Kurs-Rally an den Weltbörsen


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sir charles:

Kurs-Rally an den Weltbörsen

 
16.10.02 09:37
Kurs-Rally an den Weltbörsen

Die unerwartete Kurs-Rally war am Dienstag selbst durch Ölpreissteigerungen und ein paar schlechte Unternehmensnachrichten nicht zu stoppen.



FRANKFURT/NEW YORK (red./ag). Sehr kräftige Kursgewinne an drei von vier Tagen in Frankfurt und an vier von vier Tagen in New York: Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Entsprechend euphorisch reagierten am Dienstag die Börsianer: Von "Turbo-Börsen" war die Rede, von einer "Party wie 1999"; in Frankfurt ließen Börsebeobachter "die Bullen Morgenluft wittern". Euphorie, wohin man blickt.


Dabei kann noch niemand sagen, ob das Licht, das die Aktienhändler immer klarer sehen, vom Ende des Tunnels oder nur vom Gegenzug kommt. Fest zu stehen scheint, daß die Anleger immer noch ziemlich irrational aus dem Bauch heraus handeln: In den vergangenen Wochen wurden gute Nachrichten beharrlich ignoriert, jetzt sieht man über schlechte Nachrichten generös hinweg. Große Gewinner am Dienstag waren beispielsweise Autowerte (trotz einer sehr negativen Quartalsbilanz von General Motors) und deutsche Finanzwerte, die von internationalen Analysten gerade erst kräftig herabgestuft worden waren. Weder ein erneut über 28 Dollar gestiegener Ölpreis noch die Nachwirkungen des Bombenanschlags auf Bali konnten die neu erwachte Kauflust dämpfen.


Am Nachmittag lagen die europäischen Börsen (mit Ausnahme Wiens) jedenfalls zwischen vier und sechs Prozent im Plus. Der schwer geprügelte Nemax50-Index des vor der Auflösung stehenden Frankfurter Neuen Marktes konnte sogar einen Kurszuwachs von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vortag verbuchen.


Autowerte legten in Deutschland zwischen zweieinhalb (VW) und viereinhalb Prozent (BMW) zu, Banktitel sprangen zwischen sieben und neun Prozent in die Höhe, die Versicherungstitel Allianz und Münchner Rück konnten ebenfalls in dieser Größenordnung zulegen. Die Veröffentlichung eines positiven Philips-Ergebnisses ließ die Tech-Werte sogar zwischen sieben und zehn Prozent hochschnellen.


Anleger haben damit in den vergangen drei, vier Tagen beeindruckende Gewinne gemacht. Freilich nur jene, die Mitte voriger Woche gekauft haben. Für die Kleinanleger, die auf im Jahr 2000 erworbenen Papieren sitzen, wird der Marsch durch das "Tal der Tränen" selbst bei einem anhalten des Kursfeuerwerks noch lange dauern: Wer sechzig, siebzig, achtzig oder mehr Prozent verloren hat, der benötigt jetzt Kursgewinne von mehreren Hundert Prozent, um wenigstens ohne Verlust auszusteigen.


Händler sehen das Kursfeuerwerk, das sich am Dienstag nachmittag auch in New York fortsetzte, noch ein wenig ratlos. Die Kursrückgänge der vergangenen Wochen seien wohl ein bißchen übertrieben gewesen, war gestern etwa der Tenor in Frankfurt. Jetzt hätten Investoren eben ihre Chance gewittert und zugeschlagen. Wenn es keine extrem negativen Meldungen gebe, werde der Markt jetzt wohl zumindest einige Wochen flott bergauf gehen.


Wenngleich die Vertrauenskrise in den USA noch nicht vorbei ist: Der neue Chef der Börseaufsicht, Harvey Pitt, der die Wallstreet von den Tricksern und Betrügern säubern soll, ist mit seinem Versuch, einen Hardliner zum Chef der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht zu machen, an republikanischem Widerstand gescheitert. Der Rückzug auf einen "moderaten" Kandidaten brachte wieder die Demokraten auf die Palme. Jetzt sitzt der Chef der Börsenaufsicht in einer durchaus heiklen Phase zwischen allen politischen Stühlen.



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