19.08.2003 - 13:24 Uhr
Konjunkturoptimimus in Deutschland nimmt weiter zu
Frankfurt/Mannheim (vwd) - Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Analysten und institutionellen Investoren für Deutschland sind im August den achten Monat in Folge gestiegen und haben damit die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung verstärkt. Nach der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhöhte sich der Index der Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und Ökonomen auf 52,5 Punkte nach 41,9 im Juli und 21,3 im Juni. Von vwd befragte Volkswirte hatten für August im Durchschnitt lediglich einen Anstieg auf 47,0 Punkte vorhergesagt.
"Der Optimismus bleibt ungebrochen; wahrscheinlich ist dies ein Vertrauensvorschuss auf die erhoffte Konjunkturerholung im nächsten Jahr",kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz die Zahlen seines Instituts. Nach Einschätzung der Mannheimer Wirtschaftsforscher dürften die Konjunkturerwartungen für Deutschland von der jüngsten Belebung der US-Wirtschaft profitiert haben. Darüber hinaus hätten zu dem größeren Konjunkturoptimismus vermutlich die positiven Juni-Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe und die überraschend guten Unternehmensgewinne einiger DAX- und MDAX-Werte beigetragen, so das ZEW.
Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen auch im August weniger stark als für Deutschland. Demnach erhöhte sich der Euro-Indikator des ZEW im Vergleich zum Vormonat um 7,6 Punkte auf 58,1. Angesichts des aufkeimenden Konjunkturoptimismus erhöhte sich zudem die Zahl der Analysten, die der ZEW-Umfrage zufolge in den kommenden Monaten keine Zinssenkung mehr durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwarten. Zudem wird tendenziell mit einer Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar gerechnet. Auch bei den Ölpreisen wird eher von einem Rückgang ausgegangen.
Bankvolkswirte mahnten, den Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland mit Vorsicht zu genießen. Andreas Rees von der HypoVereinsbank verwies darauf, der ZEW-Index habe seit dem ersten Quartal 2002 die wirtschaftliche Entwicklung stets überschätzt. Michael Hume von Lehman Brothers kritisierte ebenfalls, dass sich die bisherige Entwicklung der ZEW-Erwartungen nicht in der tatsächlichen Wirtschaftslage widergespiegelt habe. Der Index werde vor allem von der Hoffnung getragen.
Die Deutsche Bundesbank hatte bereits am Montag vor zu viel Zuversicht in die weitere wirtschaftliche Entwicklung gewarnt. Der gestiegene Konjunkturoptimismus dürfe nicht als "Selbstläufer" interpretiert werden, gab die Bundesbank in ihrem Monatsbericht August zu bedenken. So hätten sich die Hoffnungssignale bislang nicht in den "harten Wirtschaftsdaten" niedergeschlagen. Allerdings sei eine Konstellation mit steigender Konjunkturzuversicht bei schwacher Lage im Vorfeld konjunktureller Wendepunkte keineswegs untypisch, so die Bundesbank. +++ Peter Trautmann
vwd/19.8.2003/ptr/hab
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Kalli 