Zschäpitz
Berlin - Egal was mit der Konjunktur passiert: Die Börsen steigen. Selbst schlechte Wirtschaftsdaten können die aktuelle Kursrallye scheinbar nicht stoppen. Zu Wochenbeginn kletterte der Dax auf ein neues Jahreshoch. Von Tiefstand am 12. März hat der Index damit mehr als 1000 Punkte oder fast 50 Prozent gut gemacht. Die Vehemenz, mit der die Aktien nach oben streben, überrascht selbst die Profis. "Die unmittelbare Nachrichtenlage rechtfertigt die Rallye nicht", sagt Hendrik Garz, Stratege bei WestLB Panmure. "Es scheint, als existierten derzeit zwei Welten: die der steigenden Aktienkurse und die, in der Ökonomen ihre Konjunkturerwartungen weiter nach unten revidieren."
Erst in der vergangenen Woche hatte beispielsweise die Europäische Zentralbank ihre Wachstumsprognose für Euroland deutlich zurückgenommen. Jenseits des Atlantiks erhielten die Sorgen um die Konsumentenstimmung neuen Auftrieb, nachdem der Index zum US-Verbrauchervertrauen überraschend eingebrochen war. "Dies legt nahe, dass die Hausse rein liquiditätsgetrieben ist", sagt Stratege Garz.
Aktuelle Statistiken untermauern die These. Aktienfonds erfreuen sich in Deutschland neuer Beliebtheit, während die lange favorisierten Geldmarktfonds zuletzt Mittelabflüsse aufwiesen. Nach Zahlen des Bundesverbands der Investmentgesellschaften gibt es seit März bei Aktienfonds erstmals wieder mehr Käufer als Verkäufer - ein Trend, der sich im April noch verstärkte. Im Mai ist das Interesse nach ersten Zahlen der Fondsgesellschaften nur leicht abgeflaut. So flossen etwa der Deka im Mai 218 Mio. Euro frische Gelder zu, nach 844 Mio. Euro im April.
Auch in den USA entdecken Investoren die Dividendenpapiere neu. "Mittlerweile kaufen Anleger die 13. Woche in Folge bei Aktienfonds zu", berichtet Thomas McManus von Banc of America. "Das ist der längste Zeitraum positiver Zuflüsse seit Anfang 2002." Damit fällt die Wende bei der Aktienfonds-Nachfrage beiderseits des Atlantiks exakt mit der Trendumkehr an den Märkten zusammen. Dieses Schema ist kein Zufall. Denn die Märkte schwimmen derzeit regelrecht in Liquidität: Nicht nur, dass sich die Leitzinsen weltweit auf Rekordtiefs befinden. Auch die langfristigen Renditen am Rentenmarkt sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was Investoren nach Alternativen suchen lässt. Der Nomura-Liquiditäts-Index, der diesen Zusammenhang darstellt, ist daher auch erstmals seit Anfang 2002 im Vorjahresvergleich ins Plus gedreht. Wie schon in der Vergangenheit haben die Aktienmärkte diesen Trend nachvollzogen.
Auch institutionelle Anleger wie Versicherungen heizen die Rallye an. "Die Aktie rückt wieder mehr in den Fokus", sagt Bernd Karstedt, Fondsmanager für institutionelle Gelder bei Union Investment. "Weil alternative Anlageformen wie Anleihen oder der Geldmarkt keine interessanten Renditen mehr abwerfen, steigt der Risikoappetit." Diese Bewegung kann an Fahrt gewinnen, je stärker der Aktienmarkt zulegt. Denn viele institutionell verwaltete Depots haben eine so genannte Wertsicherungsgrenze, die erst ab einem bestimmten Indexniveau den Fondsmanagern größere Freiheiten bei der Asset Allocation gewährt. "Wenn der Aktienmarkt also ins Laufen kommt, steigt der Risikopuffer und die Aktienquote kann ausgebaut werden", so Karstedt.
Eine solche liquiditätsgetriebene Rallye sollte, nur weil die Renditesuche das Anlageverhalten dominiert, nicht als irrational abgetan werden. "Auch hinter solchen Investments stehen rationale Entscheidungen", betont WestLB-Stratege Garz. "Die zuletzt starke Unterbewertung des Marktes ist einer der Faktoren, die für Aktien sprechen." Allerdings müssten irgendwann auch einmal härtere konjunkturelle Fakten kommen. "Das Liquiditätspulver ist schließlich irgendwann verschossen", so Garz. Und um neue Gelder müssten die Fondsmanager hart ringen. Der Stratege glaubt nicht daran, dass private Anleger in den nächsten zwei bis drei Jahren ihr Kapital in großem Stile in den Aktienmarkt umschichten.
Immerhin: Erste Strategen sehen bereits die Konjunkturwende am Horizont. "Auch wenn es paradox klingt, weil die deutsche Wirtschaft dieses Jahr bestenfalls stagnieren wird: Ich halte die Rallye des Dax für fundamental gerechtfertigt", meint Gertrud Traud, Strategin bei der Bankgesellschaft Berlin. Bis 2004 werde die Wirtschaft wieder auf stabilen Beinen stehen und dies spiele der Aktienmarkt aktuell mit dem typischen Vorlauf von sechs bis neun Monaten. Traud: "Der faire Wert des Dax von 4000 Zählern ist noch in diesem Jahr erreichbar."
Von Beatrix Wirth und Holger Zschäpitz
Berlin - Egal was mit der Konjunktur passiert: Die Börsen steigen. Selbst schlechte Wirtschaftsdaten können die aktuelle Kursrallye scheinbar nicht stoppen. Zu Wochenbeginn kletterte der Dax auf ein neues Jahreshoch. Von Tiefstand am 12. März hat der Index damit mehr als 1000 Punkte oder fast 50 Prozent gut gemacht. Die Vehemenz, mit der die Aktien nach oben streben, überrascht selbst die Profis. "Die unmittelbare Nachrichtenlage rechtfertigt die Rallye nicht", sagt Hendrik Garz, Stratege bei WestLB Panmure. "Es scheint, als existierten derzeit zwei Welten: die der steigenden Aktienkurse und die, in der Ökonomen ihre Konjunkturerwartungen weiter nach unten revidieren."
Erst in der vergangenen Woche hatte beispielsweise die Europäische Zentralbank ihre Wachstumsprognose für Euroland deutlich zurückgenommen. Jenseits des Atlantiks erhielten die Sorgen um die Konsumentenstimmung neuen Auftrieb, nachdem der Index zum US-Verbrauchervertrauen überraschend eingebrochen war. "Dies legt nahe, dass die Hausse rein liquiditätsgetrieben ist", sagt Stratege Garz.
Aktuelle Statistiken untermauern die These. Aktienfonds erfreuen sich in Deutschland neuer Beliebtheit, während die lange favorisierten Geldmarktfonds zuletzt Mittelabflüsse aufwiesen. Nach Zahlen des Bundesverbands der Investmentgesellschaften gibt es seit März bei Aktienfonds erstmals wieder mehr Käufer als Verkäufer - ein Trend, der sich im April noch verstärkte. Im Mai ist das Interesse nach ersten Zahlen der Fondsgesellschaften nur leicht abgeflaut. So flossen etwa der Deka im Mai 218 Mio. Euro frische Gelder zu, nach 844 Mio. Euro im April.
Auch in den USA entdecken Investoren die Dividendenpapiere neu. "Mittlerweile kaufen Anleger die 13. Woche in Folge bei Aktienfonds zu", berichtet Thomas McManus von Banc of America. "Das ist der längste Zeitraum positiver Zuflüsse seit Anfang 2002." Damit fällt die Wende bei der Aktienfonds-Nachfrage beiderseits des Atlantiks exakt mit der Trendumkehr an den Märkten zusammen. Dieses Schema ist kein Zufall. Denn die Märkte schwimmen derzeit regelrecht in Liquidität: Nicht nur, dass sich die Leitzinsen weltweit auf Rekordtiefs befinden. Auch die langfristigen Renditen am Rentenmarkt sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was Investoren nach Alternativen suchen lässt. Der Nomura-Liquiditäts-Index, der diesen Zusammenhang darstellt, ist daher auch erstmals seit Anfang 2002 im Vorjahresvergleich ins Plus gedreht. Wie schon in der Vergangenheit haben die Aktienmärkte diesen Trend nachvollzogen.
Auch institutionelle Anleger wie Versicherungen heizen die Rallye an. "Die Aktie rückt wieder mehr in den Fokus", sagt Bernd Karstedt, Fondsmanager für institutionelle Gelder bei Union Investment. "Weil alternative Anlageformen wie Anleihen oder der Geldmarkt keine interessanten Renditen mehr abwerfen, steigt der Risikoappetit." Diese Bewegung kann an Fahrt gewinnen, je stärker der Aktienmarkt zulegt. Denn viele institutionell verwaltete Depots haben eine so genannte Wertsicherungsgrenze, die erst ab einem bestimmten Indexniveau den Fondsmanagern größere Freiheiten bei der Asset Allocation gewährt. "Wenn der Aktienmarkt also ins Laufen kommt, steigt der Risikopuffer und die Aktienquote kann ausgebaut werden", so Karstedt.
Eine solche liquiditätsgetriebene Rallye sollte, nur weil die Renditesuche das Anlageverhalten dominiert, nicht als irrational abgetan werden. "Auch hinter solchen Investments stehen rationale Entscheidungen", betont WestLB-Stratege Garz. "Die zuletzt starke Unterbewertung des Marktes ist einer der Faktoren, die für Aktien sprechen." Allerdings müssten irgendwann auch einmal härtere konjunkturelle Fakten kommen. "Das Liquiditätspulver ist schließlich irgendwann verschossen", so Garz. Und um neue Gelder müssten die Fondsmanager hart ringen. Der Stratege glaubt nicht daran, dass private Anleger in den nächsten zwei bis drei Jahren ihr Kapital in großem Stile in den Aktienmarkt umschichten.
Immerhin: Erste Strategen sehen bereits die Konjunkturwende am Horizont. "Auch wenn es paradox klingt, weil die deutsche Wirtschaft dieses Jahr bestenfalls stagnieren wird: Ich halte die Rallye des Dax für fundamental gerechtfertigt", meint Gertrud Traud, Strategin bei der Bankgesellschaft Berlin. Bis 2004 werde die Wirtschaft wieder auf stabilen Beinen stehen und dies spiele der Aktienmarkt aktuell mit dem typischen Vorlauf von sechs bis neun Monaten. Traud: "Der faire Wert des Dax von 4000 Zählern ist noch in diesem Jahr erreichbar."