"Kraft zum Leben" - TV-Verbot! *ENDLICH*


Thema
abonnieren
Beiträge: 77
Zugriffe: 2.436 / Heute: 2
Boersiator:

@brudini u. josua

 
10.01.02 08:51
Jo, Frank Zappa war nicht schlecht! Fix den Titel Bobby Brown etwas umgeschrieben und schon ist der Spot aussagekräftiger denn je.
Richards? War nicht mein Fehler, war ein Praktikant! ;-)

Im ernst, ich programmiere Datenbanken für Kraft Foods, soll ich nun kündigen?

Überlegt mal, was wenn Kraft heimlich in ihre Produkte "Gehirnvernebler" als Zutaten unterrühren?
Sind wir alle breits infiziert?

B.
Antworten
Fluffy:

Interview m. Sektenbeauftr. d. ev. Kirche

 
10.01.02 12:15
»Intolerante
Leute aus dem rechtsevangelikalen Milieu«

Michael Utsch von der EZW im heute.online-Interview über »Kraft zum Leben«

Michael Utsch
Michael Utsch, Jahrgang 1960, ist Diplompsychologe und approbierter Psychotherapeut. Seit 1997 ist er wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Er beschäftigt sich vor allem mit religiösen Aspekten der Psychoszene, weltanschaulichen Strömungen in Naturwissenschaft und Technik und Scientology.

Mit einer groß angelegten Missions-Kampagne sorgt »Kraft zum Leben« in Deutschland für Aufsehen. Im vergangenen Herbst versuchte die amerikanische evangelistische Bewegung zum ersten Mal, hierzulande Fuß zu fassen. Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) analysiert im Gespräch mit heute.online das Vorhaben dieser religiösen Gemeinschaft.

heute.online: Seit wann versucht »Kraft zum Leben« in Deutschland Fuß zu fassen?

Michael Utsch: Nach meiner Beobachtung ist das die zweite Kampagne, die erste startete im vergangenen Frühherbst. Damals wie jetzt werben berühmte Persönlichkeiten für dieses kostenlose Buch. Ich bin erst durch die Kampagne im Herbst letzten Jahres darauf aufmerksam geworden. Soweit ich weiß, hat früher auch nichts Vergleichbares in Deutschland stattgefunden. In den USA ist »Kraft zum Leben« eine weit verbreitete Geschichte, die im öffentlichen Bewusstsein längst verankert ist.

heute.online: Eine weit verbreitete, doch auch recht umstrittene Bewegung?

Michael Utsch: Man kann gar nicht von einer »Bewegung« sprechen - da ist zunächst mal das Buch, das zum christlichen Glauben einlädt und Menschen, die berichten, wie sie sich durch die Lektüre dieses Buches dem Glauben zugewendet haben und was sich dadurch an positiven Veränderungen in ihrem Leben ergeben hat. Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil - steht doch in dem Buch, es lohne sich in der Bibel zu lesen und dem kann man ja nur zustimmen. Problematisch ist, dass diese Arthur DeMoss-Stiftung und die ganze DeMoss-Familie dem rechtsevangelikalen Milieu zuzurechnen sind. Es sind Leute, die sich intolerant verhalten, weil sie zum Beispiel homosexuelle Menschen diskreditieren, Abtreibungsbefürworter massiv unter Druck setzen, die Evolutionstheorie gänzlich ablehnen. Es sind also sehr konservative Kräfte, die dort am Werke sind und jetzt auch eine massive Missionskampagne in Europa durchführen.

heute.online: Diese Kampagne scheint ja nicht gerade billig zu sein. Hinter »Kraft zum Leben« dürfte also sehr viel Geld stecken?

Michael Utsch: Es ist richtig, dass das sicher sehr, sehr teuer gewesen ist. Arthur DeMoss war Versicherungsmakler und hat sein Vermögen der Ausbreitung christlicher Werte gewidmet. Der Sohn führt die christliche Medienagentur DeMoss-Group, die großen Einfluss in den USA hat. Hier findet im Grunde eine Amerikanisierung der Medien statt, wenn jetzt christliche Inhalte werbegerecht initiiert und medial inszeniert werden. Ich vermute, dass ein Teil der Werbeeinnahmen dieser christlichen Werbeagentur satzungsgebunden direkt in die Stiftung fließen und dadurch auch diese Kampagne finanziert wird. Kraft zum Leben ist eine Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat christliche Werte zu fördern und auszubreiten. Sie ist eine Non-Profit-Organisation. Man darf nichts spenden. Spenden werden gar nicht angenommen und mit den Adressen, die man für den Buchversand anfordert, wird auch nichts weiter getan als dass das Buch versendet wird.

heute.online: Haben Sie das Buch gelesen?

Michael Utsch: Ja. Mir fehlen zwei wesentliche Punkte. Erstens: Ein zentrales Element des christlichen Glaubens, die Gemeinschaft. Es mag ja anregend sein, das Buch zu lesen und sich die Frage zu stellen »Was muss sich in meinem Leben ändern?«. Vielleicht bekomme ich sogar den Impuls, andere Entscheidungen zu treffen? Nur muss sich das in meinem Alltag niederschlagen, ich muss es in meinen bestehenden Konflikten und Schwierigkeiten erleben. Dazu brauche ich andere Menschen, die Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Leider ist diese Dimension in diesem Buch überhaupt nicht vorhanden und es werden auch keine Brückenschläge dazu gemacht. Es gibt eine vergleichbare Initiative mit der ebenfalls der evangelikalen Richtung zuzuordnenden Pro-Christ-Veranstaltungsreihe, die in den letzten Jahren immer wieder stattgefunden hat. Dort waren aber Ortsgemeinden mit einbezogen und damit die Verbindung zu persönlichen Kontakten gegeben.

Zweitens schimmert zwischen den Zeilen doch eine gewisse Leistungsfrömmigkeit durch: Wenn ich richtig glaube, bin ich im Leben erfolgreich, glücklich, zufrieden. Diese Art des Glaubens ist aus theologischer Sicht zu hinterfragen und zu kritisieren. Außerdem passt der amerikanisch geprägte Lebensstil gar nicht zu unserer Lebenswirklichkeit, zur europäischen Kultur. Insofern glaube ich nicht, dass dieses Buch in Deutschland eine große Auswirkung haben wird.

heute.online: Also wird es durch »Kraft zum Leben« keine Konkurrenz für Kirche und religiöse Bewegungen geben?

Michael Utsch: Nein. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass bestimmte Freikirchen, die ein ähnliches theologisches Profil haben, vielleicht den einen oder anderen dazu gewinnen. Aber weil durch die Kampagne überhaupt keine Verbindungen hergestellt wurden, und sich der einzelne sozusagen auf den Weg machen muss, welche Freikirche denn nun dazu passen könnte, glaube ich auch, dass letztlich dieser Schritt selten stattfinden wird. Insofern muss man attestieren, dass Mission notwendig ist - das wird ja in den Kirchen seit vielen Jahren von leitenden Funktionen und Ämtern gesagt. Die Kirchen arbeiten daran und ebenso müssen wir anderen Gruppierungen und Bewegungen zugestehen, das auch auf ihre Fahnen schreiben.

heute.online: Sie würden jetzt aber nicht hergehen und die Bibel kostenlos anbieten, wie KZL sein Buch kostenlos hergibt?

Michael Utsch: Der Gideon-Bund macht das auch, ebenso gibt es vergleichbare kirchliche Initiativen, die Teile des neuen Testaments verschenken. Wir werden aber nicht so weit gehen, das so medial zu inszenieren und theologisch einseitig präsentieren, wie es »Kraft zum Leben« mit seiner Kampagne macht. Ich glaube, dass die christliche Weltanschauung in erster Linie ein beziehungsorientiertes Angebot ist und man allein durch Lektüre nicht sehr viel weiterkommt.

heute.online: Könnten die Ereignisse rund um den Terroranschlag des 11. September dazu führen, dass »Kraft zum Leben« mehr Zulauf bekommt?

Michael Utsch: Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es gewisse strategische Überlegungen gab, gerade jetzt zum Jahresbeginn nach diesen Erschütterungen im letzten Herbst eine derartige Offensive zu starten. Aber in Deutschland dürfte das nicht sehr viel Wirkung zeigen. Wie Umfragen ergeben haben, hat sich auch nach den Ereignissen vom 11. September nachhaltig bei uns so viel gar nicht geändert.

heute.online: Was bewirkt die Missions-Kampagne in Deutschland bei den Menschen?

Michael Utsch: Angst nicht. Die Leute sind etwas irritiert, sie sind wissbegierig - manche werden es abtun, manche werden sich das Buch bestellen und werden danach im Grunde auch noch ratlos bleiben, weil in dem Buch ja nur die persönliche Schiene angesprochen ist
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.

Seite: Übersicht Alle 1 2 3 4 ZurückZurück

Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--