Beim Baukonzern Philipp Holzmann spitzt sich die Lage zweieinhalb Jahre nach der spektakulären Rettungsaktion durch Bundeskanzler Gerhard Schröder wieder zu. Die Bundesregierung sieht sich bei neuen Finanzproblemen nicht in der Pflicht.
Der Frankfurter Baukonzern räumte am Donnerstag ein, dass der Verlust 2001 "wegen unvorhergesehener Sondereinflüsse" höher ausfallen wird als ursprünglich geplant. Wie hoch das Minus sein wird, teilte Philipp Holzmann nicht mit. Die Jahresabschlussarbeiten dauerten noch an, hieß es zur Begründung.
Maßgeblich für das Ergebnis sei die negative Entwicklung der inländischen Baukonjunktur. Entgegen allen Erwartungen der gesamten Branche habe sich der inländische Baumarkt 2001 nochmals verschlechtert. Dies habe zu operativen Verschlechterungen an einzelnen Standorten, sowie zu erhöhten Restrukturierungsaufwendungen geführt. Zudem hätten nochmals verzögerte Immobilienverkäufe und zusätzliche Belastungen bei Immobilien das Ergebnis gedrückt. Holzmann hatte in den ersten neun Monaten 2001 einen Verlust von mehr als 124 Mio. Euro verbucht. Noch im Dezember hatte der Finanzvorstand Johannes Ohlinger als Zielgröße für das Gesamtjahr einen Verlust von weniger als 80 Mio. Euro angegeben.
Möglicher Verkauf weiter ein Thema
Nach Informationen des "Handelsblatts" sind die Verluste des Bauriesen im Jahr 2001 mit 200 Mio. Euro höher ausgefallen als bislang vermutet. Branchenkreisen zufolge ist das Frankfurter Bauunternehmen aber nicht in seiner Existenz gefährdet. Der mögliche Verkauf des Konzerns sei aber nach wie vor ein Thema, hieß es in den Kreisen. Die Bundesregierung teilte mit, dass sie sich im Falle neuer Finanzprobleme bei Holzmann nicht in der Pflicht sehe. In die Lösung der Probleme vor rund zwei Jahren war damals erst Bewegung gekommen, nachdem sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) persönlich eingeschaltet hatte.
Ein Sprecher von Holzmann bestätigte, dass am Freitag die Gläubigerbanken des Baukonzerns zusammenkommen. "Die Banken werden von uns regelmäßig informiert und in diesem Zusammenhang treffen sie sich auch diesen Freitag", sagte er. Über den Inhalt der Gespräche wollte sich Holzmann nicht äußern. Nach Informationen der Zeitung diskutieren die Banken über einen erneuten Verzicht auf Forderungen. Auch die Auslagerung von Immobilien mit den dazugehörigen Schulden in eine eigene Gesellschaft stehe auf der Tagesordnung. Pläne für diese Immobilien-Gesellschaft, an der sich mehrere Großbanken beteiligen wollen, wurden vergangene Woche bekannt.
Auslagerung von Immobilien würde Holzmann entlasten
Offiziell nahm Holzmann dazu keine Stellung, aber aus dem Management wurde ein entsprechender Medienbericht bestätigt. Eine Auslagerung des immensen Immobilienbesitzes würde den Baukonzern erheblich entlasten und Holzmann attraktiver für eine Übernahme machen.
Derzeit besitzen die Banken mehr als die Hälfte des Holzmann-Kapitals. Sie wollen es so schnell wie möglich veräußern. "Jetzt ist so viel Banken-Geld in Holzmann reingeflossen, da muss es irgendwie weitergehen", sagte ein Banker. Nach Darstellung des Holzmann-Vorstands gibt es Interessenten aus Deutschland und dem Ausland. Aber die Verhandlungen seien wegen der schlechten Zahlen zum Stillstand gekommen, berichtete das "Handelsblatt".
Auch mit amerikanischen Gläubigerbanken führt Holzmann derzeit Gespräche. Die Verlängerung von Krediten der US-Konzern-Tochter J.A. Jones steht an, und die amerikanischen Geldhäuser fordern nach dem Zusammenbruch des Energieriesen Enron bessere Sicherheiten dafür. "Das ist seit dem Skandal um Enron üblich und trifft auch andere Unternehmen", heißt es bei Holzmann.
© 2002 Financial Times Deutschland
Der Frankfurter Baukonzern räumte am Donnerstag ein, dass der Verlust 2001 "wegen unvorhergesehener Sondereinflüsse" höher ausfallen wird als ursprünglich geplant. Wie hoch das Minus sein wird, teilte Philipp Holzmann nicht mit. Die Jahresabschlussarbeiten dauerten noch an, hieß es zur Begründung.
Maßgeblich für das Ergebnis sei die negative Entwicklung der inländischen Baukonjunktur. Entgegen allen Erwartungen der gesamten Branche habe sich der inländische Baumarkt 2001 nochmals verschlechtert. Dies habe zu operativen Verschlechterungen an einzelnen Standorten, sowie zu erhöhten Restrukturierungsaufwendungen geführt. Zudem hätten nochmals verzögerte Immobilienverkäufe und zusätzliche Belastungen bei Immobilien das Ergebnis gedrückt. Holzmann hatte in den ersten neun Monaten 2001 einen Verlust von mehr als 124 Mio. Euro verbucht. Noch im Dezember hatte der Finanzvorstand Johannes Ohlinger als Zielgröße für das Gesamtjahr einen Verlust von weniger als 80 Mio. Euro angegeben.
Möglicher Verkauf weiter ein Thema
Nach Informationen des "Handelsblatts" sind die Verluste des Bauriesen im Jahr 2001 mit 200 Mio. Euro höher ausgefallen als bislang vermutet. Branchenkreisen zufolge ist das Frankfurter Bauunternehmen aber nicht in seiner Existenz gefährdet. Der mögliche Verkauf des Konzerns sei aber nach wie vor ein Thema, hieß es in den Kreisen. Die Bundesregierung teilte mit, dass sie sich im Falle neuer Finanzprobleme bei Holzmann nicht in der Pflicht sehe. In die Lösung der Probleme vor rund zwei Jahren war damals erst Bewegung gekommen, nachdem sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) persönlich eingeschaltet hatte.
Ein Sprecher von Holzmann bestätigte, dass am Freitag die Gläubigerbanken des Baukonzerns zusammenkommen. "Die Banken werden von uns regelmäßig informiert und in diesem Zusammenhang treffen sie sich auch diesen Freitag", sagte er. Über den Inhalt der Gespräche wollte sich Holzmann nicht äußern. Nach Informationen der Zeitung diskutieren die Banken über einen erneuten Verzicht auf Forderungen. Auch die Auslagerung von Immobilien mit den dazugehörigen Schulden in eine eigene Gesellschaft stehe auf der Tagesordnung. Pläne für diese Immobilien-Gesellschaft, an der sich mehrere Großbanken beteiligen wollen, wurden vergangene Woche bekannt.
Auslagerung von Immobilien würde Holzmann entlasten
Offiziell nahm Holzmann dazu keine Stellung, aber aus dem Management wurde ein entsprechender Medienbericht bestätigt. Eine Auslagerung des immensen Immobilienbesitzes würde den Baukonzern erheblich entlasten und Holzmann attraktiver für eine Übernahme machen.
Derzeit besitzen die Banken mehr als die Hälfte des Holzmann-Kapitals. Sie wollen es so schnell wie möglich veräußern. "Jetzt ist so viel Banken-Geld in Holzmann reingeflossen, da muss es irgendwie weitergehen", sagte ein Banker. Nach Darstellung des Holzmann-Vorstands gibt es Interessenten aus Deutschland und dem Ausland. Aber die Verhandlungen seien wegen der schlechten Zahlen zum Stillstand gekommen, berichtete das "Handelsblatt".
Auch mit amerikanischen Gläubigerbanken führt Holzmann derzeit Gespräche. Die Verlängerung von Krediten der US-Konzern-Tochter J.A. Jones steht an, und die amerikanischen Geldhäuser fordern nach dem Zusammenbruch des Energieriesen Enron bessere Sicherheiten dafür. "Das ist seit dem Skandal um Enron üblich und trifft auch andere Unternehmen", heißt es bei Holzmann.
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