Das Schreckgespenst "Double Dip" ist wieder in das Bewusstsein der Börsianer zurückgekehrt. Nach Ansicht vieler Analysten könnte ein unerwartet langer Irak-Krieg die USA erneut in die Rezession stürzen lassen.
Führende Konjunkturexperten, darunter auch die amerikanische Notenbank, halten ein Ende des Investitionsstaus bei den Unternehmen und ein Anziehen der Konjunktur erst nach Beendigung des Irak-Konflikts für möglich. So lange der Krieg andauert, herrscht in der Wirtschaft Unsicherheit, halten sich die Firmen mit Investitionen zurück.
Der Optimismus, dass das Regime von Saddam Hussein quasi über Nacht beseitigt werden könne, ist inzwischen aber verflogen. Der Marsch der Alliierten auf Bagdad läuft zögerlicher als erwartet, das Wetter spielt nicht mit, die irakischen Truppen leisten zähen Widerstand. Und die Hoffnung, dass die Alliierten von der Bevölkerung als "Befreier" gefeiert werden, hat sich zumindest bislang auch nicht erfüllt.
Angeblich halten führende US-Offiziere inzwischen eine Kriegsdauer von mehreren Monaten für wahrscheinlich. Bis dahin könnte die US-Konjunktur wieder in der Rezession stecken, denn die Auswirkungen der Nahost-Krise machen sich inzwischen deutlich bemerkbar. Die im Februar gemeldeten Konjunkturdaten und Stimmungsindikatoren waren zum großen Teil lausig, für das erste Quartal 2003 haben deutlich mehr US-Firmen vor einem Verfehlen der Prognosen gewarnt [1] als noch vor Jahresfrist.
Es drohen neue Tiefstände an den Börsen
Unterstützung von den Verbrauchern, die mit ihrer anhaltenden Konsumfreude bislang die US-Konjunktur noch einigermaßen am Laufen gehalten haben, ist kaum zu erwarten. Die Entlassungswelle der letzten Jahre und die ohnehin schon hohe Verschuldung der Privathaushalte zwingen zum Sparen. Dazu will der US-Kongress die von Präsident Bush geplanten Steuersenkungen um die Hälfte zusammenstutzen [2] . Über die langfristigen Auswirkungen der geringeren Steuernachlässe streiten sich die Experten, kurzfristig fehlt den Konsumenten aber Geld, also werden sie weniger ausgeben.
Der von den Börsianern lang ersehnte nachhaltige Aufschwung an den Aktienmärkten könnte sich in Anbetracht der ungünstigen Konjunkturlage also wieder einmal verschieben. Derzeit prognostizieren Analysten für das zweite Halbjahr noch kräftige Gewinnanstiege bei den US-Unternehmen: Während die durchschnittlichen Ergebniszuwächse im S&P 500 im Jahresvergleich für das zweite Quartal auf 7,1 Prozent taxiert werden, sollen es im dritten Quartal schon 13,2 Prozent und im vierten Quartal gar 21,3 Prozent sein.
Ohne Konjunkturaufschwung sind diese Steigerungsraten völlig unrealistisch. Gewinnrevisionen der Analysten sind zu befürchten mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Börsen. Nach Ansicht von Bill Sullivan, Volkswirt bei Morgan Stanley, wären bei einer erneuten Rezession in den USA sogar neue Tiefs an den Aktienmärkten weltweit nicht auszuschließen.