Hallo,
ein liebes dankeschön an Levke für seine sehr menschliche Stellungnahme.
Biotechnologie schafft Chancen und Risiken, ich möchte hier mal ganz plakativ
die Kernkraft und Atombombe anticken...
Etwas unfair und einseitig ist die Diskriminierung der kritisch Nachdenkenden
auf folgende Weise:
- wir verlieren den internationalen Anschluss (bei IT und Software
haben wir ihn verschlafen, und niemand fand das schlimm).
- künftige Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
- die Deutschen neigen eh zum Nörgeln und Kriteln
- denkt an die Chancen, Krankheiten zu heilen..
(dabei investiert kaum noch ein Pharmaunternehmen in Antibiotika, weil das
wenig lukrativ ist, obwohl wir gerade hier dringendsten Handlungsbedarf
haben, und auch klassisch ohen Biotech vorgehen könnten!)
Ich denke nämlich:
wenn wir die Grenzen nicht festsetzen, so werden sie, wo immer notwendig, von
der Industrie im Rahmen des legitimen Profitstrebens zum eigenen Nutzen beliebig
gedehnt und gebogen. Ich glaube nicht an edle Absichten zur Heilung heute
unheilbarer Krankheiten (mit Ausnahme einiger vielleicht naiver Wissenschaftler,
die sich von der Industrie vor den Karren spannen lassen).
Das legitime Primat der Industrie ist Profit, nicht die Weltgesundheit.
Biotech in jeder Facette soll der Pharmaindustrie neue Blockbuster bescheren.
Blockbuster sind deshalb typischerweise Medikamente, die in Massenbereichen
wie Herzkrankheiten, Kreislauf, Krebs, Allergien und Alltagserkrankungen
wirksam werden, evtl. noch nervliche Erkrankungen.
Ob solche Entwicklungen durch die derzeitigen Diskussionen überhaupt
tangiert, d.h. potenziell eingeschränkt werden können, ist noch wenig konkret,
und deshalb für mich auf jeden Fall eher irrelevant.
Ich denke deshalb, dass die Diskussion zuallererst die ethischen Gesichtspunkte
beleuchten sollte, die wirtschaftlichen Interessen sollten, sofern überhaupt
relevant (Blockbuster), in die verbleibenden Freiräume eingepasst werden.
Man sollte über all dem nämlich nicht vergessen, dass Gesetze über Gentechnik
neue Fakten schaffen, besonders auch juristisch, die durchaus eine
(massive) Einschränkung unserer persönlichen und bürgerlichen Freiheiten
bedeuten könnten.
Dazu gehören die Fragen, wer bestimmt nach welchen kriterien was krank, gesund,
normal, versicherbar, riskant, beschäftigbar, lebenswert, erhaltenswert,
übermässig teuer, eine Belastung, etc ist.
Im Augenblick sind solche Wertung noch grösstenteils individueller Natur,
dies könnte sich jedoch im Rahmen einer umfassenden gentechnischen
Informationstechnologie dramatisch ändern (z.B. objektive Kriterien
aufgrund von Gendatenbanken). Versichert dann eine private Krankenkasse
ein vorhersagbar krankes Kind? Dürfen Eltern mit Gendefekten und hoher
risikoklassifizierung zeugen? Etc pp. Der Grausamkeit sind hier
leider auch keine Grenzen nach oben gesetzt. Was bin ich dankbar dass sich
vor 60 Jahren dieser Tehcnologien noch niemand bedienen konnte!!
Dazu komen noch Fragen nach dem Besitz von Genen, sowohl in der Flora und
Fauna als auch in Bezug auf Menschen, auch die Frage nach dem Besitz und
der Auswertung der Geninformationen, die uns jetzt und künftig entnommen
werden. Beisiel Island: umfangreiche personalisierte Blut und Gendatenbanken
machen eine komplette Durchforstung des genetischen Bestandes der isländischen
Bevölkerung möglich, und damit auch der industriellen Nutzung, jedoch ohne
Einflussnahme noch Beteiligung der Bevölkerung.
Wem gehört das Gen eines Baums. Gehört einer Firma, muss dann der indische
Bauer eine Lizenz zahlen?
Alles nicht ganz einfach zu beantworten.
Auf jeden Fall lässt sich eine solche Diskussion nicht gerade auf
verkürzten ein-2 dimensionalen Pfaden durchziehen, wie das ind er Politik,
der Blöd oder einschlägigen Talkshows immer wieder vesucht wurde.
:) tetsuo