"Kraft zum Leben"
TV-Spots verboten
Die umstrittene Broschüre "Kraft zum Leben" darf nicht länger im deutschen Fernsehen beworben werden. Bei den Spots für das Buch der amerikanischen Arthur S. De Moss-Stiftung handele es sich um religiöse und weltanschauliche Werbung, die in Deutschland verboten sei, teilte die Gemeinsame Stelle Werbung der Landesmedienanstalten am Dienstag in Kassel mit. Eine weitere Ausstrahlung der mit prominenten Sportlern und Musikern besetzten Spots solle unterbunden werden. n-tv wird den Spot nicht mehr zeigen.
"Intolerant, dogmatisch und fundamentalistisch"
Nachdem die Kampagne für das Wort Gottes zunächst als harmlos eingestuft worden war, wurde inzwischen heftige Kritik an der Broschüre und der De Moss-Stiftung laut.
Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) gehört dabei noch zu den moderaten Kritikern. Gegenüber n-tv.de erklärte Utsch: "Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, und da hat jeder das Recht, zu werben. " Das Buch selbst sei unbedenklich. Es lade nur dazu ein, sich intensiver mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. "Schwierig" allerdings sei die Tatsache, dass die dahinter stehende Stiftung medien- und öffentlichkeitsscheu und nur über eine Postfachadresse erreichbar sei, räumt Utsch ein. "Ungünstig" sei auch, dass das Buch im "amerikanischen Frömmigkeitsstil" gehalten sei. Damit werde suggeriert, dass der Glauben in jedem Fall zu einem glücklichen Leben führe. Utsch bemängelt zudem einen fehlenden Gemeinschaftsbezug. "In dem Buch heißt es, man solle sich einer bibeltreuen Gemeinde anschließen - es werden aber keine Adressen genannt."
Kritisch äußerte sich gegenüber n-tv.de auch Thomas Nippe vom Referat für Sekten- und Weltanschauungsfragen (RSW) der Katholischen Kirche. Für ihn hat die DeMoss-Stiftung "nicht aus der Hüfte geschossen", sondern die Zeit nach dem 11. September gezielt dafür genutzt, um eine auf längere Zeit angelegte Mission zu starten.
Auch der Inhalt des Buches sei mehr als zweifelhaft. Der Text sei die "metaphysische Ausrichtung dessen, was die Globalisierung für die Politik bedeutet". Zudem sei die Bibel "so nicht zitierbar ". Die Bibel sei widersprüchlich, komplex und ohne einen geschichtlich-politischen Zusammenhang nicht lesbar. Das "Kraft zum Leben"-Buch stehe für eine Spiritualisierung der Gesellschaft - und nicht für Spiritualität. "Eine Sumpfblüte mehr auf dem Markt der Weltanschauungen", so Nippe.
Die Gefahr sieht Nippe in der möglichen Verstärkung einer bereits vorhandenen geistigen Strömung, "die dick nach Rechts driftet". Die besonders nach den Anschlägen in den USA wieder erstarkenden Bilder von Freund und Feind, von Schwarz und Weiß könnten wieder salonfähig werden. Nippe glaubt, dass eine ideologische Einflussnahme beabsichtigt ist: "Es ist der Versuch, auch im europäischen Bereich Fuss zu fassen." Macht ist Geld - oder: Geld ist Macht. Auch wenn die DeMoss-Stiftung es sogar schriftlich gibt: "Keine Spenden erbeten oder akzeptiert " - Nippe will nicht ausschließen, dass es auch um finanzielle Interessen geht.
Damit dürfte er so falsch nicht liegen: Unbestätigten Angaben zufolge zahlen Teilnehmer "religiöser Abendessen " bei der Witwe des Stiftungsgründers Arthur, Nancy DeMoss, rund 80.000 Dollar pro "Sitzung".
Auch der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, kritisierte die DeMoss-Stiftung. Laut Gandow hat die Stiftung "engste Kontakte zu Jerry Falwell, einem der prominenten Sprecher der amerikanischen evangelikalen Rechten". Falwell seinerseits habe intensive Arbeitskontakte mit der Mun-Bewegung "nicht gescheut", als es um die Finanzierung seiner Liberty-University ging.
Von den prominenten Werbeträgern bezogen der Fußballer Paulo Sergio und die frühere Turmspringerin Brita Baldus und der Golfspieler Bernhard Langer öffentlich Stellung. Sergio: "Ich habe das Buch unterstützt, um die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Die Ziele der Stiftung kenne ich nicht." Baldus: "So wie ich die DeMoss-Stiftung kennen gelernt habe, im Zusammenhang mit 'Kraft zum Leben', habe ich keinerlei Bedenken gehabt." Langer äußerte sich auf seiner Internet-Homepage: "Ich habe das angebotene Buch (...) in seiner englischen Fassung schon vor Jahren gelesen, und es hat mir und meiner Familie sehr geholfen."
Nach Informationen des Südwestdeutschen Rundfunks wird die Stiftung auch in Amerika scharf kritisiert. In einem Interview der Sendung "Report" bezeichnete Rob Boston von der Bürgerrechtsorganisation "American United for Seperation of Church and State " die Stiftung als "intolerant, dogmatisch und fundamentalistisch". Es sei bekannt, dass sie extrem rechte Gruppen unterstütze, "die ganz offensichtlich Rechte der Frauen in der Gesellschaft beschneiden und Homosexualität als Verbrechen brandmarken wollen, das sogar die Todesstrafe nach sich ziehen kann."
Arthur S. DeMoss hatte die Stiftung 1955 im Alter von 31 Jahren gegründet. Er hat sein Vermögen als Buchmacher für Pferdewetten und mit dem Verkauf von Versicherungen gemacht. Bei seinem Tod 1979 hinterließ er seiner Frau Nancy ein Vermögen von mehr als 300 Millionen Dollar.
Die DeMoss-Stiftung hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehrere Millionen Kopien des Buchs in insgesamt zwölf Ländern verschenkt. "Kraft zum Leben" wurde 1983 von dem amerikanischen Prediger Jamie Buckingham geschrieben.
****
NA ENDLICH!
B.
TV-Spots verboten
Die umstrittene Broschüre "Kraft zum Leben" darf nicht länger im deutschen Fernsehen beworben werden. Bei den Spots für das Buch der amerikanischen Arthur S. De Moss-Stiftung handele es sich um religiöse und weltanschauliche Werbung, die in Deutschland verboten sei, teilte die Gemeinsame Stelle Werbung der Landesmedienanstalten am Dienstag in Kassel mit. Eine weitere Ausstrahlung der mit prominenten Sportlern und Musikern besetzten Spots solle unterbunden werden. n-tv wird den Spot nicht mehr zeigen.
"Intolerant, dogmatisch und fundamentalistisch"
Nachdem die Kampagne für das Wort Gottes zunächst als harmlos eingestuft worden war, wurde inzwischen heftige Kritik an der Broschüre und der De Moss-Stiftung laut.
Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) gehört dabei noch zu den moderaten Kritikern. Gegenüber n-tv.de erklärte Utsch: "Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, und da hat jeder das Recht, zu werben. " Das Buch selbst sei unbedenklich. Es lade nur dazu ein, sich intensiver mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. "Schwierig" allerdings sei die Tatsache, dass die dahinter stehende Stiftung medien- und öffentlichkeitsscheu und nur über eine Postfachadresse erreichbar sei, räumt Utsch ein. "Ungünstig" sei auch, dass das Buch im "amerikanischen Frömmigkeitsstil" gehalten sei. Damit werde suggeriert, dass der Glauben in jedem Fall zu einem glücklichen Leben führe. Utsch bemängelt zudem einen fehlenden Gemeinschaftsbezug. "In dem Buch heißt es, man solle sich einer bibeltreuen Gemeinde anschließen - es werden aber keine Adressen genannt."
Kritisch äußerte sich gegenüber n-tv.de auch Thomas Nippe vom Referat für Sekten- und Weltanschauungsfragen (RSW) der Katholischen Kirche. Für ihn hat die DeMoss-Stiftung "nicht aus der Hüfte geschossen", sondern die Zeit nach dem 11. September gezielt dafür genutzt, um eine auf längere Zeit angelegte Mission zu starten.
Auch der Inhalt des Buches sei mehr als zweifelhaft. Der Text sei die "metaphysische Ausrichtung dessen, was die Globalisierung für die Politik bedeutet". Zudem sei die Bibel "so nicht zitierbar ". Die Bibel sei widersprüchlich, komplex und ohne einen geschichtlich-politischen Zusammenhang nicht lesbar. Das "Kraft zum Leben"-Buch stehe für eine Spiritualisierung der Gesellschaft - und nicht für Spiritualität. "Eine Sumpfblüte mehr auf dem Markt der Weltanschauungen", so Nippe.
Die Gefahr sieht Nippe in der möglichen Verstärkung einer bereits vorhandenen geistigen Strömung, "die dick nach Rechts driftet". Die besonders nach den Anschlägen in den USA wieder erstarkenden Bilder von Freund und Feind, von Schwarz und Weiß könnten wieder salonfähig werden. Nippe glaubt, dass eine ideologische Einflussnahme beabsichtigt ist: "Es ist der Versuch, auch im europäischen Bereich Fuss zu fassen." Macht ist Geld - oder: Geld ist Macht. Auch wenn die DeMoss-Stiftung es sogar schriftlich gibt: "Keine Spenden erbeten oder akzeptiert " - Nippe will nicht ausschließen, dass es auch um finanzielle Interessen geht.
Damit dürfte er so falsch nicht liegen: Unbestätigten Angaben zufolge zahlen Teilnehmer "religiöser Abendessen " bei der Witwe des Stiftungsgründers Arthur, Nancy DeMoss, rund 80.000 Dollar pro "Sitzung".
Auch der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, kritisierte die DeMoss-Stiftung. Laut Gandow hat die Stiftung "engste Kontakte zu Jerry Falwell, einem der prominenten Sprecher der amerikanischen evangelikalen Rechten". Falwell seinerseits habe intensive Arbeitskontakte mit der Mun-Bewegung "nicht gescheut", als es um die Finanzierung seiner Liberty-University ging.
Von den prominenten Werbeträgern bezogen der Fußballer Paulo Sergio und die frühere Turmspringerin Brita Baldus und der Golfspieler Bernhard Langer öffentlich Stellung. Sergio: "Ich habe das Buch unterstützt, um die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Die Ziele der Stiftung kenne ich nicht." Baldus: "So wie ich die DeMoss-Stiftung kennen gelernt habe, im Zusammenhang mit 'Kraft zum Leben', habe ich keinerlei Bedenken gehabt." Langer äußerte sich auf seiner Internet-Homepage: "Ich habe das angebotene Buch (...) in seiner englischen Fassung schon vor Jahren gelesen, und es hat mir und meiner Familie sehr geholfen."
Nach Informationen des Südwestdeutschen Rundfunks wird die Stiftung auch in Amerika scharf kritisiert. In einem Interview der Sendung "Report" bezeichnete Rob Boston von der Bürgerrechtsorganisation "American United for Seperation of Church and State " die Stiftung als "intolerant, dogmatisch und fundamentalistisch". Es sei bekannt, dass sie extrem rechte Gruppen unterstütze, "die ganz offensichtlich Rechte der Frauen in der Gesellschaft beschneiden und Homosexualität als Verbrechen brandmarken wollen, das sogar die Todesstrafe nach sich ziehen kann."
Arthur S. DeMoss hatte die Stiftung 1955 im Alter von 31 Jahren gegründet. Er hat sein Vermögen als Buchmacher für Pferdewetten und mit dem Verkauf von Versicherungen gemacht. Bei seinem Tod 1979 hinterließ er seiner Frau Nancy ein Vermögen von mehr als 300 Millionen Dollar.
Die DeMoss-Stiftung hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehrere Millionen Kopien des Buchs in insgesamt zwölf Ländern verschenkt. "Kraft zum Leben" wurde 1983 von dem amerikanischen Prediger Jamie Buckingham geschrieben.
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NA ENDLICH!
B.
