ftd.de, Di, 7.8.2001, 9:37, aktualisiert: Di, 7.8.2001, 18:30
Klon-Forscher decken ihre Pläne auf
Zwei Mediziner wollen im November mit dem Klonen von Menschen beginnen. Ziel der beiden Frauenärzte ist es, Babys nach dem Dolly-Verfahren zu klonen.
Der italienische Frauenarzt Severino Antinori und sein US-Kollege Panayiotis Zavos wollten am Dienstagabend auf einer Tagung der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (NAS) über den jüngsten Stand ihrer umstrittenen Medizin-Technologie zu berichten. Auf dem Forum wollte auch Brigitte Boissellier von Clonaids, einem Unternehmen der kanadischen Raelianer-Sekte, ihre Pläne zum Klonen von Menschen vorstellen.
Die eintägige Anhörung in den USA sollte beiden Teams die Gelegenheit bieten, ihr umstrittenes Vorhaben vor einem hochrangigen Expertenforum zu erläutern. Bereits im Voraus hatten Antinori und Zavos angekündigt, dass sie im November die ersten menschlichen Embryonen klonen wollen und im Jahr 2002 mit dem ersten Klon-Baby der Welt rechnen.
Experte warnt vor "unnormalen" Lebewesen
Der aus Deutschland stammende Biologe und Klonexperte Prof. Rudolph Jaenisch warnte die Akademie zu Beginn der Tagung eindringlich vor "unnormalen" Lebewesen. "Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, aus geklonten Embryonen normale Individuen entwickeln zu können", sagte Jaenisch vor dem NAS-Ausschuss. Jaenisch hatte erst kürzlich im Wissenschaftsjournal "Science" darauf aufmerksam gemacht, dass geklonte Tiere auch dann oft unnormal sind, wenn sie äußerlich gesund und intakt aussehen. Der 59-jährige Forscher vom Whitehead Institut für Biomedizinische Forschung in Boston entdeckte, dass sich bei den geklonten Tiere die Gene unzuverlässig ein- und ausschalteten.
Antinori und Zavos hatten vor der Tagung erklärt, ihr Team arbeite mit 200 unfruchtbaren Paaren zusammen. Ziel sei es, ihnen bei der Verwirklichung ihres Wunschs zu helfen, ein Kind zu haben. Zavos leitet eine private Firma, die Produkte und Methoden gegen die Unfruchtbarkeit vermarktet. Jüngsten Zeitungsberichten zufolge will Antinori Zellen aus der Hand von unfruchtbaren Männer entfernen und mit Hilfe deren Erbguts Babys nach dem Dolly-Verfahren klonen. Beim Klon-Schaf Dolly war nur einer von 277 Versuchen geglückt.
Da immer mehr Länder das Klonen menschlicher Embryonen verbieten, erwägt Antinori, die Versuche auf einem Schiff in internationalen Gewässern auszuführen. Der italienische Arzt hatte sich zuvor auf die künstliche Befruchtung von Frauen nach der Menopause spezialisiert. Mit seiner Hilfe brachte eine 63-jährige Italienerin einen gesunden Jungen zur Welt, eine 58-jährige Frau aus London gebar sogar Zwillinge.
Scharfer Protest
Auf der Rednerliste der Tagung steht auch der schottische Klon-Pionier Ian Wilmut vom Roslin-Institut in Edinburgh, der mit dem Schaf Dolly erstmals ein Säugetier mit Hilfe von ausgewachsenen Zellen geklont hatte. Wilmut ist entschieden gegen das Klonen von Menschen und hat immer wieder vor der hohen Gefahr von Missbildungen gewarnt. Aus Deutschland war bereits zuvor scharfer Protest gegen die Pläne von Antinori laut geworden. Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland bezeichneten die Pläne des Arztes Antinori als Angriff auf die Menschenwürde.
Auch die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte ihre Ablehnung des Klonens von Menschen vor dem Beginn der Konferenz in Washington bekräftigt. Ein Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, erklärte, es sei nicht bekannt, wie Zavos sein Ziel erreichen wolle, der Präsident lehne aber alle Versuche zum Klonen von Menschen ab.
© dpa , © Illustration: AP
Klon-Forscher decken ihre Pläne auf
Zwei Mediziner wollen im November mit dem Klonen von Menschen beginnen. Ziel der beiden Frauenärzte ist es, Babys nach dem Dolly-Verfahren zu klonen.
Der italienische Frauenarzt Severino Antinori und sein US-Kollege Panayiotis Zavos wollten am Dienstagabend auf einer Tagung der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (NAS) über den jüngsten Stand ihrer umstrittenen Medizin-Technologie zu berichten. Auf dem Forum wollte auch Brigitte Boissellier von Clonaids, einem Unternehmen der kanadischen Raelianer-Sekte, ihre Pläne zum Klonen von Menschen vorstellen.
Die eintägige Anhörung in den USA sollte beiden Teams die Gelegenheit bieten, ihr umstrittenes Vorhaben vor einem hochrangigen Expertenforum zu erläutern. Bereits im Voraus hatten Antinori und Zavos angekündigt, dass sie im November die ersten menschlichen Embryonen klonen wollen und im Jahr 2002 mit dem ersten Klon-Baby der Welt rechnen.
Experte warnt vor "unnormalen" Lebewesen
Der aus Deutschland stammende Biologe und Klonexperte Prof. Rudolph Jaenisch warnte die Akademie zu Beginn der Tagung eindringlich vor "unnormalen" Lebewesen. "Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, aus geklonten Embryonen normale Individuen entwickeln zu können", sagte Jaenisch vor dem NAS-Ausschuss. Jaenisch hatte erst kürzlich im Wissenschaftsjournal "Science" darauf aufmerksam gemacht, dass geklonte Tiere auch dann oft unnormal sind, wenn sie äußerlich gesund und intakt aussehen. Der 59-jährige Forscher vom Whitehead Institut für Biomedizinische Forschung in Boston entdeckte, dass sich bei den geklonten Tiere die Gene unzuverlässig ein- und ausschalteten.
Antinori und Zavos hatten vor der Tagung erklärt, ihr Team arbeite mit 200 unfruchtbaren Paaren zusammen. Ziel sei es, ihnen bei der Verwirklichung ihres Wunschs zu helfen, ein Kind zu haben. Zavos leitet eine private Firma, die Produkte und Methoden gegen die Unfruchtbarkeit vermarktet. Jüngsten Zeitungsberichten zufolge will Antinori Zellen aus der Hand von unfruchtbaren Männer entfernen und mit Hilfe deren Erbguts Babys nach dem Dolly-Verfahren klonen. Beim Klon-Schaf Dolly war nur einer von 277 Versuchen geglückt.
Da immer mehr Länder das Klonen menschlicher Embryonen verbieten, erwägt Antinori, die Versuche auf einem Schiff in internationalen Gewässern auszuführen. Der italienische Arzt hatte sich zuvor auf die künstliche Befruchtung von Frauen nach der Menopause spezialisiert. Mit seiner Hilfe brachte eine 63-jährige Italienerin einen gesunden Jungen zur Welt, eine 58-jährige Frau aus London gebar sogar Zwillinge.
Scharfer Protest
Auf der Rednerliste der Tagung steht auch der schottische Klon-Pionier Ian Wilmut vom Roslin-Institut in Edinburgh, der mit dem Schaf Dolly erstmals ein Säugetier mit Hilfe von ausgewachsenen Zellen geklont hatte. Wilmut ist entschieden gegen das Klonen von Menschen und hat immer wieder vor der hohen Gefahr von Missbildungen gewarnt. Aus Deutschland war bereits zuvor scharfer Protest gegen die Pläne von Antinori laut geworden. Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland bezeichneten die Pläne des Arztes Antinori als Angriff auf die Menschenwürde.
Auch die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte ihre Ablehnung des Klonens von Menschen vor dem Beginn der Konferenz in Washington bekräftigt. Ein Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, erklärte, es sei nicht bekannt, wie Zavos sein Ziel erreichen wolle, der Präsident lehne aber alle Versuche zum Klonen von Menschen ab.
© dpa , © Illustration: AP