Schon richtig Privatanleger, dass die Prognosen für den PV-Zubau sehr schwierig sind aufgrund der sehr schwer kalkulierbaren Dynamik in den einzelnen Länder. Wenn man sich aber mal die Prognosen für 2011 anschaut, die es im Frühling gab, dann waren die Prognosen z.B. von iSuppli schon ziemlich gut. Die haben im Frühling 2011 einen Zubau von 22 bis 23 GW für 2011 prognostiziert mit einem Zubau für Deutschland von 5 GW. Hätte es diesen riesigen Zubau von 3 GW im Dezember in Deutschland nicht gegeben, dann hätte die iSuppli-Prognose fast genau hingehauen. Die Prognosen werden immer besser.
Kommen die Kürzungen in Deutschland so durch wie sie derzeit geplant sind, vorallem wenn große Solarparks ab 10 MW keine Einspeisvergütungen bekommen werden und bei kleineren Solarparks Kürzungen von rd. 35% durchkommen, dann fällt in Deutschland rd. 2 GW an Nachfrage weg und die werden wohl nicht von kleinen, mittleren und großen Aufdachanlagen aufgefangen werden können. In Italien gibt es für Freiflächenanlagen bis auf die schon genehmigten 1,4 GW auch keine Subventionen mehr und da werden dann bei der Nachfrage in Italien etwa 2 bis 3 GW fehlen. Das heißt, das die zwei größten PV-Märkte, Deutschland und Italien, in diesem Jahr mit ganz großer Wahrscheinlichkeit nicht wachsen werden. Sehr werden eher rückläufig sein, was ja politisch so gewollt ist aufgrund der hohen Kosten. In den USA wird es wohl auch keinen Nachfragezuwachs von über 1 GW geben in diesem Jahr. Es war ohnehin etwas enttäuschend, dass es in den USA in 2011 nur zu einem Zubau von 1,8 GW gekommen ist.
Ich sage mal, dass die PV-Branche schon sehr froh sein muss wenn es in diesem Jahr zu einem globalen Zubau von 30 GW kommen wird.
Der Wachstumsmarkt in 2012 wird Asien sein mit China, Japan und Indien. Aber in Asien ist Solarworld nun gar nicht gut positioniert wie man ja an den Zahlen super erkennen kann. Da muss sich Solarworld was einfallen lassen, denn auch kleinere PV-Märkte in Asien wie Thailand oder Indonesien (da will Sharp 100 Mio. € investieren) scheinen jetzt anzuspringen. da die PV-Kosten signifikant gefallen sind. In Asien haben die Chinesen und die Japaner (Sharp, Panasonic oder Kyocera) absoluten Heimvorteil. Bin mal echt gespannt ob für Solarworld in Asien in diesem Jahr mehr als nur Brotkrümmelchen abfallen werden.
Jedoch ist die Nachfage eigentlich nicht das ganz große Problem für die PV-Branche. In 2010 gab es gab es ein Branchenwachstum von 145% bzw. 10,9 GW und in 2011 von 44% bzw. 8,1 GW. Das Problem ist die riesige Angebotsseite mit Fertigungskapazitäten von über 50 GW. Deshalb sind die Modulpreise so extrem gefallen. Gab es in 2010 noch recht stabile Modulpreise mit einem leichten Minus von nicht mal 10% (von 1,90 auf 1,80 $/W), so gab es in 2011 einen Preiscrash mit fast 50% (von 1,80 auf 1,10 $/W). Aktuell liegen wir bei Modulpreisen von 0,97 $/W. Damit kann man kein Geld verdienen und diese Tatsache wird sich nicht so schnell ändern bei den riesigen Fertigungskapazitäten von über 50 GW.
Noch kurz was zur Solarworldklage. Jeffries analysiert bzw. vermutet, dass die taiwanesischen Zellbauer die großen Gewinner sein könnten wenn die Solarworldklage durchgehen sollte únd es zu Strafzöllen von über 20% kommen sollte. Fast alle taiwanesischen Zellbauer hatten im Februar einen sehr guten Nachfrageanstieg gegenüber Januar (Motech + 40%, Neosolar + 20%, Solartech + 19%). Hier der Link dazu:
www.pv-tech.org/news/...g_from_us_anti_dumping_case_says_jeffr
("Taiwan PV producers already benefiting from US anti-dumping case, says Jeffries")
Interessant ist bei dieser Aufstellung, dass Neosolar im Februar umsatzseitig sogar Motech überholt hat.
Gintech erzielte im Februar einen Umsatz von 30,4 Mio. € (rd. 76 MW), Neosolar von 26,3 Mio. € (rd. 66 MW) und Motech von 23,2 Mio. € (rd. 58 MW). Nr. 4 in Taiwan ist Solartech im Februar gewesen mit einem Umsatz von 14 Mio. € (rd. 35 MW) und die Nr. 5 war DelSolar mit 10 Mio. € (rd. 25 MW).
An den aktuellen Februarzahlen der großen taiwanesischen Zellhersteller sieht man gut, dass die alles andere als gut ausgelastet sind. So lag die Auslastungsquote im Februar bei Gintech bei ca. 60%, bei Neosolar ebenfalls bei rd. 60% und bei Motech sogar unter 50%. Diese schwache Auslastungsquote verheißt eigentlich auf die nächsten Monate nicht allzu viel Gutes bei der Nachfrage. Der zu erwartende Hype in Deutschland im März scheint schon abgearbeitet zu sein bzw. es wird immer noch vieles aus den Lager der Modulbauer, Distributoren oder Großhändler bedient wie schon in Q4.