KIRCH-KRISE: Murdoch lacht zuletzt


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KIRCH-KRISE: Murdoch lacht zuletzt

 
26.03.02 12:33
Alle Versuche, den australischen Medientycoon Rupert Murdoch aus der deutschen Medienlandschaft herauszuhalten, sind offenbar fehlgeschlagen. Er soll nun die Führung von dem übernehmen, was von der KirchGruppe übrig bleibt.

München - Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sind die Gläubigerbanken der KirchGruppe mittlerweile bereit, den ausländischen Medienunternehmern Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi die Mehrheit am Kirch-Konzern zu überlassen. Die Handelsgruppe Rewe und der saudischen Prinzen Al Walid sollen als passive Teilhaber an dem Medienkonzern beteiligt bleiben. Murdoch und Berlusconi seien vor allem an den TV-Sendern Sat.1, ProSieben und Kabel 1 interessiert, heißt es in dem Bericht. Die operative Steuerung würde in dieser Konstellation an Murdoch fallen, Berlusconi würde assistieren, schreibt die Zeitung.
Strittig sei allerdings, wer die Hauptlast bei der Entschuldung trägt. Laut "SZ" können die Verhandlungen noch an der Forderung von Murdoch und seinen Partnern scheitern, dem neuen Konzern alle Schulden zu erlassen.

In der Vergangenheit hatten sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch Kanzlerkandidat Edmund Stoiber versucht, einen groß angelegten Einstieg von Murdoch in den deutschen Medienmarkt zu verhindern. Der australische Medienmanager steht in dem Ruf, sich mit seinen Medien politisch einzumischen und Wahlempfehlungen abzugeben. Auch die Unabhängigkeit Berlusconis ist wegen seiner Dopelrolle als größter Medienunternehmer Italiens und italienischer Ministerpräsident umstritten.

Nach Angaben der "SZ" sieht die bayerische CSU keine Chance mehr, einen Einstieg der ausländischen Medienzaren zu verhindern. "Das übergeordnete Interesse der CSU ist die weitere Existenz der Arbeitsplätze und des Medienstandortes München", zitiert die Zeitung den Chef der CSU-Landtagsfraktion, Alois Glück.

Leo Kirch selbst ist offenbar von allen politischen und finanziellen Förderern aufgegeben worden. Die Banken erwägen aber nach Informationen aus Finanzkreisen eine Art Ehrenposition für Kirch. "Man muss ihm Brücken bauen - ob er diese überschreitet, muss er wissen", hieß es. Auch eine finanzielle Gegenleistung sei im Gespräch.

Außerdem heißt es in Kreisen, die Banken wollten sich noch in dieser Woche auf eine Lösung verständigen, die die Liquidität der Filmproduktions- und Rechtehandelstochter KirchMedia sichere. Schon am Wochenende war deutlich geworden, dass Leo Kirch aus Sicht der Banken vermutlich nicht um den Verlust der Mehrheit bei KirchMedia herumkommt. "Eindeutig scheint, dass Kirch sich verabschieden muss", sagte ein Bankenvertreter. An den Gesprächen am Montag nahmen den Angaben zufolge erneut Kirch-Vertreter, Kreditexperten der Bayerischen Landesbank, der HypoVereinsbank, der DZ Bank und der Commerzbank sowie Repräsentanten von Murdochs News Corp. und Berlusconis Mediaset teil.

Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn will offenbar seinen Rücktritt anbieten, wenn Firmengründer Leo Kirch die Mehrheit an seinem Kerngeschäft KirchMedia abgeben muss. In Kirch-Kreisen hieß es, der 41-jährige Medienmanager werde nach fünf Jahren in der Geschäftsführung der KirchGruppe und als die unbestrittene Nummer zwei hinter Leo Kirch sicher nicht unter neuen Mehrheitsgesellschaftern arbeiten wollen. "Auf Grund der gewachsenen Loyalität wird Hahn, falls Kirch die Kontrolle über KirchMedia verliert, wahrscheinlich seinen Rücktritt anbieten."
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